Diskussion beim Frankentreffen der JU in Schweinfurt
Es ist nun auch schon wieder ein paar Tage her, das Frankentreffen der Jungen Union (JU) am vergangenen Sonntag, zu dem ich als Vertreter aus der Praxis geladen war. Der Schweinfurter Stadrat und JU-Chef Oliver Schulte hatte mich über Facebook gefragt, ob nicht Lust hätte zusammen mit dem Bayerischen Staatsminister des Inneren, Joachim Herrmann, und der Geschäftsführerin des Tourismusverbands Fränkisches Weinland Susanne Müller mit den JU-Mitgliedern über den Tourismus in Franken zu diskutieren. Klar, da bin ich doch dabei! Dass ich selbst kein CSU Mitglied bin spiele keine Rolle. Es geht ja schließlich um die Themen.
Hier meine Eindrücke vom Treffen und der Diskussion:
Es ist Sonntagmorgen, etwa 09.45 Uhr, als ich im Jugendgästehaus an der Schweinfurter Mainpromenade ankomme. Ich werde gleich freundlich begrüßt von Oliver, der mir den Gastgeber, Bezirksvorsitzender der JU Boris Groskinsky vorstellt. Es ist noch Zeit, ich könne also noch in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken. Die JU'ler sind beim Frühstück alle erstaunlich fitt dafür, dass sie - getreu ihrem Motto "die Nacht gehört Dir!" (für die Beibehaltung der aktuellen Sperrzeiten in der Gastronomie) - zum großen Teil die halbe und zum kleinen Teil auch mehr oder weniger die ganze Nacht durchgemacht haben.
Vor den Konferenzräumen herrscht mittleres Polizeiaufgebot. Ist ja logisch: Der Innenminister wird erwartet. Da muss alles gesichert werden. Ein Polizeihund ist auch dabei. Ob der ein Sprengstoffspürhund ist? Jedenfalls scheint es hier kein heißes Pflaster für den Innenminister zu sein. Es sind wohl auch alles (bis auf mich und vielleicht den einen oder anderen Gast) Mitglieder der CSU.
Auch die Technik funktioniert schon. Susanne Müller kann ihren Laptop wieder einpacken: Ihr USB Stick wird am aufgestellten Rechner erkannt. Mit dem iPad habe ich im Jugendgästehaus sogar UMTS Empfang. Es ist Zehn Uhr. Man bittet uns "so langsam" in den großen Vortragssaal, von dem aus die Diskussionsgruppen noch aufgeteilt werden. Die hochschwangere Europaabgeordnete, Dr. Anja Weisgerber überbrückt die Zeit bis der Minister da ist mit einer Begrüßung "ihrer" Jungen Union (sie, geboren 1976, war selbst auch im Landesvorstand der JU aktiv). Sie outet sich als Vorortbewohnerin von Schweinfurt. Schwebheim ist ein Vorort von Schweinfurt? Kann man vielleicht so sehen. Jedenfalls ist sie, wie auch unsere Töchter, in Schweinfurt geboren.
Staatsminister Joachim Herrmann betritt den Raum und begrüßt mit kräftiger Stimme und staatsmännischen Gesten seinerseits das große Gremium, bevor sich dieses in zwei Gruppen aufteilen wird. Er weist auf die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Bayern hin: 161.000 Menschen seien hier im Tourismus beschäftigt.
Die Runde teilt sich nun in zwei Diskussionsgruppen. Der Innenminister, Susanne Müller und ich waren zum Thema Tourismus geladen zu sprechen und wechseln in den kleineren Raum. Allerdings ist das Interesse der jungen Politiker (allesamt in den fränkischen Kreis- und Bezirksverbänden der JU aktive Menschen) groß. Da Herr Herrmann schon vor dem großen Plenum gesprochen hat ist nun als erstes Frau Müller dran. Sie gibt mittels reich bebilderten Powerpointfolien einen guten Überblick über die Wirtschaftskraft des Tourismus in Franken, vor allem natürlich in ihrem Zuständigkeitsbereich: Das fränkische Weinland, zu dem auch unsere Gemeinde zählt.
