Mittwoch, 3. August 2011

GTD Evangelist - Hoffnungslose Aufgabe?

Getting Things Done



Peer Wandiger rief in seinem Blog Selbständig im Netz kürzlich zu einer Blogparade (Definition) zum Thema Getting Things Done (GTD) auf.

Ich nutze das von David Allen stammende Organisationsprinzip GTD nun schon ein ganze Weile und habe eine immense Erleichterung feststellen können, die eine (konsequente) Anwendung des Prinzips bedeutet.

Ohne jetzt auf das Eingeweide von GTD einzugehen (man lese dazu den oben verlinkten Wikipedia Artikel oder gar das Buch von David Allen selbst) will ich kurz notieren, was für mich an GTD am wichtigsten ist: Das Grundprinzip Gedanken (vorrangig über Dinge, die zu erledigen sind, aber auch über Dinge, die man irgendwann einmal lernen, erleben, machen möchte) aus seinem Kopf heraus in ein System zu bringen, dem man vertraut einem diese Gedanken zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort (Kontext) wieder vorzulegen, so dass der Kopf bis dahin frei ist von der Sorge darum. Nutzt man aus GTD nichts Anderes ist einem schon sehr geholfen.

Welche Technik (computerbasiert, papierbasiert etc.) man dazu verwendet ist vollkommen Wurscht. Ich verwende dazu bislang das vom deutschen Startup culturedcode entwickelte Programm Things am mac, iPad und iPod Touch und bin damit sehr zufrieden, weil es die wichtigsten Prinzipien von GTD aufgreift, ohne zu komplex zu sein. Ausserdem hat es ein Design und eine Usability, die für einen Macianer ein Traum ist. Und auch wenn es etwas Besseres gäbe: Der Trick ist wohl nicht ständig an den System und Werkzeugen herum zu basteln, sondern einfach Dinge geregelt zu bekommen. Don't touch a running system...

Ich möchte mich in meinem Beitrag zur Blogparade weniger mit dm System GTD oder gar persönlichen Beispielen wo ich was wie ablege, wieder vor lege etc. beschäftigen, sondern mit einem tiefer liegendem Problem, das auch Peer Wandiger in einer seiner "Fragen… als Aufhänger" für den Artikel gestellt hat: Die größten GTD-Hindernisse. Spezieller: Wie kann ich anderen helfen GTD für sich zu entdecken?

Wer GTD bereits erfolgreich nutzt ist natürlich entsprechend davon überzeugt, gerade weil das Prinzip so einfach ist und sich Erfolge schon sehr schnell nach der ersten Umsetzung abzeichnen. Da liegt es nahe, dass man sich wünscht, dass Menschen, die einem am Herzen liegen, ebenfalls das GTD Prinzip anwenden; gerade wenn dies Menschen sind, die notorisch über Zeitmangel und zuviel Arbeit schimpfen. Doch meist sind es eben genau diese Menschen, die eine Adoption von GTD resistent ablehnen. Sie haben ja schon so viel zu tun… Nicht schon wieder etwas Neues lernen müssen… Muss ich da wirklich erst ein Buch lesen?

Wie können wir gerade diesen Menschen den Einstieg in GTD erleichtern? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht, wüsste es aber gerne, weil ich einige Kandidaten kenne, die GTD sehr gut gebrauchen könnten. Ich will mir daher ein paar Gedanken dazu machen.

Zuerst sei angemerkt, dass man Menschen, die sich selbst nicht helfen wollen oder Veränderung im Allgemeinen ablehnen, auch kaum helfen kann. Es geht also viel mehr darum jemandem zu helfen zu erkennen, dass er sich wirklich ganz leicht selbst helfen könnte. Wenn er wollte… Lediglich aufzuzeigen "schau, für mich klappt das ganz wunderbar so, so und so" genügt nicht, denn der Andere ist eben nicht man selbst. Mit diesem Thema habe ich mich im vergangenen Jahr auch im Blogartikel mit dem Untertitel "Veränderung muss man wollen" beschäftigt. Doch wie werden wir (erfolgreich) zum GTD Evangelisten für diejenigen, die uns am Herzen liegen?

