Mittwoch, 4. Januar 2012

Bedienung! Zwoa Hoibe!

Der Biergarten feiert heute 200. Geburtstag

Über den DEHOGA Bayern (dem ich allerdings nicht mehr angehöre) erfuhr ich über Facebook durch eine Umfrage, dass der Biergarten heute 200. Geburtstag feiert. Dazu gratuliert der Verband, steigt jedoch mit der Umfrage gleich in ein umstrittenes Thema ein und signalisiert durch die möglichen Antworten schon in welche Richtung das gehen kann (zumindest wenn man nur die Fans des Verbands befragt, die vermutlich fast ausschließlich Wirte sind). Folgende Frage und möglichen Umfrageantworten werden nämlich gestellt:

Was halten Sie von der Tradition, dass Gäste Mitgebrachtes verzehren dürfen?

a) Finde ich gut, genau das macht einen Biergarten aus
b) Ist mir egal
c) Überhaupt nichts, da verdient der Wirt nichts mehr.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt... Ich finde die Biergartentradition tagsüber seine Speisen selbst mitbringen zu dürfen jedenfalls sehr schön. Das rückt die Brautradition näher in den Fokus eines Biergartenbesuchs. So finde ich es auch besonders schön, dass man im Bamberger Schlenkerla, auch in den Innenräumen, auch heute noch tagsüber Speisen mitbringen darf und sich ein paar Halbe Rauchbier vom Eichenfass zapfen lassen kann (über das Schlenkerla hatte ich hier schon mal berichtet).

Ein Dekret des Bayerischen Königs Maximilian I. vom 4. Januar 1812 erlaubte den Bierbrauern über ihren Kellern von Juni bis September ihr Bier auszuschenken (siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Biergarten).

Das Recht seine eigenen Speisen in den Biergarten mitzubringen wurde sogar in der jüngsten Geschichte in der Bayerischen Biergartenverordnung von 1999 verschriftlicht. Im Gegenzug kommt man den Wirten hinsichtlich der Lärmschutzregelungen entgegen. Genau genommen wird in der Verordnung nicht das Mitbringen von Speisen genehmigt, sondern es wird die Betriebszeit im Freien auf spätestens 23 Uhr festgelegt, was unter anderem durch "die traditionelle Betriebsform, speziell die Möglichkeit, dort auch die mitgebrachte, eigene Brotzeit unentgeltlich verzehren zu können, was ihn von sonstigen Außengaststätten unterscheidet" begründet wird.

Auch die Lokalzeitung hat heute eine Meldung zum Jubiläum der bayerischen Biergärten veröffentlicht. Allerdings greift diese auf eine DPA-Meldung von Sabine Dobel zurück. Regionale Bezüge oder Recherche zum Thema Biergärten fehlen dort jedoch (noch). Dafür wird fleißig Werbung für München gemacht und die dortige Tourismuschefin Gabriele Weishäupl zitiert, die "2012 zum Jahr des Biergartens erklärt".

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass in unserer Region der Wein sich wieder fest etabliert hat und das Bier eine eher untergeordnete Rolle eingenommen hat (unser "Nachbar", der Krautheimer Brauer Friedrich Düll, der auch seit Juni 2011 Präsident des Bayerischen Brauerbundes ist, würde mir bestimmt widersprechen). Jedenfalls ist Zeilitzheims eigene stolze Braugeschichte eben das: Geschichte. Auch bei uns in Zeilitzheim gab es nämlich einmal drei Gastwirtschaften und eine Brauerei und einen Sommerausschank über dem Felsenkeller an der Brünnstadter Straße.

Bei welchen Biergärten unserer Region ist das Mitbringen eigener Speisen ausdrücklich erlaubt? Groß geworben wird damit jedenfalls nicht. Aber ich werde meine Augen im Sommer offen halten und dann im Schlossblog noch einmal berichten.

Ach ja, nochmal zur oben genannten Umfrage des DEHOGA Bayern bei Facebook haben sich in den ersten 6 Stunden nur zwei Nutzer geäußert: einem ist es egal und einer hält überhaupt nichts von der Tradition, weil der Wirt ja nichts mehr verdient...

Foto: Ein Fastenbier im Schlenkerla

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