Donnerstag, 24. Februar 2011

Tourismus in Franken

Diskussion beim Frankentreffen der JU in Schweinfurt


Es ist nun auch schon wieder ein paar Tage her, das Frankentreffen der Jungen Union (JU) am vergangenen Sonntag, zu dem ich als Vertreter aus der Praxis geladen war. Der Schweinfurter Stadrat und JU-Chef Oliver Schulte hatte mich über Facebook gefragt, ob nicht Lust hätte zusammen mit dem Bayerischen Staatsminister des Inneren, Joachim Herrmann, und der Geschäftsführerin des Tourismusverbands Fränkisches Weinland Susanne Müller mit den JU-Mitgliedern über den Tourismus in Franken zu diskutieren. Klar, da bin ich doch dabei! Dass ich selbst kein CSU Mitglied bin spiele keine Rolle. Es geht ja schließlich um die Themen.

Hier meine Eindrücke vom Treffen und der Diskussion:


Es ist Sonntagmorgen, etwa 09.45 Uhr, als ich im Jugendgästehaus an der Schweinfurter Mainpromenade ankomme. Ich werde gleich freundlich begrüßt von Oliver, der mir den Gastgeber, Bezirksvorsitzender der JU Boris Groskinsky vorstellt. Es ist noch Zeit, ich könne also noch in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken. Die JU'ler sind beim Frühstück alle erstaunlich fitt dafür, dass sie - getreu ihrem Motto "die Nacht gehört Dir!" (für die Beibehaltung der aktuellen Sperrzeiten in der Gastronomie) - zum großen Teil die halbe und zum kleinen Teil auch mehr oder weniger die ganze Nacht durchgemacht haben.

Vor den Konferenzräumen herrscht mittleres Polizeiaufgebot. Ist ja logisch: Der Innenminister wird erwartet. Da muss alles gesichert werden. Ein Polizeihund ist auch dabei. Ob der ein Sprengstoffspürhund ist? Jedenfalls scheint es hier kein heißes Pflaster für den Innenminister zu sein. Es sind wohl auch alles (bis auf mich und vielleicht den einen oder anderen Gast) Mitglieder der CSU.

Auch die Technik funktioniert schon. Susanne Müller kann ihren Laptop wieder einpacken: Ihr USB Stick wird am aufgestellten Rechner erkannt. Mit dem iPad habe ich im Jugendgästehaus sogar UMTS Empfang. Es ist Zehn Uhr. Man bittet uns "so langsam" in den großen Vortragssaal, von dem aus die Diskussionsgruppen noch aufgeteilt werden. Die hochschwangere Europaabgeordnete, Dr. Anja Weisgerber überbrückt die Zeit bis der Minister da ist mit einer Begrüßung "ihrer" Jungen Union (sie, geboren 1976, war selbst auch im Landesvorstand der JU aktiv). Sie outet sich als Vorortbewohnerin von Schweinfurt. Schwebheim ist ein Vorort von Schweinfurt? Kann man vielleicht so sehen. Jedenfalls ist sie, wie auch unsere Töchter, in Schweinfurt geboren.

Staatsminister Joachim Herrmann betritt den Raum und begrüßt mit kräftiger Stimme und staatsmännischen Gesten seinerseits das große Gremium, bevor sich dieses in zwei Gruppen aufteilen wird. Er weist auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Bayern hin: 161.000 Menschen seien hier im Tourismus beschäftigt.

Die Runde teilt sich nun in zwei Diskussionsgruppen. Der Innenminister, Susanne Müller und ich waren zum Thema Tourismus geladen zu sprechen und wechseln in den kleineren Raum. Allerdings ist das Interesse der jungen Politiker (allesamt in den fränkischen Kreis- und Bezirksverbänden der JU aktive Menschen) groß. Da Herr Herrmann schon vor dem großen Plenum gesprochen hat ist nun als erstes Frau Müller dran. Sie gibt mittels reich bebilderten Powerpointfolien einen guten Überblick über die Wirtschaftskraft des Tourismus in Franken, vor allem natürlich in ihrem Zuständigkeitsbereich: Das fränkische Weinland, zu dem auch unsere Gemeinde zählt.

Dann darf ich mich vorstellen, als Vertreter aus der Praxis. Ich erzähle kurz vom Schloss mit seinen 18 Hotelzimmern und den kulturellen Veranstaltungen. Ich konzentriere mich bei der kurzen Vorstellung auf unsere kommunalpolitischen Bemühungen in der Gemeinde Kolitzheim und in der Region Main-Steigerwald die Regionalentwicklung voran zu treiben. Aber auch meine Unzufriedenheit mit den Ergebnissen des Förderprogramms LEADER+ bringe ich kurz zur Sprache: Ein Thema, das Frau Müller später in anderem Zusammenhang wieder aufgreift. Ich bitte die jungen Politiker bei ihrer Arbeit zu bedenken, dass der Tourismus keine politischen Grenzen kenne. Frau Müller hatte schon sehr anschaulich dargestellt, das man in Franken - zumindest was die Gebietsausschüsse betrifft - einen landschaftsbezogenen Ansatz habe. So kommt es durchaus vor, dass ein Landkreis mehreren touristischen Gebieten zugeordnet wird. In unseren Landkreis gibt es zum Beispiel gleich drei solcher touristischen Regionen: Das fränkische Weinland, der Steigerwald und die Hassberge. Ich wies, zu eifrigem Nicken von Frau Müller und Herrn Staatsminister Herrmann, auf die wachsende Bedeutung von Dialog durch Social Media hin und bat die Politiker sich dafür einzusetzen, dass diese bei den Touristikern daheim nicht nur als notwendiges Übel gesehen werden, sondern mit Leben erfüllt werden. Ich bedankte mich bei Oliver Schulte dafür, dass er seinerzeit den Antrag im Schweinfurter Stadtrat zur Fusion der Tourismusstellen in Stadt und Landkreis Schweinfurt gestellt hatte. Dieser Zusammenschluss war ein bedeutender Schritt in Richtung Dialog und dient der positiven Entwicklung unserer Region. Entstanden ist Schweinfurt360°.

