Dienstag, 14. August 2012

Die kleinen Kobolde der Nacht

Auf Fledermaussafari in den Hassbergen



"Die kleinen Kobolde der Nacht" - mit diesem Titel war eine Nachtwanderung zur Fledermausbeobachtung in den Hassbergen ausgeschrieben. Klara (12 Jahre alt) und ich mussten da natürlich hin.

Treffpunkt: um 19 Uhr an der Kirchenlinde in Fatschenbrunn (30 km von Zeilitzheim entfernt). Dort warteten etwa 30 Personen, darunter viele Kinder mit Taschenlampen ausgerüstet und Anton und Jürgen auf uns. Jürgen ist Biologe, Anton scheint der "Fledermauspfleger" zu sein, der alle Fledermauskästen am Waldrand kennt und nach dem Zustand und der Zahl der Fledermäuse schaut. Er führte uns über eine Streuobstwiese (Apfel- und Birnbäume waren schwer beladen von bald reifen Früchten) und durch ein Waldstück, an dessen Rand die ersten Kästen mit dem nur 3 cm breiten Einflugschlitz hingen. Deutschland hat (noch!) die meisten Fledermausarten in Europa: die braune Langohrfledermaus, den Abendsegler, das Mausohr, die Zwergfledermaus usw. Und die meisten Arten wiederum sind im Steigerwald bzw. den Hassbergen zu finden. Anton öffnete hier und da einen Kasten. Manche Kästen waren leer; die Fledermäuse waren zum abendlichen Insektenfang ausgeflogen. In anderen hingen bis 30 Fledermäuse - so sagte Jürgen. Wie haben so viele Tiere nur Platz auf so engen Raum! Mit einem Handschuh ergriff er eine, um uns zu erklären, dass die Flügel wie die menschlichen Hände seien, mit fünf Fingern und starken Haken am Ende zum Festhalten.

Die Fledermäuse sind Säugetiere und säugen ihre Jungen etliche Monate. Nach der Geburt klettert so ein Fledermausbaby (nur eines pro Jahr bekommt die Mutter) herab und saugt sich an ihrer Brust fest. Muss die Mutter mal ausfliegen, hängt sie ihr Baby an die Wand und holt es sich dann wieder, wenn sie genügend Nachtfalter und Insekten erjagt hat. Unter den vielen, vielen in der Wochenstube findet sie immer ihr eigenes! Die Mütter und ihre Kinder leben in großen Gruppen zusammen. Ihr soziales Verhalten erleichtert das Überleben. Im Winter leben sie in frostsicheren Höhlen - in unseren Gegenden in ehemaligen Eiskellern, und in der Fränkischen Schweiz in Tropfsteinhöhlen. Mit viel wissenswerten Erklärungen gingen wir durch den immer dunkler werdenden Wald, durften hier und da in einen Kasten schauen, wurden auf eine Orchideenart hingewiesen (Anton sah sie offensichtlich auch in der Dunkelheit, wir eher nicht) und erreichten am Ende den Dorfteich von Fatschenbrunn, über den eine Vielzahl von Fledermäusen lautlos auf der Jagd nach Insekten schossen.

Was für ein erlebnisreicher Abend!

Marina von Halem

Links:

Umweltbildung Hassberge: http://www.umweltbildung-hassberge.de/control.php?&topgroupname=&groupname=UBiZ

Fledermäuse (Wikipedia): http://de.wikipedia.org/wiki/Flederm%C3%A4use