Wie viel Leidensdruck ist notwendig, dass man sich mit GTD beschäftigt, um sich aus einem Tal der chronischen Unorganisiertheit und nichts geregelt kriegen heraus zu helfen? Oder ist es in einem solchen Zustand nicht ohnehin schon zu spät? Wer neigt überhaupt dazu GTD anzuwenden? David Allen hat in einem Interview mal grob gesagt (ich weiß nicht mehr in welchem), dass meist solche Leute zu GTD neigen, die ohnehin schon organisiert und erfolgreich sind und darin eine Vorgehensweise sehen, diesen Zustand weiter zu verbessern. Können wir also als selbst ernannte GTD Evangelisten nur denen helfen, die noch nicht "vom Wagen gefallen" sind? Das will ich nicht hoffen, denn es würde bedeuten, dass wir gerade denen, von denen wir meinen sie könnten die Hilfe am meisten gebrauchen, gar nicht helfen können.

Können wir denn überhaupt helfen? Sollten wir uns überhaupt den Hut des GTD-Evangelisten aufsetzen? Misstrauen wir Menschen den Evangelisten nicht im Allgemeinen eher, als dass wir uns von Ihnen sofort anstecken und überzeugen lassen? Diese krankhaft leuchtenden Augen, die die Evangelisten haben, wenn sie von ihrer Überzeugung sprechen... Ja, mir geht es schon so: Diese leuchtenden Augen der Evangelisten lassen mich gleich glauben sie seien durch und durch krank. Womöglich wollen die noch über Wasser laufen. Nein, da müssen wir unsere Begeisterung wohl eher in Zaum halten, wenn wir andere vom Nutzen unserer Anliegen (hier: GTD) überzeugen wollen. Wir sollten unsere "Bibel" wohl nicht jedem auf den Nachttisch legen, sondern eher unter geheimnisvollem Verschluss halten. Werden wir danach gefragt, antworten wir geheimnisvoll zurückhaltend: "Ach das? Ist nur so eine Sache die mir hilft organisiert zu bleiben und mehr Freizeit zu haben. Das ist aber nicht etwas für jeden".

Ob das funktioniert? Vielleicht. Ist aber wohl eher gemein und manipulativ, als der Evangelismus. Besser wäre wohl ein Mittelweg: Als Vorbild zu fungieren und gar nicht erst zu predigen (das muss ich mir aber erst selbst noch abgewöhnen). Was mir persönlich sehr geholfen hat GTD zu begreifen war ein online "Lesezirkel" von Oliver Gassner, den ich 2009 mitmachte. Da er mittels einer Google Group immer wieder das Lesepensum für die kommende Woche vor gab und über diese Gruppe Hilfestellung bot, hatte ich ein zuverlässiges Gerüst in dem ich überhaupt erst das Buch von David Allen lesen konnte. Diese Fristen halfen mir am Ball zu bleiben und ich wusste, dass wenn es kompliziert wird (was es dann nicht tat), ich immer wieder Hilfe bekommen würde. In der Gruppe waren nicht nur Erstleser dabei, sondern auch solche, die GTD schon erfolgreich einsetzten. Gerade die Vergleiche "wie machst du das oder wie verstehst du dies oder jenes oder setzt es um" waren mir dabei eine große Hilfe.

Das ist, denke ich, die beste Methode in so einen Selbstumkremplungsprozess einzusteigen: Zusammen mit anderen. Nicht ohne Grund gibt es für Alkoholkranke und andere Süchtige Selbsthilfegruppen, bei denen der (moderierte) persönliche Austausch im Vordergrund steht. Zusammen erreicht man mehr, als alleine.

Wer kommt also mit in die GTD Selbsthilfegruppe? Vielleicht hat Oliver ja noch einen Platz frei...

Zur Blogparade…

1 Kommentare:

  1. Danke für Lob & Erwähnung.
    Ich glaube wirklich, dass 'Angebote machen' hilft. Drum mach ich ja immer GTDsessions auf Barcamps.
    Oder wenn jemand sagt: zu viel Mail, sag ich: Kommt drauf an, soll ich Ihnen zeigen, wie ich das mache?

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