Es folgten nun Fragen der Diskussionsteilnehmer. Ich fand es interessant zu sehen, wie viele regional unterschiedliche Interessen es in diesem Zusammenhang doch in Franken gibt. Der Vorsitzende des Kreisverbands Bamberg strebt zur Erlangung eines Weltkulturerbes zum Beispiel einen Nationalpark Steigerwald an und kritisiert, dass Joachim Herrmanns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (der noch dazu aus unserem Landkreis Schweinfurt kommt) dieses Projekt vehement angreift. Von seinem Chef bekommt Eck jedoch Rückendeckung mit dem schon oft ausgesprochenen Satz "Einen Nationalpark gegen den Willen der Menschen vor Ort sollte es nicht geben". Seine Begeisterung halte sich da in Grenzen. Bei der Erwägung eines Nationalparks müsste man auch die möglichen touristischen Vorteile sehr genau abwägen. Die bisherigen Nationalparks in Bayern seien auch in relativ unbewohnten Gebieten an der Landesgrenze, in Randgebieten. In diesen Gebieten selbst könne man ja keine Gastronomie eröffnen. Naturparks dienen diesem Ziel genügend, so Herrmann.

Oliver Schulte schlug vor die "Lebensader Main" stärker touristisch zu nutzen im Sinne von Wassersport. Bei Schiffstourismus und Kayakfahren sei er etwas überfragt, so Herrmann. Flusskreuzfahrtschiffe sind in den Bayerischen Statistiken auch gar nicht enthalten, weshalb man darüber kaum Auskunft geben könne. Frau Müller wies darauf hin, dass es zum Thema Wassertourismus bereits eine bundesweite Initiative gibt, die "Gelbe Welle", die am 4. April 2011 auch in unserer Region vorgestellt wird. Bei solchen Projekten, die weite Strecken und Gebiete überbrückten, seinen die EU Förderkulisse jedoch oft ein Problem. Es gibt hier zu viele Lücken auf der Landkarte. Diese Kleinteiligkeit sei nicht mehr zeitgemäß. Der Wassertourismus sei aber auch eine Nische im Vergleich zu Wandern oder Radtourismus.

Es folgte eine Diskussion darüber, ob man sich hier in Franken gegenseitig Konkurrenz machen sollte (zum Beispiel das Weinland und das Altmühltal). Ich vertrat meine Auffassung, dass es hinsichtlich der Erstellung qualitativ hochwertiger Angebote im Tourismus nicht genug Konkurrenz oder positiven Wettstreit geben könne. Ich schilderte, dass ein Dorf mit vier oder fünf Gastwirtschaften wesentlich attraktiver sei, als ein Dorf mit nur einer Gastwirtschaft (es gibt ja auch immer mehr Dörfer ohne Gasthäuser). Als Beispiel führte ich auch Schweinfurt als Museumsstadt an, die gerade wegen seiner Vielzahl an Museen immer bedeutender und attraktiver wird.

Auch einige verkehrspolitische Projekte und infrastrukturelle Investitionen wurden angesprochen, für die ja der Innenminister auch der richtige Ansprechpartner ist. Aus dem Ansbacher Land wurde zum Beispiel das Aus des "Center Parc" Feriendorfes moniert. Auch in Hinsicht auf den Bau neuer Verkehrswege sagte Herrmann: "Es ist bedauerlich, ist aber letztlich Entscheidung der Kommunen vor Ort." Er betonte: "Wenn man etwas für wichtig hält, muss man auch dafür kämpfen. Wer nicht kämpfte hat schon verloren". Diese Kampfansage fand bei den Teilnehmern generelle Zustimmung.

Das energiepolitische Thema schlechthin, in Bezug auf die potentiellen Auswirkungen auf den Tourismus und Attraktivität von Landschaften, wurde natürlich auch angesprochen: Solarzellen und Windräder auf dem flachen Land. Minister Herrmann sagte, das werde untersucht. Aus seiner jetzigen Sicht gäbe es aber keine Probleme in der Wahrnehmung mit dem Tourismus. "Die Reaktion von Touristen ist ziemlich ausgeglichen. Manche stört es, andere nicht. Manche reagieren sogar positiv. Man muss sich genau anschauen, welche Standorte für Windkraftanlagen geeignet sind. Ökologie und Naturschutz spielen eine wichtige Rolle.".

Ein Reizthema in den ländlichen Gebieten Bayerns war kürzlich das Zukunftsgutachten des Zukunftsrates der Bayerischen Staatsregierung. Ein Kreisvorsitzender fragte wie sich dieses auf den Tourismus im ländlichen Raum auswirke. Minister Herrmann betonte man müsse hier den Gesamtzusammenhang sehen. "Ländlicher Raum ist eine der größten Herausforderungen der Zukunft in der Regierung, aber auch in der CSU". Er wies aber auch darauf hin, dass die Landeshauptstadt München Weltgeltung habe. "Das ist für uns in Bayern ein Vorteil." Wer könne schon von seinem Bundesland behaupten Menschen in aller Welt wüssten, welches die Hauptstadt sei? Man müsse aber darauf hin arbeiten, nicht nur riesige Ballungsräume zu schaffen, die umgeben sind von Naherholungsgebieten. Alle Teile Bayerns sollten Anteil haben an einer zukunftsfähigen Entwicklung. Wichtig für Herrmann ist in dieser Hinsicht, dass es in den einzelnen Regionen Fachhochschulen gibt. "Das waren wichtige Entscheidungen". Zum Zukunftsgutachten verweist Herrmann auf "die Macht der Bilder". Hier habe es eine missverständliche Skizze gegeben im Vergleich Passau und Hof. Der Gedanke, dass Passau die Zusammenarbeit mit Linz anstreben könne, sei ja nicht falsch. Sie ist nur falsch rüber gekommen. Herrmann betonte: "Es ist wichtig eine Politik zu machen, die für Menschen in allen Regionen Bayerns funktioniert." Man dürfe auch die ländlichen Regionen nicht vernachlässigen. Als Beispiel nannte Herrmann die Festspielstadt Bayreuth. Hier stehe die Renovierung des Opernhauses an. Es werde aber nur ein Bruchteil der Gelder, die für die drei Staatstheater in München ausgegeben werden, dafür locker gemacht. Fränkische Solidarität sei hier gefragt, damit im Wechsel auch Projekte in Bayreuth, Nürnberg oder Würzburg zum Zuge kämen. Zu großem Applaus sagte Herrmann: "Soviel wie das Theater am Gärtnerplatz muss uns Bayreuth mindestens wert sein".

