Freitag, 4. Februar 2011

Handgemaltes Porzellan

Beitrag von Marina von Halem


Schloss Zeilitzheim hält Winterschlaf. Meine ererbte Unruhe hält das nicht gut aus, und so greife ich zurück auf eine frühere sehr liebe Tätigkeit: das Porzellanmalen. Als im Schloss Gästezimmer und Bäder ausgebaut wurden (ab 1985 und folgende Jahre), habe ich Fliesen bemalt und gebrannt, die dann in die Badezimmerwände eingelassen wurden. (Andere Sachen habe ich natürlich auch bemalt: Kaffee- und Teeservice, Döschen und Vasen). Die frühen Ausbauarbeiten haben wir überwiegend in "Eigenregie" gemacht, d.h. ich selbst, Leo Seidel der Hausmeister und der gute Josef Eckert (von mir im Stillen "Meister Eckehard" genannt) sowie andere Helfer waren die Bauarbeiter. Herr Eckert freute sich über meine mit Blumen, Vögeln und Schmetterlingen bemalten kleinen Kunstwerke. Wenn mal Eile geboten war und eine Kachelwand nur einfarbig mit Efeu bemalt war, war er nicht sehr zufrieden mit mir. Es kam auch vor, daß er in meiner Abwesenheit die einzelnen Kacheln, die nebeneinander ein Bild ergaben, senkrecht statt wagrecht klebte, sodaß der grüne Frosch nicht am Duschrand saß, sondern kopfüber hinunterstürzte.

Längst schon braucht das Schloss keine neuen Bäder mehr. Aber es ist Zeit zum Malen da. Und da am 5. März das erste Konzert dieser Saison stattfindet, werde ich eine Reihe kleiner Gegenstände bemalen und ausstellen, alle mit Frühlingsmotiven: Schneeglöckchen, Weiden- und Erlenkätzchen, Immergrün mit seinen blauen Blüten, Himmelschlüssel usw.

Wie ich zum Malen kam? Es war für mich eine ähnliche Situation wie jetzt. 1981 wurden wir vom Goethe-Institut in Glasgow nach Bremen versetzt, ich fühle mich nicht ausgelastet und lernte bei der mir sehr liebgewordenen Frau von Einem das Porzellanmalen. Und malte von da an. Ich brauche dazu außer Farbpigmenten und Pinseln nur ein Tablett, das ich mir dort hintrage, wo ich malen kann, d.h. wo es warm ist. ("Winterschlaf" bei uns bedeutet auch, daß das Schloss ganz hübsch kalt ist und nur das Nötigste geheizt wird).

Marina v. Halem