Samstag, 14. April 2012

Kultur ist gut. Kulturgut.

Und das macht Mut.

Der heutige Tag im Schloss stand ganz im Zeichen der Kulturpolitik. Landtagsabgeordneter der Freien Wähler, Günther Felbinger, hatte zu einem Fachgespräch zur Erörterung neuer Wege der Kulturförderung ins Schloss Zeilitzheim eingeladen.

Entstanden war dieser Kontakt einst online: Er und die Mitglieder seines Bürgerbüros, Jan Richter und Kerstin v. Transehe-Roseneck, hatten seinerzeit die Gründung des Kulturnetzwerks Unterfranken bei Facebook mitbekommen und auch die Entwicklungen bei Twitter und im Schlossblog mit verfolgt. Als Herr Felbinger bereits im September 2011 darüber nachdachte ein Fachgespräch der Kulturschaffenden und Veranstalter zu initiieren, kam die Anfrage daher an mich, ob diese Veranstaltung in Zeilitzheim stattfinden könne. Ich war natürlich gleich begeistert, liegt mir doch die Vernetzung der regionalen Akteure im Kulturbereich schon lange am Herzen.

Es kam heute eine breit gefächerte Auswahl der in Unterfranken in und für die Kultur tätigen Menschen, quer durch die Sparten hinweg. Alleine das zeigte, wie vielseitig das Kulturangebot Unterfrankens ist. So waren Vertreter der Musikschulen, der Tonkünstlerverbände, der Kulturreferent der Stadt Würzburg, des Bezirks Unterfranken, der Offenen Behindertenarbeit, des Fränkischen Kabarettpreises, Bayerisches Kammerorchester, Musikakademie Hammelburg, Kunstverein Bad Neustadt, Theater Tanzspeicher in Würzburg, Förderer von Populärmusik sowie Kulturmanager verschiedener Institutionen rund 25 Vertreter von der "Front" dabei. Besonders gefreut habe ich mich, in der Geschäftsführerin der Scherenburgfestspiele Gemünden meine Klassenkameradin aus dem Französischleistungskurs, Inge Albert, wieder zu sehen (das ist auch schon eine Weile her…). Ich hoffe ich habe niemanden bei dieser Aufzählung vergessen, aber dies soll ja auch erst ein Anfang sein zum Dialog (zum Beispiel, aber nicht nur über die oben genannte Facebookgruppe).

Nach einer Einführung in den derzeitigen Stand der Dinge in Sachen Kulturförderung in Bayern durch den Abgeordneten Günther Felbinger teilten wir uns auf in zwei Diskussionsgruppen. Als Aufgabe wurde uns gestellt, über drei Fragen zu diskutieren und die Ergebnisse im Anschluss im Plenum vorzustellen. In der Fachgruppe "Musik, Theater, Tanz, Film, Kunst" bat man mich diese Ergebnis im Gesamtgremium vorzustellen. Das kann ich (natürlich auch hier) nur für unsere Gruppe tun. Tue es hier auch nur stark verkürzt, denn die Diskussion soll sich ja noch fortsetzen.

Zu Beginn unserer Diskussionsrunde stellte sich jeder kurz vor, was ich sehr schön fand, weil es die Zusammenarbeit in der Region voran bringt, wenn sich die Akteure auch persönlich kennen lernen. Dennoch kriegten wir noch die Kurve auch über die Fragen zu diskutieren...

Frage 1: Halten Sie die derzeitige staatliche Kulturförderung für effektiv, transparent und zeitgemäß?

Generell waren wir uns hier einig, dass es hier eher allgemeine Unzufriedenheit gibt. Das größte Problem, das die Akteuere meiner Fachgruppe sahen, ist fehlende Transparenz, sowohl im Bereich der Vergabekriterien für Kulturförderung, als auch bei der Verwendung der Mittel. Welche Mittel werden wofür ausgegeben? Welche Projekte werden bezuschusst und welche nicht (und warum nicht)? Generell fehlt uns eine Kulturstatistik. Auch prangerten wir die mangelnde Planungssicherheit für Kulturveranstalter an, die nicht wissen wann Fördermittel fließen (ob sie fließen) und wie nachhaltig diese fließen werden. Transparenz forderten wir auch in der Frage: Was wird mit diesen Mitteln erreicht? Also nicht nur zahlenmäßig, sondern auch gesellschaftlich, regional etc.

Frage 2: Welchen dringenden Handlungsbedarf sehen Sie hinsichtlich der staatlichen Kulturförderung in Ihrem Arbeitsbereich?

