Die Deckstation geht fort
Auf dem Land bedeutet Fortschritt für viele Menschen oft auch altes Gemäuer abzureissen und dafür neues zu errichten. Eine "saubere Sache" heißt das dann im Volksmund. Dass gerade die saubersten Sachen der 1960er und 70er Jahre zu den größten Bausünden unserer Geschichte gehören war damals noch nicht klar (und ist vielen der Bauherren von damals wohl immer noch nicht nicht klar). Die hässlichsten Häuser sind jene aus dieser Zeit.
Die Neubauten der 1990er Jahre sind weitaus besser, wenn oft auch ohne den Charme, den die alten (zugegebenermaßen energietechnisch nicht perfekten) Bauten hatten. Und der Hang zum Abreißen ist nach wie vor ungebremst.
Nun glaubt zum Beispiel unsere alte "Regie" im Dorf dran: In diesem Häuschen lebte in meiner Kindheit noch ein prächtiger Eber, zu dem die Sauen durch das Dorf getrieben wurden, um gedeckt zu werden. Wenn man sich noch etwas gepflegter ausdrücken möchte, sagt man "Vatertierhaltung" dazu. Das in sich ist schon ein interessantes Konzept, dass die Vatertiere von der Gemeinde gehalten wurden. Es bestand hierin wohl ein Allgemeininteresse. Heutzutage werden die armen Viecher wohl nur noch künstlich befruchtet.
Ist das so? Vielleicht können Landwirte mich und die Leser dieses Blogs ja aufklären, wie es heute so gehandhabt wird. Lustig fand ich jedenfalls in diesem Zusammenhang eine hessische Gemeindesatzung von 1973 zum Thema, in der es u.a. heißt: "Die Gemeinde stellt allen Einwohnern zum Decken ihrer gesunden weiblichen deckfähigen Tiere
die für die Vatertierhaltung erforderlichen Einrichtungen zur Verfügung. ... Jeder Tierhalter von Rindern/Schweinen ... kann seine gesunden weiblichen deckfähigen Tiere den Vatertieren zuführen. Beabsichtigte Bedeckungen sind mit den Vatertierhaltern rechtzeitig zu vereinbaren. ... Das Deckgeld beträgt je Deckung einschließlich aller Nachsprünge für ein Schwein 15,34 Euro." (gab es 1973 schon den Euro? Das stimmt doch irgendetwas nicht... Egal.)
Bald wird es jedenfalls die Regie in dieser Form also nicht mehr geben. Beim heutigen Ausruf über die Dorfsprechanlage ließ die Freiwillige Feuerwehr Zeilitzheim bekannt geben, dass man morgen zwischen 14 und 14.30 Uhr sichten könne, was es dort noch gibt und Gebote für die zu räumenden Gegenstände (explizit auch Ofenrohre) abgeben kann. Den Ausruf habe ich aufgenommen und somit ein kleines, persönliches Andenken an die Regie gespeichert:
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