Der Bezirksvorsitzende Boris Groskinsky hatte sich mit dem Wunsch zu Wort gemeldet, es müsse mehr getan werden, um die Marke Franken zu stärken. Die Homepages für Tourismus Bayern hätten keine typisch fränkischen Bilder. Schon dort sollte Franken aber stärker in Erscheinung treten. Innenminister Herrmann gab ihm hier recht: "Die Macht der Bilder darf man nicht unterschätzen." Es gehöre bei solchen Portalen eben auch ein Fachwerkhaus oder andere typische Erkennungsmerkmale wie Nürnberger Burg dazu. Nicht nur die Zugspitze und Neuschwanstein sondern auch Assoziationen zur Region Franken seien in der Aussendarstellung Bayerns wichtig. Die Marke Franken müsse gestärkt werden, damit diese international wahrgenommen werden.

Nach der Diskussionrunde lud die JU noch zu einem Pastabuffet zum Mittagessen ein. Hier konnte ich das Gespräch mit einigen der jungen Politiker vertiefen. Wir stellten fest, dass es noch viel zu tun gibt. Der Ausbau schneller Internetanbindungen auf dem Lande, zum Beispiel... Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag. Der Dialog hat gerade erst begonnen, denn mit einigen konnte ich mich noch vor Ort über Facebook-Kontaktanfragen verknüpfen. Und in einem Fall ist das weitere Gespräch hinsichtlich eines konkreten Projekts bereits geplant...

Freitag, 18. Februar 2011

Wieder ein Abriss

Die Deckstation geht fort


Auf dem Land bedeutet Fortschritt für viele Menschen oft auch altes Gemäuer abzureissen und dafür neues zu errichten. Eine "saubere Sache" heißt das dann im Volksmund. Dass gerade die saubersten Sachen der 1960er und 70er Jahre zu den größten Bausünden unserer Geschichte gehören war damals noch nicht klar (und ist vielen der Bauherren von damals wohl immer noch nicht nicht klar). Die hässlichsten Häuser sind jene aus dieser Zeit.

Die Neubauten der 1990er Jahre sind weitaus besser, wenn oft auch ohne den Charme, den die alten (zugegebenermaßen energietechnisch nicht perfekten) Bauten hatten. Und der Hang zum Abreißen ist nach wie vor ungebremst.

Nun glaubt zum Beispiel unsere alte "Regie" im Dorf dran: In diesem Häuschen lebte in meiner Kindheit noch ein prächtiger Eber, zu dem die Sauen durch das Dorf getrieben wurden, um gedeckt zu werden. Wenn man sich noch etwas gepflegter ausdrücken möchte, sagt man "Vatertierhaltung" dazu. Das in sich ist schon ein interessantes Konzept, dass die Vatertiere von der Gemeinde gehalten wurden. Es bestand hierin wohl ein Allgemeininteresse. Heutzutage werden die armen Viecher wohl nur noch künstlich befruchtet.

Ist das so? Vielleicht können Landwirte mich und die Leser dieses Blogs ja aufklären, wie es heute so gehandhabt wird. Lustig fand ich jedenfalls in diesem Zusammenhang eine hessische Gemeindesatzung von 1973 zum Thema, in der es u.a. heißt: "Die Gemeinde stellt allen Einwohnern zum Decken ihrer gesunden weiblichen deckfähigen Tiere
die für die Vatertierhaltung erforderlichen Einrichtungen zur Verfügung. ... Jeder Tierhalter von Rindern/Schweinen ... kann seine gesunden weiblichen deckfähigen Tiere den Vatertieren zuführen. Beabsichtigte Bedeckungen sind mit den Vatertierhaltern rechtzeitig zu vereinbaren. ... Das Deckgeld beträgt je Deckung einschließlich aller Nachsprünge für ein Schwein 15,34 Euro." (gab es 1973 schon den Euro? Das stimmt doch irgendetwas nicht... Egal.)

Bald wird es jedenfalls die Regie in dieser Form also nicht mehr geben. Beim heutigen Ausruf über die Dorfsprechanlage ließ die Freiwillige Feuerwehr Zeilitzheim bekannt geben, dass man morgen zwischen 14 und 14.30 Uhr sichten könne, was es dort noch gibt und Gebote für die zu räumenden Gegenstände (explizit auch Ofenrohre) abgeben kann. Den Ausruf habe ich aufgenommen und somit ein kleines, persönliches Andenken an die Regie gespeichert:

Listen!

Dienstag, 15. Februar 2011

Internet-Tag 2011 in Herzogenaurach

Am Samstag, 19. März 2011 werde ich auf dem Internet-Tag in Herzogenaurach über das Thema Bewertungsportale sprechen. Auch die Themen der zehn anderen Sprecher richten sich vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen. Vielleicht sehen wir uns ja dort?

Samstag, 12. Februar 2011

Franken: in Bayern ganz oben

Verleihung des Fränkischen Weintourismuspreises in Iphofen

Als Gästeführer Weinerlebnis Franken war ich gestern zur Preisverleihung des Fränkischen Weintourismuspreises nach Iphofen eingeladen. Dort traf sich das gesamte "who is who" der fränkischen Weintourismusszene. Seitens der Politik waren dabei: Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, einige weitere Landtagsabgeordnete, Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Landrätin Tamara Bischof (und zwei weitere Landräte aus anderen Regierungsbezirken), Verbandspräsidenten und Genossenschaftsvertreter, Touristikerinnen, Weinkönigin Melanie Unsleber und als Gastgeber in der Karl Knauf Halle von Iphofen der zweite Bürgermeister Ludwig Weigand. Bürgermeister Josef Mend, selbst ein früherer Preisträger des Weintourismuspreises, weilt derzeit in Indien. Durch die Veranstaltung moderierte die ehemalige fränkische und deutsche Weinkönigin Nicole Then.

Dementsprechend nahmen die obligatorischen Begrüßungen und Grußworte den Großteil der Veranstaltung ein. Aus den Reden, die den wiederholten Begrüßungen folgten, fasse ich die für mich wesentlichen Punkte zusammen.

