Und es begab sich zu der Zeit...
Kürzlich, bei der Bürgerversammlung in Zeilitzheim, kam auch die bevorstehende Volkszählung zur Sprache - wenn auch nur sehr kurz. Bürgermeister Horst Herbert hatte klar gestellt, dass es sich hierbei um eine Stichprobenvolkszählung handelt. Damit war das Thema vom Tisch.
Man vermeidet in diesem Jahr den Begriff "Volkszählung" und versucht mit dem Wort "Zensus" Klarheit (oder Unklarheit) zu schaffen. Jedenfalls habe ich auf der Internetseite des Zensus 2011 kaum Hinweise auf das altmodische und belastete Wort "Volkszählung" mehr gefunden. Es hilft wohl auch nicht mehr, dass Maria und Josef sich damals auf den Weg nach Bethlehem machten, auf dass sie sich zählen ließen. Lustigerweise bringen die Zensusverantwortlichen (bzw. deren Pressesprecher) just dieses Bild wieder in unser Gedächtnis: Ein Hinweis auf einen Auszug aus "Pressesprecher" vom 1. Februar 2011 ist betitelt "Und es begab sich zu der Zeit...". Dieser enthält den Link zu einer PDF Datei des Artikels, in dem einführend steht: "Die Bundesrepublik Deutschland macht Inventur und zählt ihre Bevölkerung. Während die Volkszählung von 1987 an einem Sturm der Entrüstung beinahe scheiterte, scheint der Zensus 2011 nur wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Überraschend für alle Beteiligten".
Man ist seitens der statistischen Ämter des Bundes und der Länder bemüht dem Bürger auf der Zensus-Seite das Gefühl von Sicherheit zu geben. Wohnungsbegehungen werde es keine geben. Immerhin: die Seite ist recht modern, mit Suchfunktion, Downloadbereich und RSS-Feed. Nur Social Media Elemente fehlen, aber das würde vermutlich auch nach hinten losgehen. Und einen Claim hat man auch, so wie es sich im modernen Marketing gehört: "zensus 2011 - Wissen, was morgen zählt". Jedenfalls gibt es auch eine FAQ. Wer von Euch hat sie schon gelesen?
Stichprobenartige Volkszählung, ähm Zensus, heißt: "Zwei Drittel der Bevölkerung werden beim Zensus gar nicht befragt – und trotzdem werden sie bei der Zählung berücksichtigt". Wie das funktionieren soll, versucht man hier zu erklären. Einen Hinweis auf ein etwaiges Bußgeld bei Verweigerung der Auskunft habe ich nicht auf Anhieb gefunden, aber es wird auf den Seiten des Zensus mehrfach auf die Auskunftspflicht hingewiesen. Interessant fand ich, dass die Erhebungen wohl in den Landratsämtern angesiedelt sind und diese MitarbeiterInnen für die stichprobenartigen Befragungen vor Ort suchen.
Als guter deutscher Bürger habe ich jedenfalls schon vor einigen Wochen den Fragebogen zur "Vorbereitung der Gebäude- und Wohnungszählung" ausgefüllt.
Es wird ständig davor gewarnt persönliche Daten im Internet bekannt zu geben. Wenn diese vom Staat erhoben werden, ist das natürlich kein Problem. Beim Podcast Alternativlos von Felix von Leitner und Frank Rieger vom 1.2.2011 hörte ich in diesem Zusammenhang einen interessanten Satz: die Juden konnten nur deshalb nach dem Einmarsch deutscher Truppen in den Niederlanden dort so schnell und umfassend eingesammelt und somit ihrer Ermordung zugeführt werden, weil die Niederlande zuvor eine Volkszählung gemacht hatten, die auch die Rasse bzw. Religionszugehörigkeit abgefragt hatte. Das ist jetzt kein genaues Zitat, aber das, was mein kleines Gehirn u.a. aus diesem Podcast behalten halt. Es machte mich dann doch etwas nachdenklich. Vielleicht sind wir doch nicht so sicher... Es hängt halt davon ab, was sich zukünftige Generationen (hoffentlich nicht mehr die aktuellen) für neue Schandtaten ausdenken.
Im Netz scheint es nicht viel Widerstand zu geben gegen die aktuelle Volkszählung. Sicherlich, die Grünen haben inzwischen ja auch mitregiert und für die Linken gehört so etwas sicherlich zur Selbstverständlichkeit,. Dennoch wundert es mich ein wenig, dass das Thema nicht mehr diskutiert wird. Eine einzige Facebookgruppe mit 28 Mitgliedern habe ich zum Thema gefunden: Zensus 2011.
Dort weist man auf eine ePetition im Bundestag hin, die am 17.12.2010 von Sascha Warnecke eingereicht wurde: "Der Deutsche Bundestag möge beschließen die geplante Ausführung der registergestüzten Volkszählung 2011 zu unterbinden." Als Begründung gegen die Volkszählung wird genannt: "Die Volkszählung 2011 und die damit verbundene Ansammlung personenbezogener Daten aller Bundesbürger kann den Anforderungen eines freiheitlich demokratischen Rechtstaates und insbesondere dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland nicht oder nur unzureichend gerecht werden. Das Erstellen von Personenprofilen, die eine registergestützte Volkszählung in Verbindung mit den gespeicherten Daten aller Bundesbürger zwangsläufig mit sich bringt, birgt große Gefahren des Missbrauchs bzw. der Zweckentfremdung der Angaben mit sich. Da hierbei auch mehrere Quellen zur Datengewinnung herangezogen werden und müssen ist die Anonymität des einzelnen nicht mehr gewährleistet."
