Samstag, 12. Februar 2011

Franken: in Bayern ganz oben

Verleihung des Fränkischen Weintourismuspreises in Iphofen

Als Gästeführer Weinerlebnis Franken war ich gestern zur Preisverleihung des Fränkischen Weintourismuspreises nach Iphofen eingeladen. Dort traf sich das gesamte "who is who" der fränkischen Weintourismusszene. Seitens der Politik waren dabei: Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, einige weitere Landtagsabgeordnete, Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Landrätin Tamara Bischof (und zwei weitere Landräte aus anderen Regierungsbezirken), Verbandspräsidenten und Genossenschaftsvertreter, Touristikerinnen, Weinkönigin Melanie Unsleber und als Gastgeber in der Karl Knauf Halle von Iphofen der zweite Bürgermeister Ludwig Weigand. Bürgermeister Josef Mend, selbst ein früherer Preisträger des Weintourismuspreises, weilt derzeit in Indien. Durch die Veranstaltung moderierte die ehemalige fränkische und deutsche Weinkönigin Nicole Then.

Dementsprechend nahmen die obligatorischen Begrüßungen und Grußworte den Großteil der Veranstaltung ein. Aus den Reden, die den wiederholten Begrüßungen folgten, fasse ich die für mich wesentlichen Punkte zusammen.

Nicole Then war es zu Beginn wichtig hervor zu heben, dass das fünfjährige Jubiläum des Weintourismuskonzepts Franken Wein.Schöner.Land! (der Kürze halber WSL) mit dem fünfjährigen Jubiläum des iPhone einher gehe. Ob aus dieser Tatsache später noch mehr gemacht wurde (etwa durch einen Hinweis auf die iPhone apps des Tourismusverbands Franken) weiß ich nicht, weil ich gegen 13 Uhr gehen musste, wodurch ich auch das begehrte meet & greet zu Wein und Häppchen verpasste.

Landrätin Tamara Bischofs Satz zur Begrüßung: "Franken: in Bayern ganz oben". Wir Franken seien auf dem richtigen Weg. Unterfranken kann sich über einen Anstieg von über 3% an Gästen freuen. Das Setzen auf Qualität, schon früh, mache den Erfolg des fränkischen Weintourismuskonzepts aus. Diese Qualität habe sich durchgesetzt. Alle Beteiligten müssten Franken mit Innovation und Qualität voranbringen. Einen Auszug aus Bischofs Rede nahm ich auf.

Die fränkische Weinkönigin Melanie Unsleber wies darauf hin, dass die "rote Broschüre" WSL Lust auf Franken mache. Diese Broschüre sei auf Messen sehr beliebt und würde einem regelrecht aus der Hand gerissen. Franken sei die beliebteste Urlaubsregion Deutschlands. Auch sie wiederholte das Qualitätsmantra.

Als nächstes sprach als Festredner: Staatsminister Helmut Brunner. Sympathisch fanden die Anwesenden, dass er nur kurz begrüßte und vor allem all jene begrüßte, die noch nicht namentlich begrüßt worden seien, was mit viel Gelächter und Klatschen belohnt wurde. Er erfreute die fränkische Wein-Intelligentia mit dem Satz: "Gut. Besser. Franken" und schmeichelte mit der Bemerkung, Unterfranken seien in vielen Bereichen Schrittmacher und Vorbilder für ganz Bayern. Frankenwein könne mit allen ausländischen Weinen konkurrieren, auch wenn sich dies in der Landeshauptstadt (München) noch nicht durchgesetzt habe. Dafür wolle er sich aber einsetzen. München werde, nicht nur in Sachen Wein, mehr nach Norden schauen. Die Marke WSL habe sich etabliert und das Weintourismuskonzept sei ein Meilenstein. Der Trend zur Regionalität komme uns entgegen, nicht nur in Bezug auf Produkte, sondern auch für die Urlaubswahl im eigenen Land. Diesen Trend sollten wir nutzen. Es gehe um die Mischung von Stärken in verschiedenen Bereichen. Der Staatsminister erzählte, wenn er im Ausland unterwegs sei und sage er sei aus Deutschland, die Leute ihm Respekt entgegen brächten. Würde er aber sagen er komme aus Bayern, funkelten ihre Augen. Einen wunden Punkt sprach Brunner damit auch an: "Franken gehört zu Bayern", ergänzte aber: "Von mir aus können wir es auch heute umdrehen". Er appellierte an die im Weintourismus beschäftigten Personen: "Schützen und ehren Sie die Dachmarke weiter." Es war eine charmante, wohlwollende Rede eines sehr sympathisch wirkenden Ministers. Da habe ich schon wesentlich steifere Reden von Landwirtschaftsministern erlebt.