Nicole Then war es zu Beginn wichtig hervor zu heben, dass das fünfjährige Jubiläum des Weintourismuskonzepts Franken Wein.Schöner.Land! (der Kürze halber WSL) mit dem fünfjährigen Jubiläum des iPhone einher gehe. Ob aus dieser Tatsache später noch mehr gemacht wurde (etwa durch einen Hinweis auf die iPhone apps des Tourismusverbands Franken) weiß ich nicht, weil ich gegen 13 Uhr gehen musste, wodurch ich auch das begehrte meet & greet zu Wein und Häppchen verpasste.

Landrätin Tamara Bischofs Satz zur Begrüßung: "Franken: in Bayern ganz oben". Wir Franken seien auf dem richtigen Weg. Unterfranken kann sich über einen Anstieg von über 3% an Gästen freuen. Das Setzen auf Qualität, schon früh, mache den Erfolg des fränkischen Weintourismuskonzepts aus. Diese Qualität habe sich durchgesetzt. Alle Beteiligten müssten Franken mit Innovation und Qualität voranbringen. Einen Auszug aus Bischofs Rede nahm ich auf.

Die fränkische Weinkönigin Melanie Unsleber wies darauf hin, dass die "rote Broschüre" WSL Lust auf Franken mache. Diese Broschüre sei auf Messen sehr beliebt und würde einem regelrecht aus der Hand gerissen. Franken sei die beliebteste Urlaubsregion Deutschlands. Auch sie wiederholte das Qualitätsmantra.

Als nächstes sprach als Festredner: Staatsminister Helmut Brunner. Sympathisch fanden die Anwesenden, dass er nur kurz begrüßte und vor allem all jene begrüßte, die noch nicht namentlich begrüßt worden seien, was mit viel Gelächter und Klatschen belohnt wurde. Er erfreute die fränkische Wein-Intelligentia mit dem Satz: "Gut. Besser. Franken" und schmeichelte mit der Bemerkung, Unterfranken seien in vielen Bereichen Schrittmacher und Vorbilder für ganz Bayern. Frankenwein könne mit allen ausländischen Weinen konkurrieren, auch wenn sich dies in der Landeshauptstadt (München) noch nicht durchgesetzt habe. Dafür wolle er sich aber einsetzen. München werde, nicht nur in Sachen Wein, mehr nach Norden schauen. Die Marke WSL habe sich etabliert und das Weintourismuskonzept sei ein Meilenstein. Der Trend zur Regionalität komme uns entgegen, nicht nur in Bezug auf Produkte, sondern auch für die Urlaubswahl im eigenen Land. Diesen Trend sollten wir nutzen. Es gehe um die Mischung von Stärken in verschiedenen Bereichen. Der Staatsminister erzählte, wenn er im Ausland unterwegs sei und sage er sei aus Deutschland, die Leute ihm Respekt entgegen brächten. Würde er aber sagen er komme aus Bayern, funkelten ihre Augen. Einen wunden Punkt sprach Brunner damit auch an: "Franken gehört zu Bayern", ergänzte aber: "Von mir aus können wir es auch heute umdrehen". Er appellierte an die im Weintourismus beschäftigten Personen: "Schützen und ehren Sie die Dachmarke weiter." Es war eine charmante, wohlwollende Rede eines sehr sympathisch wirkenden Ministers. Da habe ich schon wesentlich steifere Reden von Landwirtschaftsministern erlebt.

Es folgte die Verleihung des Weintourismuspreises 2011 an den Würzburger Autor Roman Rausch. Dieser sei, so Weinbauverbandspräsident Artur Steinmann in seiner Laudatio, den digitalen Weg gegangen mit "Books on Demand". Inzwischen gibt es sieben Kriminalromane mit der Hauptfigur des Würzburger Kommissars Kilian.

Es folgte eine sehr unterhaltsame Einlage eines Kabarettisten, der es vermochte so ziemlich jede im Raum anwesende Person oder Gruppierung, jedes besprochene Konzept und sogar die Bühnendekoration auf insgesamt jedoch liebenswerte Weise durch den Kakao zu ziehen. Wie hieß der junge Mann in gescheckter Jacke und Hut? Mir entging es leider, weil ich mir während des "Abspanns" ein paar Lachtränen aus den Augen wischen musste.

Nachtrag: Dank Kommentar von tuffcat unten kann ich nun hinzufügen, dass der Kabarettist Oliver Tissot heißt.

Dann wurden die Urkunden an die in diesem Jahr zur "Premium-Broschüre" neu hinzu gekommenen "Leistungsträger" vergeben. Danach durften Vertreter verschiedener Interessen und Bereiche erzählen, warum sie das Weintourismuskonzept WSL so toll finden. Während dieses Abschnitts musste ich mich jedoch schon aus dem Staub machen, weil wir gestern noch unsere Freunde auf der Johanniterburg Kühndorf in Thüringen, Familie von Eichborn, besuchten (auch ein Geheimtipp, über den ich im Schlossblog noch mal schreiben werde).

Mein Fazit zur gestrigen Veranstaltung: In erster Linie war es ein Schmoren im eigenen Saft. Solche Veranstaltungen sind aber wichtig, um die Beteiligten bei der Stange zu halten. Man kann wohl nicht oft genug betonen, wie wichtig Qualität ist, und versäumt deshalb keine Gelegenheit dazu. In diesem Zusammenhang finde ich es aber immer besser, wenn man auch praktische Beispiele, wie das zu erreichen ist, nennt. Bei einer Urkundenverleihung bleibt dafür, angesichts der notwendigen Begrüßungen, natürlich weniger Zeit und hier stehen ja auch die Preisträger an sich im Vordergrund.

Wichtig ist es anzumerken, dass Weinfranken in der Tat schon sehr weit gekommen ist mit seinem Bestreben nach Qualität in der Weinwirtschaft und in den vor- und nachgelagerten Servicebereichen. Ob eine gedruckte und auf Messen verteilte "Premiumbroschüre" oder iPhone apps, die nur einen winzigen Teil der fränkischen Weintourismuswirtschaft abbilden, es vermögen dieses Bild auch ausserhalb Weinfrankens zu verbreiten und Gäste in die Region zu bringen sei dahin gestellt. Das Qualitätsdenken und die Belohnung durch hochwertige Marketingwerkzeuge motiviert zumindest die beteiligten Akteure dabei zu bleiben, sich selbst weiter fort zu bilden und bringt Jahr für Jahr mehr Nachahmer auf die Bühne.