Zu Oberst stellten wir hier den Wunsch nach einer Vereinfachung bei der Erbringung von Verwendungsnachweisen. Der Wunsch nach mehr Personal im (unterstützenden) Kulturbereich wurde hier positiv ergänzt durch den Wunsch das Ehrenamt (weiter) zu stärken, zum Beispiel durch eine Aufstockung der Ehrenamtspauschale. Wir wünschten uns mehr Transparenz, u.a. eine jährliche Aufstellung der verwendeten Mittel. Auch sollten die Zuständigkeitsbereiche in Ämtern, Behörden und Ministerien für die Kulturschaffenden vor Ort transparenter werden. Bei der Vergabe von Fördermitteln muss es mehr Planungssicherheit geben (wann fließen welche Gelder? Ist eine Anschlussfinanzierung möglich?). Aber vor allem wollen wir wissen, welche Anträge eingereicht werden, welche davon "vorsortiert" bzw. aussortiert werden (und warum) und welche Projekte gefördert oder nicht gefördert werden mit einer jeweiligen Begründung.

Frage 3: Welche Änderungen der staatlichen Kulturförderung halten Sie für Ihre Kultursparte und für die bayerische Kulturlandschaft im Ganzen für sinnvoll?

Hier geht es also um die großen Forderungen "im Ganzen". Einig waren wir uns in der Diskussionsgruppe, dass - um es mit der Forderung der Rhön-Grabfelder Landrates Thomas Habermann zu halten - es mehr Gerechtigkeit zwischen der Förderung von Zentren (München…) und Regionen geben müsse. Auch stellten wir als wichtige Aufgabe für die Politik heraus, dass Kultur und Bildung mehr verzahnt sein müssten. Kultur muss als Schlüsselqualifikation angesehen werden (Beispiel: Kunst zählt im Notenspiegel weniger). Auch forderten wir die Volksvertreter dazu auf, mehr Mut auch zu unpopulären Aussagen und Entscheidungen zu haben. Positiv drückten wir das jedoch dadurch aus, dass es inzwischen einen Kulturförderatlas der Grünen oder die heutige Veranstaltung der Freien Wähler gibt. Bei der Förderung von Projekten wünschten wir uns eine Deckelung größerer Projekte, auch um kleinere Regionen zu fördern. Bei der Forderung des einladenden Abgeordneten Günther Felbinger nach einem Kulturrat, der die Landesregierung fachlich beraten soll, waren wir noch skeptisch, ob die Besetzung nicht viellicht doch politisch motiviert sein könnte… Am Ende (und das kam ausnahmsweise nicht von mir, sondern vom Chef der Musikakademie in Hammelburg) war der Wunsch nach einer stärkeren Nutzung des Web 2.0, als von in mehreren Richtungen kommunikativen Medien. (dazu sage ich natürlich, auch als Atheist: Amen).

Die zweite Gruppe der Kulturreferenten und Kulturmanager hatte ähnliche Ansätze, kümmerte sich jedoch mehr darum, ob die derzeitige Kulturförderung zeitgemäß ist. Diese Gruppe wünschte sich eine stärkere Dezentralisierung und dennoch einer Bündelung von Ressourcen.

Es folgte für den Abgeordneten Felbinger, Frau Dr. Christine Fuchs als Sprecherin der Fachgruppe Kulturmanager und mich als Referent der Gruppe der Leistungsträger ein Pressegespräch, dem allerdings nur der nette Vertreter der Main Post beiwohnte, weil das Kamerateam von TV Touring nach Einholen der Soundbites schon wieder über alle Berge war. Aber wir unterhielten uns gut. Auch über Vernetzung und Facebook. Ich bin freudig gespannt auf den Bericht im Frankenteil der Main Post.

Insgesamt kann ich resümieren: Das Fachgespräch war vom Abgeordneten Günther Felbinger und seinen Mitarbeitern hervorragenden vorbereitet und durchgeführt. Zu keinem Zeitpunkt wurde versucht, uns eine "politische" oder sonstige vorgefertige Ansicht als Ergebnis aufzuzwängen. Auch in den Fachgruppen wurde konstruktiv und ergebnisorientiert diskutiert. Es fehlte das oft vorherrschende Motzen und sich Beschweren. Alle gingen mit Zuversicht und Hoffnung an die Herausforderungen heran.

Das macht Mut.

Es ist möglich, Kultur als Gut in der Gesellschaft zu etablieren, dieses auch zu fördern (nicht nur privat, sondern auch staatlich).