Es folgte die Verleihung des Weintourismuspreises 2011 an den Würzburger Autor Roman Rausch. Dieser sei, so Weinbauverbandspräsident Artur Steinmann in seiner Laudatio, den digitalen Weg gegangen mit "Books on Demand". Inzwischen gibt es sieben Kriminalromane mit der Hauptfigur des Würzburger Kommissars Kilian.

Es folgte eine sehr unterhaltsame Einlage eines Kabarettisten, der es vermochte so ziemlich jede im Raum anwesende Person oder Gruppierung, jedes besprochene Konzept und sogar die Bühnendekoration auf insgesamt jedoch liebenswerte Weise durch den Kakao zu ziehen. Wie hieß der junge Mann in gescheckter Jacke und Hut? Mir entging es leider, weil ich mir während des "Abspanns" ein paar Lachtränen aus den Augen wischen musste.

Nachtrag: Dank Kommentar von tuffcat unten kann ich nun hinzufügen, dass der Kabarettist Oliver Tissot heißt.

Dann wurden die Urkunden an die in diesem Jahr zur "Premium-Broschüre" neu hinzu gekommenen "Leistungsträger" vergeben. Danach durften Vertreter verschiedener Interessen und Bereiche erzählen, warum sie das Weintourismuskonzept WSL so toll finden. Während dieses Abschnitts musste ich mich jedoch schon aus dem Staub machen, weil wir gestern noch unsere Freunde auf der Johanniterburg Kühndorf in Thüringen, Familie von Eichborn, besuchten (auch ein Geheimtipp, über den ich im Schlossblog noch mal schreiben werde).

Mein Fazit zur gestrigen Veranstaltung: In erster Linie war es ein Schmoren im eigenen Saft. Solche Veranstaltungen sind aber wichtig, um die Beteiligten bei der Stange zu halten. Man kann wohl nicht oft genug betonen, wie wichtig Qualität ist, und versäumt deshalb keine Gelegenheit dazu. In diesem Zusammenhang finde ich es aber immer besser, wenn man auch praktische Beispiele, wie das zu erreichen ist, nennt. Bei einer Urkundenverleihung bleibt dafür, angesichts der notwendigen Begrüßungen, natürlich weniger Zeit und hier stehen ja auch die Preisträger an sich im Vordergrund.

Wichtig ist es anzumerken, dass Weinfranken in der Tat schon sehr weit gekommen ist mit seinem Bestreben nach Qualität in der Weinwirtschaft und in den vor- und nachgelagerten Servicebereichen. Ob eine gedruckte und auf Messen verteilte "Premiumbroschüre" oder iPhone apps, die nur einen winzigen Teil der fränkischen Weintourismuswirtschaft abbilden, es vermögen dieses Bild auch ausserhalb Weinfrankens zu verbreiten und Gäste in die Region zu bringen sei dahin gestellt. Das Qualitätsdenken und die Belohnung durch hochwertige Marketingwerkzeuge motiviert zumindest die beteiligten Akteure dabei zu bleiben, sich selbst weiter fort zu bilden und bringt Jahr für Jahr mehr Nachahmer auf die Bühne.

Wenn es jetzt auch noch gelänge das Qualitätsdenken auch an der Basis, die sich (noch) nicht im "Premium" Segment bewegt, durchzusetzen und diese Basis auch an dem Erfolg teil haben zu lassen, wird Franken nicht nur in Bayern ganz oben stehen.

3 Kommentare:

  1. Also, der Kabarettist dürfte OLIVER TISSOT gewesen sein, jedenfalls ist er das auf dem letzten Foto.

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  2. Ich werde auch bald etwas beitragen zum allgemeinen Anstieg von 3% an Gästen.

    Wir besuchen bald Unterfranken und übernachten in einer Wassermühle in Schonungen. Übrigens, der Tipp kam von einer Freundin aus McAllen, Texas.

    Falls Taschen bzw. Schachteln mit Büchern im Eingang stehen am Wochenende vom 26./27. Februar, die sind von mir. Natürlich für den Büchermarkt gedacht.

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  3. Maria,

    das wird dann wohl die Klüpfelsmühle sein! Kenne ich persönlich noch nicht und bin auf Deinen Bericht gespannt.

    Vielen Dank schon mal für die erneute Bücherspende!

    Liebe Grüße,
    Alexander

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