Wenn es jetzt auch noch gelänge das Qualitätsdenken auch an der Basis, die sich (noch) nicht im "Premium" Segment bewegt, durchzusetzen und diese Basis auch an dem Erfolg teil haben zu lassen, wird Franken nicht nur in Bayern ganz oben stehen.

Samstag, 5. Februar 2011

Volkszählung 2011

Und es begab sich zu der Zeit...


Kürzlich, bei der Bürgerversammlung in Zeilitzheim, kam auch die bevorstehende Volkszählung zur Sprache - wenn auch nur sehr kurz. Bürgermeister Horst Herbert hatte klar gestellt, dass es sich hierbei um eine Stichprobenvolkszählung handelt. Damit war das Thema vom Tisch.

Man vermeidet in diesem Jahr den Begriff "Volkszählung" und versucht mit dem Wort "Zensus" Klarheit (oder Unklarheit) zu schaffen. Jedenfalls habe ich auf der Internetseite des Zensus 2011 kaum Hinweise auf das altmodische und belastete Wort "Volkszählung" mehr gefunden. Es hilft wohl auch nicht mehr, dass Maria und Josef sich damals auf den Weg nach Bethlehem machten, auf dass sie sich zählen ließen. Lustigerweise bringen die Zensusverantwortlichen (bzw. deren Pressesprecher) just dieses Bild wieder in unser Gedächtnis: Ein Hinweis auf einen Auszug aus "Pressesprecher" vom 1. Februar 2011 ist betitelt "Und es begab sich zu der Zeit...". Dieser enthält den Link zu einer PDF Datei des Artikels, in dem einführend steht: "Die Bundesrepublik Deutschland macht Inventur und zählt ihre Bevölkerung. Während die Volkszählung von 1987 an einem Sturm der Entrüstung beinahe scheiterte, scheint der Zensus 2011 nur wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Überraschend für alle Beteiligten".

Man ist seitens der statistischen Ämter des Bundes und der Länder bemüht dem Bürger auf der Zensus-Seite das Gefühl von Sicherheit zu geben. Wohnungsbegehungen werde es keine geben. Immerhin: die Seite ist recht modern, mit Suchfunktion, Downloadbereich und RSS-Feed. Nur Social Media Elemente fehlen, aber das würde vermutlich auch nach hinten losgehen. Und einen Claim hat man auch, so wie es sich im modernen Marketing gehört: "zensus 2011 - Wissen, was morgen zählt". Jedenfalls gibt es auch eine FAQ. Wer von Euch hat sie schon gelesen?

Stichprobenartige Volkszählung, ähm Zensus, heißt: "Zwei Drittel der Bevölkerung werden beim Zensus gar nicht befragt – und trotzdem werden sie bei der Zählung berücksichtigt". Wie das funktionieren soll, versucht man hier zu erklären. Einen Hinweis auf ein etwaiges Bußgeld bei Verweigerung der Auskunft habe ich nicht auf Anhieb gefunden, aber es wird auf den Seiten des Zensus mehrfach auf die Auskunftspflicht hingewiesen. Interessant fand ich, dass die Erhebungen wohl in den Landratsämtern angesiedelt sind und diese MitarbeiterInnen für die stichprobenartigen Befragungen vor Ort suchen.

Als guter deutscher Bürger habe ich jedenfalls schon vor einigen Wochen den Fragebogen zur "Vorbereitung der Gebäude- und Wohnungszählung" ausgefüllt.

Es wird ständig davor gewarnt persönliche Daten im Internet bekannt zu geben. Wenn diese vom Staat erhoben werden, ist das natürlich kein Problem. Beim Podcast Alternativlos von Felix von Leitner und Frank Rieger vom 1.2.2011 hörte ich in diesem Zusammenhang einen interessanten Satz: die Juden konnten nur deshalb nach dem Einmarsch deutscher Truppen in den Niederlanden dort so schnell und umfassend eingesammelt und somit ihrer Ermordung zugeführt werden, weil die Niederlande zuvor eine Volkszählung gemacht hatten, die auch die Rasse bzw. Religionszugehörigkeit abgefragt hatte. Das ist jetzt kein genaues Zitat, aber das, was mein kleines Gehirn u.a. aus diesem Podcast behalten halt. Es machte mich dann doch etwas nachdenklich. Vielleicht sind wir doch nicht so sicher... Es hängt halt davon ab, was sich zukünftige Generationen (hoffentlich nicht mehr die aktuellen) für neue Schandtaten ausdenken.

Im Netz scheint es nicht viel Widerstand zu geben gegen die aktuelle Volkszählung. Sicherlich, die Grünen haben inzwischen ja auch mitregiert und für die Linken gehört so etwas sicherlich zur Selbstverständlichkeit,. Dennoch wundert es mich ein wenig, dass das Thema nicht mehr diskutiert wird. Eine einzige Facebookgruppe mit 28 Mitgliedern habe ich zum Thema gefunden: Zensus 2011.

Dort weist man auf eine ePetition im Bundestag hin, die am 17.12.2010 von Sascha Warnecke eingereicht wurde: "Der Deutsche Bundestag möge beschließen die geplante Ausführung der registergestüzten Volkszählung 2011 zu unterbinden." Als Begründung gegen die Volkszählung wird genannt: "Die Volkszählung 2011 und die damit verbundene Ansammlung personenbezogener Daten aller Bundesbürger kann den Anforderungen eines freiheitlich demokratischen Rechtstaates und insbesondere dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland nicht oder nur unzureichend gerecht werden. Das Erstellen von Personenprofilen, die eine registergestützte Volkszählung in Verbindung mit den gespeicherten Daten aller Bundesbürger zwangsläufig mit sich bringt, birgt große Gefahren des Missbrauchs bzw. der Zweckentfremdung der Angaben mit sich. Da hierbei auch mehrere Quellen zur Datengewinnung herangezogen werden und müssen ist die Anonymität des einzelnen nicht mehr gewährleistet."