Dann darf ich mich vorstellen, als Vertreter aus der Praxis. Ich erzähle kurz vom Schloss mit seinen 18 Hotelzimmern und den kulturellen Veranstaltungen. Ich konzentriere mich bei der kurzen Vorstellung auf unsere kommunalpolitischen Bemühungen in der Gemeinde Kolitzheim und in der Region Main-Steigerwald die Regionalentwicklung voran zu treiben. Aber auch meine Unzufriedenheit mit den Ergebnissen des Förderprogramms LEADER+ bringe ich kurz zur Sprache: Ein Thema, das Frau Müller später in anderem Zusammenhang wieder aufgreift. Ich bitte die jungen Politiker bei ihrer Arbeit zu bedenken, dass der Tourismus keine politischen Grenzen kenne. Frau Müller hatte schon sehr anschaulich dargestellt, das man in Franken - zumindest was die Gebietsausschüsse betrifft - einen landschaftsbezogenen Ansatz habe. So kommt es durchaus vor, dass ein Landkreis mehreren touristischen Gebieten zugeordnet wird. In unseren Landkreis gibt es zum Beispiel gleich drei solcher touristischen Regionen: Das fränkische Weinland, der Steigerwald und die Hassberge. Ich wies, zu eifrigem Nicken von Frau Müller und Herrn Staatsminister Herrmann, auf die wachsende Bedeutung von Dialog durch Social Media hin und bat die Politiker sich dafür einzusetzen, dass diese bei den Touristikern daheim nicht nur als notwendiges Übel gesehen werden, sondern mit Leben erfüllt werden. Ich bedankte mich bei Oliver Schulte dafür, dass er seinerzeit den Antrag im Schweinfurter Stadtrat zur Fusion der Tourismusstellen in Stadt und Landkreis Schweinfurt gestellt hatte. Dieser Zusammenschluss war ein bedeutender Schritt in Richtung Dialog und dient der positiven Entwicklung unserer Region. Entstanden ist Schweinfurt360°.
Es folgten nun Fragen der Diskussionsteilnehmer. Ich fand es interessant zu sehen, wie viele regional unterschiedliche Interessen es in diesem Zusammenhang doch in Franken gibt. Der Vorsitzende des Kreisverbands Bamberg strebt zur Erlangung eines Weltkulturerbes zum Beispiel einen Nationalpark Steigerwald an und kritisiert, dass Joachim Herrmanns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (der noch dazu aus unserem Landkreis Schweinfurt kommt) dieses Projekt vehement angreift. Von seinem Chef bekommt Eck jedoch Rückendeckung mit dem schon oft ausgesprochenen Satz "Einen Nationalpark gegen den Willen der Menschen vor Ort sollte es nicht geben". Seine Begeisterung halte sich da in Grenzen. Bei der Erwägung eines Nationalparks müsste man auch die möglichen touristischen Vorteile sehr genau abwägen. Die bisherigen Nationalparks in Bayern seien auch in relativ unbewohnten Gebieten an der Landesgrenze, in Randgebieten. In diesen Gebieten selbst könne man ja keine Gastronomie eröffnen. Naturparks dienen diesem Ziel genügend, so Herrmann.
Oliver Schulte schlug vor die "Lebensader Main" stärker touristisch zu nutzen im Sinne von Wassersport. Bei Schiffstourismus und Kayakfahren sei er etwas überfragt, so Herrmann. Flusskreuzfahrtschiffe sind in den Bayerischen Statistiken auch gar nicht enthalten, weshalb man darüber kaum Auskunft geben könne. Frau Müller wies darauf hin, dass es zum Thema Wassertourismus bereits eine bundesweite Initiative gibt, die "Gelbe Welle", die am 4. April 2011 auch in unserer Region vorgestellt wird. Bei solchen Projekten, die weite Strecken und Gebiete überbrückten, seinen die EU Förderkulisse jedoch oft ein Problem. Es gibt hier zu viele Lücken auf der Landkarte. Diese Kleinteiligkeit sei nicht mehr zeitgemäß. Der Wassertourismus sei aber auch eine Nische im Vergleich zu Wandern oder Radtourismus.
Es folgte eine Diskussion darüber, ob man sich hier in Franken gegenseitig Konkurrenz machen sollte (zum Beispiel das Weinland und das Altmühltal). Ich vertrat meine Auffassung, dass es hinsichtlich der Erstellung qualitativ hochwertiger Angebote im Tourismus nicht genug Konkurrenz oder positiven Wettstreit geben könne. Ich schilderte, dass ein Dorf mit vier oder fünf Gastwirtschaften wesentlich attraktiver sei, als ein Dorf mit nur einer Gastwirtschaft (es gibt ja auch immer mehr Dörfer ohne Gasthäuser). Als Beispiel führte ich auch Schweinfurt als Museumsstadt an, die gerade wegen seiner Vielzahl an Museen immer bedeutender und attraktiver wird.
Auch einige verkehrspolitische Projekte und infrastrukturelle Investitionen wurden angesprochen, für die ja der Innenminister auch der richtige Ansprechpartner ist. Aus dem Ansbacher Land wurde zum Beispiel das Aus des "Center Parc" Feriendorfes moniert. Auch in Hinsicht auf den Bau neuer Verkehrswege sagte Herrmann: "Es ist bedauerlich, ist aber letztlich Entscheidung der Kommunen vor Ort." Er betonte: "Wenn man etwas für wichtig hält, muss man auch dafür kämpfen. Wer nicht kämpfte hat schon verloren". Diese Kampfansage fand bei den Teilnehmern generelle Zustimmung.
