Gastbeitrag von Kilian Martin
Kilian Martin ist gelegentlicher Gastblogger beim Schweinfurter revista verlag. Im folgenden Gastbeitrag im Schlossblog teilt er in Antwort auf meine Artikel (1) und (2) zum Thema seine persönlichen Erfahrungen bei der Nutzung von mobilen Touristik-Apps in Dublin. Die Praxistipps sind für Auslandsreisen - nicht nur nach Dublin - hilfreich.
Die sinnvolle Nutzung des mobilen Internets im Urlaub kennt fast keine Grenzen. Zwei Grenzen sind aber auf jeden Fall zu beachten: Der Akku des mobilen Geräts (in diesem Fall ein iPhone 3GS) und die Verfügbarkeit der mobilen Internetverbindung, bzw. die Kostenschwellen für das Datenroaming im Ausland.
Für einen Wochenendtrip nach Dublin hatte ich mich kürzlich mit einer Hand voll (vermeintlich) nützlicher Apps eingedeckt. Ich hatte dabei nur kostenlose Apps installiert. Offizielle Programme von Tourismusbehörden, Nahverkehrsunternehmen, etc. sind zumeist ja eh gratis. Bei anderen Angeboten kann es sicher sinnvoll sein die Vollversion zu wählen und ein paar Euro zu bezahlen, da sollte man sich aber vorher informieren, ob sich das tatsächlich lohnt.
Ich hatte diese Apps installiert:
Dublin Airport (Flughafen-App)
iGuide Dublin (Tourismusplattform der Dubliner Privatwirtschaft) Dublin Buster Lite (Nahverkehr, Busse)
LUAS (Nahverkehr, Straßenbahnen)
Visit Dublin (offizielle Tourismusplattform)
Die Airport-App, sowie die iGuide Dublin App hatte ich kaum benutzt. Die Airport-App ist sehr praktisch, da sie in Echtzeit die Starts und Landungen anzeigt und man sich so ggf. über Verspätungen etc. schon unterwegs informieren kann. Außerdem bietet sie umfangreiche Infos zu Parkplätzen. Aber da man sich am Flughafen während einer Reise ja eigentlich nur zwei Mal aufhält, kann ich über den tatsächlichen Mehrwert nichts sagen. Hätte das Flugzeug bspw. bei der Abreise Verspätung gehabt, wäre mir die Info über die App auch nicht sonderlich hilfreich gewesen. Und an einem internationalen Flughafen sind die Parkplätze ja zumeist recht gut ausgeschildert. Außerdem gibt es vor dem Terminal ja eigentlich auch immer Kurzzeitparkplätze.
Die iGuide Dublin App habe ich eigentlich nicht genutzt, da die ÖPNV-Infos ja in den anderen Apps verfügbar waren und ich in der Kürze der Zeit auch nicht wirklich spontan an irgendwelchen Events hätte teilnehmen können. Allerdings ist der Unterpunkt Events gut gemacht und kann wirklich hilfreich sein, wenn man bpsw. ein schönes Konzert oder Theaterstück, oder sonstwas besuchen möchte.
Die Dublin Buster App hat mich, so wie das Dubliner Bus-Netz überhaupt, etwas enttäuscht. Die Anzeige der Busrouten auf der Karte und die Infos zu den Haltestellen sind war wirklich gut und sehr praktisch, aber es ist leider nicht wirklich einfach die nächstgelegene, passende Haltestelle zu finden, weil man auch nicht wirklich weiß, welchen Bus man nehmen muss. Fahrzeiten sind sowieso nicht zu gebrauchen, da sie entweder durch den Berufsverkehr völlig verschoben werden, oder einfach unverständlich sind. Diese App ist praktisch, aber für den Touristen weniger toll, als für den Einheimischen. Aber auf jeden Fall besser als nichts.