Die komplette Begründung zur Petition findet man hier, beim Bundestag. Momentan hat die ePetition über 5300 Unterzeichner.

Wie steht Ihr zum Zensus 2011? Sollen die Daten ruhig erhoben werden, weil wir eh schon alles (im Netz) preisgeben? Hat es (noch) Sinn irgendetwas zurück zu halten? Kann die stichprobenartige Datenerfassung dem Staat und seinem sicherlich riesigen Auswertungsapparat helfen die Situation besser einzuschätzen und wird dieser daraus überhaupt Schlüsse ziehen können und ggf. Vorgehensweisen verändern?

Freitag, 4. Februar 2011

Handgemaltes Porzellan

Beitrag von Marina von Halem


Schloss Zeilitzheim hält Winterschlaf. Meine ererbte Unruhe hält das nicht gut aus, und so greife ich zurück auf eine frühere sehr liebe Tätigkeit: das Porzellanmalen. Als im Schloss Gästezimmer und Bäder ausgebaut wurden (ab 1985 und folgende Jahre), habe ich Fliesen bemalt und gebrannt, die dann in die Badezimmerwände eingelassen wurden. (Andere Sachen habe ich natürlich auch bemalt: Kaffee- und Teeservice, Döschen und Vasen). Die frühen Ausbauarbeiten haben wir überwiegend in "Eigenregie" gemacht, d.h. ich selbst, Leo Seidel der Hausmeister und der gute Josef Eckert (von mir im Stillen "Meister Eckehard" genannt) sowie andere Helfer waren die Bauarbeiter. Herr Eckert freute sich über meine mit Blumen, Vögeln und Schmetterlingen bemalten kleinen Kunstwerke. Wenn mal Eile geboten war und eine Kachelwand nur einfarbig mit Efeu bemalt war, war er nicht sehr zufrieden mit mir. Es kam auch vor, daß er in meiner Abwesenheit die einzelnen Kacheln, die nebeneinander ein Bild ergaben, senkrecht statt wagrecht klebte, sodaß der grüne Frosch nicht am Duschrand saß, sondern kopfüber hinunterstürzte.

Längst schon braucht das Schloss keine neuen Bäder mehr. Aber es ist Zeit zum Malen da. Und da am 5. März das erste Konzert dieser Saison stattfindet, werde ich eine Reihe kleiner Gegenstände bemalen und ausstellen, alle mit Frühlingsmotiven: Schneeglöckchen, Weiden- und Erlenkätzchen, Immergrün mit seinen blauen Blüten, Himmelschlüssel usw.

Wie ich zum Malen kam? Es war für mich eine ähnliche Situation wie jetzt. 1981 wurden wir vom Goethe-Institut in Glasgow nach Bremen versetzt, ich fühle mich nicht ausgelastet und lernte bei der mir sehr liebgewordenen Frau von Einem das Porzellanmalen. Und malte von da an. Ich brauche dazu außer Farbpigmenten und Pinseln nur ein Tablett, das ich mir dort hintrage, wo ich malen kann, d.h. wo es warm ist. ("Winterschlaf" bei uns bedeutet auch, daß das Schloss ganz hübsch kalt ist und nur das Nötigste geheizt wird).

Marina v. Halem

Donnerstag, 3. Februar 2011

Büchermarkt in Zeilitzheim

Gestern bekam ich Besuch einer treuen Besucherin unserer Märkte aus Erlangen, die auf diesen auch oft sehr schön fotografiert. Sie brachte mir erneut einige Kartons voll Bücher: Eine Spende für unseren Büchermarkt, der wieder im Rahmen unseres Ostermarktes stattfinden wird. Inzwischen sammelt sie auch schon von Freundinnen Bücher ein, um sie für den Büchermarkt zu spenden. Vielen Dank!

Aber auch über Twitter und XING erhielt ich in den vergangenen Tagen Angebote von Bücherspenden. Dafür danke ich herzlich! Wer noch Bücher hat und diese nicht mehr aufheben kann oder will: Wir nehmen so ziemlich alle Bücher an, von denen die Spender meinen, sie seien "zu schade zum wegwerfen" und könnten noch jemandem gefallen. Wir nehmen die Bücher das ganze Jahr über an. Diese werden dann nach und nach von den ehrenamtlichen Helfern des Förderkreises einsortiert, schwerpunktmäßig dann immer kurz vor dem Kunsthandwerkermarkt vor dem 1. Adventssonntag und zum Ostermarkt, an denen auch der Büchermarkt geöffnet ist. Die Erlöse kommen dem als gemeinnützig anerkannten Förderverein zugute. Dieser bezuschusst aus den so erwirtschafteten Geldern (aber auch mit Spenden und Beiträgen) die kulturellen Veranstaltungen im Schloss sowie ausgewählte Restaurierungsprojekte in dem denkmalgeschützten Gebäude.

Ostern ist in diesem Jahr recht spät. So fällt der Ostermarkt mal wieder in den April: Sonntag, 3. April 2011 (10-17 Uhr).

Mittwoch, 2. Februar 2011

Bürgerversammlung in Zeilitzheim am 1.2.2011

19.10 Uhr Das Sportheim füllt sich schon. Gleich mal ein Hefeweissbier bestellt. Während wir warten tippe ich schnell noch zwei Seiten eines handschriftlichen Protokolls ab - Notizen aus einer Versammlung zu den "touristischen Höhepunkten" des Dorfes - um es dem anwesenden Bürgermeister per E-Mail zuzusenden. Auch das erledigt.

19.31 Uhr Sportheim nun überfüllt. Tische werden gerückt und gedreht. Wenn das noch lange dauert, bis wir mit der Versammlung anfangen muss ich mir bei dieser Wärme ein weiteres Weissbier bestellen...

19.37 Uhr. Es geht los. Bürgermeister Horst Herbert freut sich über das große Interesse an der Bürgerversammlung. Zum Glück lässt er die Statistiken - wie auch im vergangenen Jahr schon - weg. Es folgt die Begrüßung des 2. Und des 3. Bürgermeisters sowie aller erschienen Gemeinderäte. Offizielles Protokoll für die Gemeinde schreibt der Kämmerer Gerhard Karbacher und für die Main Post schreibt Frau Pfister aus Herlheim. Horst Herbert dankt ihr und Dominik Dorsch für ihre gute Berichterstattung aus dem Dorf.

