Mittwoch, 30. November 2011

Bücher teilen

Von analogen und digitalen Medien


Verlage sollen ja angeblich digitale Medien fürchten, weil Inhalte (Bücher etc.) digital (leichter) weiter verbreitet werden können und somit - an möglichen Gewinnen der Verlage vorbei - kopiert und verschickt werden können. Man hat Angst vor dem drohenden Raubkopierertum. Das stimmt ja auch - in Theorie.


Obwohl ich Bücher bevorzugt am iPad lese, ertappe ich mich immer öfter, trotzdem noch gedruckte Bücher online zu bestellen. Warum? Weil ich sie dann Freunden und Familie zum Lesen weiter geben kann, ohne gleichzeitig mein iPad aus der Hand geben zu müssen. Meine Kindle Bücher oder Audible Hörbücher kann ich ja nicht so einfach an Freunde weiter schicken. Genau das Gegenteil als das, was die Verlage befürchten, ist also bei mir der Fall: Wenn ich etwas (legal) teilen möchte, kaufe ich es gedruckt und es kann dann von mehreren Leuten (hintereinander) gelesen werden. Dagegen sagt man bei gedruckten Büchern ja auch nichts. Es wird ja sogar erwartet, dass Bücher geteilt werden (das nennt man zum Beispiel Bibliotheken oder Antiquariate bei dem der Wiederverkäufer sogar noch einen finanziellen Vorteil des Weitergebens hat). Und selbst Tageszeitungen erwähnen ihren Inserenten gegenüber, dass "jede Zeitung im Schnitt von mehreren Personen gelesen wird" (Quelle: Haßfurter Tagblatt). Ich weiß zwar nicht genau, was "mehrere" genau für ein Schnitt sein soll, aber die Implikation, man erreiche damit (theoretisch) mehr (Anzeigen-)leser, als die puren Abozahlen verkünden, leuchtet mir ein.


Warum darf ich dann meine gekauften eBooks nicht weiter geben? Die sollten es doch eigentlich technisch hin bekommen, dass die eBooks bis zu x Mal weiter gegeben werden können. Die Lesebefugnis erlischt dann halt auf dem ursprünglichen Gerät. Aber gerade an einer solchen Funktion wird wohl gerade gearbeitet. Amazon erlaubt nämlich das Verleihen (ausgewählter) Kindlebücher für eine Dauer von 14 Tagen. Wie das funktioniert findet man hier. Ich vermute jedoch, dass sich dies nur auf den U.S. Kindle-Store bezieht, was auch ebooksaktuell.de in einem Artikel bestätigt. Ich glaube auch, dass sich nur wenige Autoren bzw. Verlage dazu bereit erklären werden, dass ihre Bücher auch verliehen werden können. Aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt.


#alttext#

1 Kommentare:

  1. Früher ging man davon aus, dass eine Zeitung durchschnittlich von vier Leuten gelesen wird - Vater, Mutter und zwei Kinder. Danach wurde die Reichweite - etwa für die Werbewirtschaft - bemessen. Heute sind es nur noch drei Leser pro Zeitung, das hat mit der Zunahme der Singel- und Ein-Kind-Haushalte zu tun. In vielen Hausgemeinschaften werden übrigens noch heute Zeitungen getauscht, von zwei Mietern abonniert jeder eine aus der Region, und wenn sie ausgelesen ist, wird sie getauscht oder weitergereicht. Ein Verhalten, das im Gegensatz zu der Familienrechnung nicht in die Reichweiten einfließt.

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