Die LUAS App (LUAS ist das Straßenbahnunternehmen von Dublin) ist hingegen wesentlich praktischer, als das Straßenbahnnetz selbst. Die App bietet alles, was man braucht: Haltestellenübersicht, Linienplan auf einer Karte und aktuelle Abfahrtszeiten an den einzelnen Haltestellen. Die Info über die Fahrpreise ist nicht schlecht, aber für einen Touristen jetzt auch nicht sonderlich hilfreich (entweder hat man eh ein Tagesticket, oder man achtet zwecks fehlender Alternative einfach nicht auf den Preis). Die App ist auf jeden Fall empfehlenswert. Schade nur, dass sie nicht wirklich oft zum Einsatz kam. Dafür ist das Straßenbahnnetz einfach (noch) zu schlecht ausgebaut.
Zum Schluss noch zur offiziellen Visit Dublin App. Die App bietet sehr viele Funktionen und kann in verschiedenen Bereichen sehr hilfreich sein. Es verhält sich hier aber ähnlich, wie mit der iGuide-App:
Die Punkte „Events“, „Tours“ und „Entertainment“ habe ich zwecks Zeitmangels eigentlich nicht genutzt. Die Abteilung „See & Do“ eigentlich auch nur zur persönlichen Information, nicht direkt „im Einsatz“ (über die übrigen Punkte sage ich jetzt nichts, das sind schon eher spezielle Sachen). Etwas Besonderes ist der Punkt „What’s that?“. Mittels GPS und mobilen Daten wird der Standpunkt und die aktuelle Himmelsrichtung des Blicks ermittelt, wodurch man das Gerät bspw. auf ein Gebäude richten kann um direkt Informationen dazu zu erhalten. Befindet man sich weiter entfernt von der nächsten Sehenswürdigkeit, so werden die nächstgelegenen landmarks in der entsprechenden Himmelsrichtung angezeigt. Navigation (auch für Fußgänger optimiert) ist dann logischerweise integriert. Die Screenshots zur App zeigen das ganze sehr gut. Eine klasse Funktion ist das!
Nur spielen gerade bei dieser Funktion wieder die am Anfang genannten Grenzen eine wichtige Rolle. GPS-Ortung und Datenübermittlung fressen einfach viel Akku-Leistung. So schön diese Funktionen auch sind, wenn man sich auf sein iPhone als Karten- und Reiseführerersatz verlässt, kann es an einem langen Tag in der City sehr schnell eng werden. Ich habe es eigentlich an jedem Tag geschafft meinen Akku um weit über 90 % leer zu saugen, ohne dass ich Musik gehört, oder in gewohntem Umfang social media genutzt hätte. Darauf sollte man auf jeden Fall achten, wenn man nicht nachmittags um 16 h plötzlich mitten in einer fremden Stadt ohne Karte, Busfahrplan, etc. das stehen möchte.
Und auch wenn GPS-Ortung an sich nichts kostet, die Kartendaten müssen trotzdem aus dem mobilen Internet geladen werden. Ich hatte für den Trip bei der Telekom den Day Pass Europe S gebucht. Für knapp 2 €/Tag gibt es da 10 mb Datenvolumen (up- und download). Das ist im Grunde ausreichend, wenn man seine „normalen“ Internetgewohnheiten zurückschraubt. Das pushen von Nachrichten aller Art muss man dann natürlich abstellen und alle fünf Minuten facebook, twitter und Co. checken empfiehlt sich dann auch nicht unbedingt. Wer darauf nicht wirklich verzichten kann/möchte, der ist mit dem Day Pass Europe M für knapp 5 € und 50 mb Volumen gut bedient. Allerdings wird das dann schon wieder relativ teuer, wenn man mehrere Tage im Ausland unterwegs ist. Es lohnt sich auf jeden Fall sich öfter in freie WLAN-Netze einzuwählen um datenintensive Dinge, wie Bilder und Internetseiten zu laden. Allerdings ist die WLAN-Verbindung tendenziell auch verbrauchsintensiver, als mobile Datenverbindungen.