Der Vortrag des Bürgermeisters beginnt. Es wurden im vergangenen Jahr verschiedene Weichen gestellt:

Kläranlage: Ist gemeinsam mit der Gemeinde Sulzheim geplant. Gründung eines Abwasserzweckverbandes und Planungsleistungen sind bereits ausgeschrieben. Das Planungsbüro wird voraussichtlich noch im Februar beauftragt, was nicht so einfach ist wegen der öffentlichen Vergabe. Kosten des Projekts werden auf ca. 6 mio. Euro geschätzt. Ca. 3 mio werden über Beiträge refinanziert. Geschätzt wird eine durchschnittliche Belastung pro Einfamilienhaus in Höhe von EUR 1.200,--. Plus Abwassergebühren... Kosten 50 Cent pro qm Grundstücksfläche und € 3 pro qm Geschossfläche.

Erneuerbare Energien. Thema 2009/2010 war Photovoltaik. Heute reden wir nur noch über Windkraft. Alles andere spielte nun eine weniger wichtigere Rolle. Horst Herbert stellte den Regionalplan Main-Rhön im Entwurf vom Juli 2010 vor. Windkraftanlagen sind priviligierte Vorhaben... Sprich: wir können uns kaum dagegen wehren. Ausgenommen werden Naturschutzgebiete und Waldgebiete. Bleibt für Windkraftanlagen also nur der Landkreis Schweinfurt und insbesondere unsere Gemeinde, in der vier Standorte angedacht waren. In Zeilitzheim könnte es auf der Höhe Richtung Brünnstadt und Frankenwinheim zum Bau von Windkraftanlagen kommen. Allerdings liegen noch keine konkrete Anfragen vor.

Thema: Schulgebäude in Unterspiesheim. Aus der Hauptschule in Unterspiesheim ist die Internationale Schule Mainfranken geworden. Diese ist Pächter für drei Jahre. In Gerolzhofen wurde ein neuer Schulverband gegründet. Bürgermeister Herbert sieht darin ein besseres Bildungsangebot als das, was wir in unserer Gemeinde alleine hätten anbieten können (in Bezug auf die Hauptschule).

Gemeindliche Förderprogramme: Die Gemeinde zahlt Zuschüsse für Häuser im Altort, die älter als Baujahr 1970 sind. 10% Zuschuss für Aussensanierung, 5% im Innenbereich. schwellenbereich EUR 5.000,--. Antragsflut im März/April 2010, jetzt gehen nur noch sporadisch Anträge ein. Zuschuss gibt es auch für Bau oder Renovierung eines Eigenheimes für Familien mit Kindern (Förderung ist kombinierbar mit der für Altbauförderung). Bedingung ist u.a. 10jährige Eigennutzung. Man beachte: wer älter als Baujahr 1970 ist, ist schon alt. Prost!

Grund- und Gewerbesteuersätze würden gesenkt auf 300 v.H. Auch die Beiträge für Wasserversorgung und Entwässerung wurden neu kalkuliert. Neu ist, dass auch Kellergeschosse künftig mit der vollen Fläche veranlagt werden. Wassergebühren wurden jedoch gesenkt: Grundgebühr um etwa EUR 14/Jahr und Verbrauchsgebühr um ca. 25 Cent pro cbm. Bei den Beiträgen gab es Umsatzsteuerrückerstattungen von rund € 21.000,-- weil Beiträge rückwirkend mit dem ermäßigten Steuersatz verrechnet Weden musste. Nullsumme für die Gemeinde (ausser Aufwand).

Anschaffung eines TSF-W (Feuerwehrfahrzeugs) für Zeilitzheim. Ich habe ja schon hier darüber berichtet.

Flurbereinigung Zeilitzheim: Beschleunigtes Verfahren wird nicht gehen, es wird wohl ein Regelverfahren eingeleitet. Au weia...

Kanalsanierungen: Innensanierung. Schläuche eingezogen und der Fremdwasseranteil so drastisch um ca. 70-80% reduziert. Die undichten Kanäle waren hauptsächlich in der Siedlung (Binsenflecken).

Abriss des alten Feuerwehrhauses und Neubau ist bereits beschlossene Sache. Ein Architekturbüro ist bereits beauftragt worden. Abriss! Abriss!

Altes Kindergartengebäude wurde verkauft und ist inzwischen schon bewohnt. Na, gottseidankdeshättjasonstnochgefehlt.

Sanierung des Glockenstuhls der evangelischen Kirche wurde mit großzügigem Zuschuss seitens der Gemeinde bewältigt (für den sich Pfarrer Ulrich Jobst bedankt).

Hochwasserschäden halten sich in diesem Jahr in Grenzen. Bürgermeister Herbert bedankt sich bei der Feuerwehr und bei Gemeinderat Kurt Herbert, die maßgeblich dafür verantwortlich waren Schäden abzuwehren. Horst Herbert hat mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes gesprochen, was zukünftig in Sachen Hochwasserschutz getan werden kann. Allerdings liegen wir hier in Zeilitzheim in der niedrigsten Dringlichkeitsstufe. Andere Orte wie Astheim haben da noch viel größere Sorgen, als wir.

Damit endet der erste Teil. Kurz und bündig, wie im vergangenen Jahr. Allgemeine Pinkelpause! Und mein zweites Hefeweissbier ist da.

Frage: Geburten- und Sterbefälle? Historisches Tief seit dem Krieg. In Zeilitzheim 2010: 6 Geburten, 9 Sterbefälle. Zahlen sind weiter rückläufig. Bei uns geschätzt 10% Bevölkerungsrückgang. Landflucht in die Städte ist derzeit noch gegeben, aber Horst Herbert sieht dies nicht dramatisch.

Frage: Was ist mit der Kläranlage in Hinblick auf Kosten für Sulzheim? Horst: Planungen werden noch konkretisiert.

Frage: Fahrradweg wird durch Quads und Motorräder genutzt als Durchgang von Volkach nach Zeilitzheim. Dort spielen viele Kinder. Kann man den Weg für Verkehr sperren? Horst Herbert: der Verkehr hat den Weg besser befestigt. Für Nutzung mit Quads ist es aber nicht vorgesehen. Doch mit Schildern alleine ist vermutlich nicht viel zu erreichen.

