Samstag, 29. Januar 2011

Tränengas - eine persönliche Erinnerung

Bei den ganzen Übertragungen aus Ägypten durch Al Jazeera, bei denen immer wieder gezeigt wird, wie Tränengas in die Menge geschossen wird, erinnere ich mich an eigene Erfahrungen mit Tränengas. Während der Panzeroffiziers- und Spähtruppführerausbildung der U.S. Army in Kentucky, USA, hatte ich einmal die freudige Gelegenheit bei den Übungen zum Gasangriff die Position des „loader“ inne zu haben. Diesem fällt die dubiose Aufgabe zu nach einem Gasangriff zu testen, ob die Luft rein ist. Das geschieht durch verschiedene Messmethoden. Ist man sich dann ziemlich sicher, dass die Gefahr verflogen ist, ist der letzte Schritt der, dass der Lader, neben dem Fahrer der dienstunterste auf dem Panzer und vor allem auch der beweglichste, die Gasmaske ausziehen muss und das lebendige Versuchskaninchen zum Testen der Luft ist. Diesem nimmt man aber vorher seine Waffe weg. Seit diesem praktischen Versuch weiß ich auch warum: Die Übung fand in einem Tal statt, in dem sich das Tränengas schön in Bodennähe gesammelt hatte und auch den Panzer und sein Umfeld noch gut umhüllte. Wäre es wirklich gefährlicheres Gas gewesen, hätte ich bei diesem gezwungenem Versuch, der mir viel zu lange andauerte, vielleicht auch zur Waffe gegriffen. Jedenfalls weiß ich nun wie es ist scheinbar alle vorhandene Körperflüssigkeit aus den verschiedenen Gesichtsöffnungen zu verlieren und kann den Demonstranten hier in diesem Punkt nachempfinden.

Übungen mit Tränengas gab es übrigens beim amerikanischen Militär jährlich. Man wurde bei diesen aber immer wesentlich kürzer nur dem Gas ausgesetzt. Diese Versuche dienten in erster Linie dazu Vertrauen in sein Equipment, also in seine Maske zu bekommen. Man saß längere Zeit mit Maske in der Tränengaskammer, um kurz vor dem Verlassen dieser die Maske auszuziehen und so zu erfahren, was die Maske die ganze Zeit abgewehrt hatte. Überzeugend.

Wir amerikanischen Soldaten und Offiziere haben jedenfalls nie verstanden, warum deutsche Truppen Bärte tragen dürfen, weil diese keinen ordentlichen Verschluss der Gasmaske am Gesicht erlauben. Aber die Deutschen üben wohl nicht im täglichen Geschehen mit ABC-Waffen-Kleidung. Ich fand das Herumschleppen der Gasmaske und der mit Kohle gefütterten Anzüge auch immer als sehr lästig. Zum Glück musste ich sie nie im Ernstfall einsetzen. Ausser mit Tränengas, was unschön genug ist.

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