Ein Problem des iPhone habe ich dahingehend ausgemacht, dass das iPhone integriert nur einen relativ ungenauen Volumenzähler hat. Und auch die offizielle Kundencenter-App von der Telekom kann viel, aber das nicht. Es bietet sich daher an, dass man erst mal in einem freien WLAN verschiedene Funktionen der Apps ausprobiert um zu sehen, wie viele Daten dabei übertragen werden müssen. Zumindest mich hatte es nämlich schon überrascht, wie viele Daten bei einer einfachen Standortbestimmung in der integrierten Maps-App übertragen werden. Da kann man relativ schnell an seine Volumen-Grenze stoßen, ohne dass man das irgendwie geahnt hätte.
Als Telekom-Kunde bekommt man übrigens beim erreichen seiner Volumen-Grenze eine kostenlose Mitteilung. Danach sind die Paketpreise aber noch relativ human, insofern kann man nötigenfalls auch mal ein, zwei Megabyte über der Freimenge liegen.
Was auf jeden Fall ein Vorteil war: Am Campingplatz, auf dem wir die Nächte in Dublin verbracht hatten, gibt es ein freies und kostenloses WLAN für Gäste. Da kann man dann wenigstens am Abend nach Lust und Laune seinen social media Gelüsten und anderen online Angelegenheiten frönen; Strom gibt es ja.
Fazit: Der Einsatz spezieller Apps und mobilen Internets im Urlaub ist eine feine Sache, will aber schon ein wenig geplant sein. Man muss sich vor allem auch auf entsprechende Kosten einstellen.
Auf der anderen Seite kosten Reiseführer auch Geld, genauso wie Kartenmaterial und sonstige Infos. Was man sich da spart, kann man ja in die elektronischen Versionen investieren. Das wird nicht in jedem Fall auf Null aufgehen, aber gerade in größere Metropolen dürfte man mit der elektronischen Variante günstiger wegkommen, da es die meisten Apps mit sehr umfassenden Informationsangeboten kostenlos gibt.
Einen positiven Nebeneffekt hat das Ganze außerdem noch: Wer statt mit einer Stadtkarte, mit einem iPhone in der Hand durch eine fremde Stadt läuft, fällt wenigstens nicht gleich jedem als Tourist auf. Ich halte das tatsächlich für einen Vorteil.
Ich habe mir vorgenommen für meine nächste Auslandsreise eine iPhone App vom Lonely Planet Verlag zu laden. Die kostet zwar ca. € 6, das Geld sollte aber gut investiert sein. Einer der größten Vorteile dieser App: Alles Kartenmaterial ist integriert und kann per GPS-Signal offline, also kostenfrei genutzt werden. Damit spart man sich Geld und Akkuleistung. Außerdem sind die Reiseführer von Lonely Planet sowieso mit das Beste, was es auf dem Markt gibt (natürlich abhängig von den Reisegewohnheiten).
Die Bücher haben nur diesen kleinen Nachteil, dass sie leider so umfangreich sind, dass es logistisch schon wieder problematisch wird (Gewicht, Platz). Bei einem Stadturlaub ist es doch deutlich angenehmer, wenn man nicht so viel mit sich herumtragen muss.
Links:
Dublin-Airport-App: http://itunes.apple.com/ch/app/dublin-airport/id411482375?mt=8
iGuide-Dublin-App: http://itunes.apple.com/us/app/iguide-dublin/id368089322?mt=8#
Dublin-Buster-lite-App: http://itunes.apple.com/at/app/dublin-buster-lite/id406451487?mt=8
LUAS-App: http://itunes.apple.com/at/app/luas/id427959886?mt=8
Visit-Dublin-App: http://itunes.apple.com/ie/app/visit-dublin-official-mobile/id386857611?mt=8
Auslands-Datentarife der Telekom: http://www.t-mobile.de/business/auslandstarife/0,9925,20839-_,00.html
Lonely Planet Verlag: http://www.lonelyplanet.de/ueberlonelyplanet/index.htm
Lonely-Planet-Rome-App: http://itunes.apple.com/us/app/rome-guide-lonely-planet/id317284169?mt=8#
Kilian Martin
twitter: @kilianmartin
facebook: http://facebook.com/kilianpmartin
Ein ausführlicher, bebilderter Dublin-Reisebericht Kilians wurde beim revista verlag veröffentlicht.
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