Frage zur Schneeräumung: Wie ist dies geregelt? Horst Herbert: es gibt eine Verordnung der Gemeinde, dass Gehsteige oder 1m der Fahrbahn zu räumen sind (ich hatte darüber schon mal im Blog berichtet).

Beim Hochwasser sind Autofahrer durch die Pfütze und haben die Häuser angespritzt. Warum wurde kein 30km Schild aufgestellt? Hochwasserschild war dort. Man muss halt auch etwas vorsichtig fahren...

Frage: Hunde auf den Spielplätzen... (Thema Nr. 1 seit 1743). Horst: Thema ist so alt wie es Hunde und/oder Spielplätze gibt. Verpflichtung besteht den "Mist" mitzunehmen. Jemand fragt nach Anleinpflicht. Horst: Hat mit dem Tierschutz zu tun. Kann man nur im Einzelfall bei gefährlichen Hunden verordnen. Schön ist das nicht. Horst Herbert appelliert, wie jedes Jahr, an die Hundehalter... Kommentar: Einzäunung wäre gut. Katzen kommen aber trotzdem rein... (womit wir für dieses Jahr das Thema abgeschlossen hätten).

Frage: Gemeindezentrum im Zuge des Feuerwehrhauses war mal geplant. Woran ist das gescheitert? Horst: Feuerwehr wollte an dem Standort am Gänsewasen festhalten. Feuerwehrkommandant: Es dient auch der Altorterhaltung. Ja, da ist 'was dran.

Horst Herbert: größtes Sorgenkind in Zeilitzheim ist das alte Schulgebäude, nicht das Feuerwehrhaus.Der (ev.) Pfarrer berichtet: die Kirche darf nicht mehr Quadratmeter pro Gemeindemitglieder besitzen... Einwurf: "und wenn ein paar Katholische evangelisch werden, geht's dann?" Großes Gelächter. Müssten wohl an die 1.000 Leute konvertieren...

Frage: Bauschutt und Reisigabfälle? Horst: Bauschutt nach wie vor nach Lindach auf die ehem. Deponie. Häckselgut nach Unterspiesheim. Aber keinen Rasenschnitt (Keine Kompostanlage!). Für Grünabfälle nach wie vor Kompostanlage Gerolzhofen.

Frage: Sind Solarflächen wirklich vom Tisch? Im Landkreis Schweinfurt gäbe das noch. Horst: Förderung für Photovoltaik gibt es nicht mehr, ausser für Flächen in einem 200m Abstand von Bahn- und Autobahntrassen. Dort geht es, auch mit Einspeisevergütung.

Frage: Wer trägt die Unterhaltskosten für die an die Internationale Schule verpachtete ehem. Grundschule? Horst: Die Schule. Pacht über 3 Jahre mit der Option zum Kauf.

Frage: Zuschüsse für Investitionen im Altort- müssen die zurück gezahlt werden? Horst: nein, ist ein verlorener Zuschuss. Steuerfrei.

Frage: Wasser am Friedhof wurde zu früh abgestellt. Warum sich die (dort Gräber gießenden) Frauen nicht beschwert haben? Horst: War Missgeschick des Bauhofs, weil es zwischendurch recht kalt geworden war.

Diskussion über festgerostete Wasserschieber... Meine Aufmerksamkeit leidet unter dem 3. Weißbier und der späteren Stunde. Es ist 20:53 Uhr. Abdeckdeckel, Vierkantschrauben, Bodenfeuchtigkeit... Soll der Laie das verstehen?

Frage: Grünstreifen am alten Sportplatz. Wer ist dafür zuständig? Horst Herbert weiß es auch nicht. Er schaut es sich mal an.

Thema Internetanbindung. Natürlich. Uns sind die Hände gebunden. Tcom hatte das teuerste Angebot abgegeben. Horst: Unser Ziel ist die Glasfaserlösung. Es wird eine neue Bedarfsermittlung und anschliessend eine neue Ausschreibung gemacht. Einige der Firmen, die angeboten hatten, sind nicht mehr auf dem Markt. Bedarf von mehr als 10mbit/s erforderlich. Oberschwarzach hat eine Lösung, aber nicht mit der tcom. Sondern mit der ÜÜZ. Ich bin zwischendurch auf's Klo. Auch um mich nicht aufzuregen. Habe also das Wichtigste verpasst... Zum Glück.

Hinweis aus dem Publikum: Die Windkraftanlagen werden den Internetempfang stören! (ja, und einige anderen Wellen auch).

Frage: Haben wir überhaupt Landwirte, die schnelles Internet nutzen? Die sind doch bei weitem nicht so zukunftsorientiert. Raunen im Publikum und leider größtenteils Zustimmung...

Vorschlag aus der Versammlung: Leute direkt und persönlich ansprechen, die 10 mb/s zu beantragen. Formular vorlegen...

Frage: Volkszählung? Horst: es wird eine Stichprobenvolkszählung sein.

Frage: kann (er) die Kante in der Froschgasse gelb anmalen? Großes Gelächter. Horst: Ja, mal sie einfach an!

Frage: Friedhof ist nicht im besten Zustand. Mit Halbschuhen kommt man nicht gut rein. Horst: Pflastern ist nicht geplant. Friedhöfe mit Belägen machen uns nur Ärger. Gummistiefel anziehen...

Frage: Ist das Kriegerdenkmal am Marktplatz noch zeitgerecht? Ma könnte es doch woanders hinstellen. Großer Widerspruch. Horst: In Unterspiesheim war das auch schon mal angedacht. Er hat aber beim Seniorennachmittag deswegen eine Breitseite bekommen. In Frankreich hat jedes Dorf ein Kriegerdenkmal. Er meint aber: "Gut, die haben den Krieg gewonnen..."

Aus der Runde erzählt ein Bürger sein Vater sei im Krieg gefallen, als er 2 Jahre alt war. Und jetzt wollen wir Denkmale in Schutt und Asche legen. Thema ist schnell wieder vom Tisch.

Okay. Dazu kommt es heute nicht. Es bleibt (fast) alles, wie es ist!