Dem Vorstand unseres Regionalentwicklungsvereins gehörte ich bis Ende 2008 zuerst ein paar Jahre lang als Arbeitskreisleiter für Öffentlichkeitsarbeit und dann sechs Jahre lang als Vorsitzender an. Mit der gestrigen Jahresversammlung in Stammheim zeigt sich jedoch, dass es den Verein bald nicht mehr geben könnte.
Zu erfolgreich waren wir wohl in den letzten 15 Jahren seit Gründung des Vereins "Fränkisches Wein- und Kulturland der Gemeinde Kolitzheim (FWK)". Für viele Tätigkeiten konnten wir genügend Verständnis seitens des Gemeinde gewinnen, so dass viele dieser Aufgaben inzwischen auch schon dort angesiedelt sind. Kämpften wir anfangs noch hartnäckig um jedes Projekt, hat sich unser Bürgermeister Horst Herbert inzwischen viele dieser auf die eigenen Fahnen geschrieben.
Über die grundsätzlichen Fragen, wie der Verein sich künftig ausrichten und organisieren soll, gibt es verschiedene Meinungen. Meine eigene spielt dabei als nicht-mehr-Vorstandsmitglied nur eine sehr untergeordnete Rolle. Ich bin der Meinung, dass diejenigen, die jetzt die Arbeit machen und den Verein führen, auch diese Entscheidungen treffen und sie mittragen müssen. Der Vorstand hat bei den gestrigen Neuwahlen jedoch durch die Bank verkündet nicht mehr zur Wahl zu stehen. Lediglich die Schatzmeisterin bot sich an künftig als Kassenprüferin tätig zu werden. Auch bei den wenigen erschienenen Mitgliedern war niemand dabei der sich bereit erklärte, die Geschicke des Vereins weiter zu lenken. Es bleibt also nichts weiter, als eine weitere außerordentliche Versammlung Mitte März einzuberufen, bei der ein letzter Versuch gemacht werden soll, einen Vorstand zu wählen. Klar ist aber, dass wenn dieses Vorhaben scheitert, der nächste Schritt die Vereinsauflösung wäre.
Ich sehe das trotz der über die Jahre vielen in den Verein und die gemeinsamen Vorhaben investierten Stunden momentan recht unemotional. Dass vieles erreicht wurde ist klar und wurde auch entsprechend gewürdigt, zum Beispiel durch einen mit EUR 15.000,-- dotierten Preis für "zukunftsfähige Landnutzung" seitens des Bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten, 2005. Dass vieles, was der Verein geleistet hat nun nicht mehr auf dieser Ebene geleistet werden müsste, sondern durch andere Strukturen erledigt werden könnte, scheint sich ebenfalls abzuzeichnen.
Nicht ganz klar ist mir, warum dann noch jetzt auf Gemeindeebene Geld in einem größeren fünfstelligen Betrag ausgegeben wird für Produkte, die 1. nicht mehr zeitgemäß und 2. auf dieser Ebene gar nicht notwendig sind. Das ist natürlich nur meine Meinung, die ich in den letzten Jahren allerdings mehrfach geäußert habe, wenn ich danach gefragt wurde. Gleichzeitig habe ich immer betont, dass der Vorstand des Vereins und die Gemeinde, wenn sie denn diese Produkte wollen und das Geld dafür ausgeben wollen, es halt eigenverantwortlich tun sollen. Die Mitglieder zu stark in diesen Prozess einzubinden, wenn sie sich sonst auch nicht einbringen, halte ich für schwierig. Andernfalls wird immer wieder von Anfang an neu zu diskutieren versucht über jedes Foto auf jeder Seite jeder Broschüre.
Unklar ist jetzt jedenfalls, wohin die Reise geht. Das von EU und Gemeinde geförderte neue Entwicklungskonzept (d.h. neue Broschüren) wird vom jetzigen Vorstand noch "abgewickelt". Ob sich der Verein dann mangels neuer Gesichter und vor allem neuer Macher auflösen wird? Es will sich wohl niemand mehr verschleißen für Aufgaben, die innerhalb der Gemeinde ohnehin kaum gewürdigt werden und (mit dieser Meinung bin ich jedoch vielleicht alleine) gar nicht mal benötigt werden. Aber jedes Ende kann ja auch ein neuer Anfang sein. Der Nährboden für neue Ideen und Konzepte ist nach 15 Jahren aktiver Arbeit in Sachen Regionalentwicklung jedenfalls sehr fruchtbar. Es fragt sich nur, ob sich neue, widerstandsfähige Keimlinge und solche Menschen, die diese behutsam aber unbeirrt pflegen können, finden werden.
Nachtrag 27.1.2012: Am 26.1. schaffte es diese Versammlung auch in die "Tageszeitung". Der Bericht der Main Post war am 25.1. nachmittags "schon" online zu lesen.

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