Das energiepolitische Thema schlechthin, in Bezug auf die potentiellen Auswirkungen auf den Tourismus und Attraktivität von Landschaften, wurde natürlich auch angesprochen: Solarzellen und Windräder auf dem flachen Land. Minister Herrmann sagte, das werde untersucht. Aus seiner jetzigen Sicht gäbe es aber keine Probleme in der Wahrnehmung mit dem Tourismus. "Die Reaktion von Touristen ist ziemlich ausgeglichen. Manche stört es, andere nicht. Manche reagieren sogar positiv. Man muss sich genau anschauen, welche Standorte für Windkraftanlagen geeignet sind. Ökologie und Naturschutz spielen eine wichtige Rolle.".
Ein Reizthema in den ländlichen Gebieten Bayerns war kürzlich das Zukunftsgutachten des Zukunftsrates der Bayerischen Staatsregierung. Ein Kreisvorsitzender fragte wie sich dieses auf den Tourismus im ländlichen Raum auswirke. Minister Herrmann betonte man müsse hier den Gesamtzusammenhang sehen. "Ländlicher Raum ist eine der größten Herausforderungen der Zukunft in der Regierung, aber auch in der CSU". Er wies aber auch darauf hin, dass die Landeshauptstadt München Weltgeltung habe. "Das ist für uns in Bayern ein Vorteil." Wer könne schon von seinem Bundesland behaupten Menschen in aller Welt wüssten, welches die Hauptstadt sei? Man müsse aber darauf hin arbeiten, nicht nur riesige Ballungsräume zu schaffen, die umgeben sind von Naherholungsgebieten. Alle Teile Bayerns sollten Anteil haben an einer zukunftsfähigen Entwicklung. Wichtig für Herrmann ist in dieser Hinsicht, dass es in den einzelnen Regionen Fachhochschulen gibt. "Das waren wichtige Entscheidungen". Zum Zukunftsgutachten verweist Herrmann auf "die Macht der Bilder". Hier habe es eine missverständliche Skizze gegeben im Vergleich Passau und Hof. Der Gedanke, dass Passau die Zusammenarbeit mit Linz anstreben könne, sei ja nicht falsch. Sie ist nur falsch rüber gekommen. Herrmann betonte: "Es ist wichtig eine Politik zu machen, die für Menschen in allen Regionen Bayerns funktioniert." Man dürfe auch die ländlichen Regionen nicht vernachlässigen. Als Beispiel nannte Herrmann die Festspielstadt Bayreuth. Hier stehe die Renovierung des Opernhauses an. Es werde aber nur ein Bruchteil der Gelder, die für die drei Staatstheater in München ausgegeben werden, dafür locker gemacht. Fränkische Solidarität sei hier gefragt, damit im Wechsel auch Projekte in Bayreuth, Nürnberg oder Würzburg zum Zuge kämen. Zu großem Applaus sagte Herrmann: "Soviel wie das Theater am Gärtnerplatz muss uns Bayreuth mindestens wert sein".
Der Bezirksvorsitzende Boris Groskinsky hatte sich mit dem Wunsch zu Wort gemeldet, es müsse mehr getan werden, um die Marke Franken zu stärken. Die Homepages für Tourismus Bayern hätten keine typisch fränkischen Bilder. Schon dort sollte Franken aber stärker in Erscheinung treten. Innenminister Herrmann gab ihm hier recht: "Die Macht der Bilder darf man nicht unterschätzen." Es gehöre bei solchen Portalen eben auch ein Fachwerkhaus oder andere typische Erkennungsmerkmale wie Nürnberger Burg dazu. Nicht nur die Zugspitze und Neuschwanstein sondern auch Assoziationen zur Region Franken seien in der Aussendarstellung Bayerns wichtig. Die Marke Franken müsse gestärkt werden, damit diese international wahrgenommen werden.
Nach der Diskussionrunde lud die JU noch zu einem Pastabuffet zum Mittagessen ein. Hier konnte ich das Gespräch mit einigen der jungen Politiker vertiefen. Wir stellten fest, dass es noch viel zu tun gibt. Der Ausbau schneller Internetanbindungen auf dem Lande, zum Beispiel... Aber das ist ein Thema für einen anderen Tag. Der Dialog hat gerade erst begonnen, denn mit einigen konnte ich mich noch vor Ort über Facebook-Kontaktanfragen verknüpfen. Und in einem Fall ist das weitere Gespräch hinsichtlich eines konkreten Projekts bereits geplant...
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