Die komplette Begründung zur Petition findet man hier, beim Bundestag. Momentan hat die ePetition über 5300 Unterzeichner.
Wie steht Ihr zum Zensus 2011? Sollen die Daten ruhig erhoben werden, weil wir eh schon alles (im Netz) preisgeben? Hat es (noch) Sinn irgendetwas zurück zu halten? Kann die stichprobenartige Datenerfassung dem Staat und seinem sicherlich riesigen Auswertungsapparat helfen die Situation besser einzuschätzen und wird dieser daraus überhaupt Schlüsse ziehen können und ggf. Vorgehensweisen verändern?
Die Erfassung der Religion ist für die Feiertage nötig. Gäbe es in Franken und dem Rest von unserem Bundesland mehr Evangelische, würden einige Feiertage gefallen, aber bspw. der Reformationstag hinzukommen.
AntwortenLöschenJa, Pascal, aber der Staat treibt doch eh schon die Kirchensteuern ein. Da ist er zumindest darüber doch schon bestens informiert.
AntwortenLöschenKlar, aber da sieht man auch wieder das deutsche Problem mit dem Datenschutz.
AntwortenLöschenMenschen wollen Google, Facebook und Co. keine Daten geben, aber sobald sie bei Kaufhof mit ihrer Payback Karte punkte sammeln können ist ihnen der Datenschutz egal. Dass man mit den Einkäufen spezielle Werbung verschickt und sie dann so gezielt wieder in die Märkte lockt, ist ihnen egal.
Mmmmh. Wir unterliegen schon der Anmeldepflicht und alle Daten sind im Rathaus gespeichert.
AntwortenLöschenOhne Anmeldung gibt es in Deutschland keine Wohnung zu mieten, kein Arbeitsvisum, keine Arbeit und u.a. keinen Kindergartenplatz. Alles basiert auf dieser Anmeldung und wehe man vergisst sie...
Kostete einer kanadischen Freundin € 1500 Strafe, da sie nach der Geburt ihres Sohnes vergaß ihn beim Einwohnermeldeamt zu registrieren.
Man hat doch schon alle Daten...Könnte man nicht diese auswerten und das Geld für dieses Projekt anderweitig und besser nutzen?
Da ist 'was dran, Maria. Ich muss zum Beispiel auch monatlich die Übernachtungszahlen im Hotel ans statistische Landesamt melden und bekam vorsorglich vor einigen Tagen folgendes E-Mail:
AntwortenLöschenMonatliche Tourismusstatistik;
Hier: Änderung im Mahnwesen
Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie melden uns monatlich Ihre Daten zur Tourismusstatistik und haben in diesem Zusammenhang auf die Übersendung der Erhebungsbögen verzichtet. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, Ihnen hierfür zu danken.
Wir wenden uns heute an Sie, um Sie über eine Veränderung in unserem Mahnwesen zu informieren. Um die hohen Qualitätsanforderungen von nationaler und europäischer Seite erfüllen zu können, sind wir auf die wahrheitsgemäße, vollständige und termingerechte Lieferung der Daten angewiesen. Nur wenn die Erhebungsbögen vollständig und termingerecht vorliegen, können wir aussagefähige Ergebnisse erstellen.
Neben vielen unproblematischen Meldungen erfüllen einige Betriebe diese Pflicht trotz wiederholter Erinnerung nicht, so dass wir – aus genannten Gründen - ab Berichtsjahr 2011 konsequent gegen die Nichteinhaltung der gesetzlichen Vorgaben des Beherbergungsstatistikgesetzes vorgehen werden.
Als Folge davon werden wir nach § 23 Bundesstatistikgesetz bei nicht richtiger, nicht vollständiger bzw. nicht rechtzeitiger Lieferung umgehend ein Bußgeldverfahren einleiten.
Wir bedauern die Notwendigkeit dieses Vorgehens.
Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis sowie die gute Zusammenarbeit und stehen Ihnen für weitere Fragen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
(Doppelname ohne Vorname)
(Dieses maschinell erstellte Schreiben trägt keine Unterschrift.)
Mir scheint es so, als ob die Bürokratie schon genug Arbeitsplätze geschaffen hat.
AntwortenLöschenEin gutes Computerprogramm könnte die Volkszählung erledigen.
Ich liebe den Ausdruck "Mahnwesen" - in anderen Sprachen, wie z.B. Englisch ist das einfach die Abteilung "accounts receivable" und wer noch nicht bezahlt oder reagiert auf ein Schreiben hat, bekommt einen "friendly reminder".
Ich merke, ich schweife ab..:-)
Als Laie oder einfacher Hotelgast hat man wirklich keine Ahnung welche Bürokratie hinter den Kulissen steckt.