Sonntag, 9. Januar 2011

Sesshafter Weltenbummler

In der gestrigen Samstagsausgabe der Main Post erschien ein sehr wohlwollender und vorteilhafter Artikel der Lindacher Autorin Julia Knetzger über mich. Sie hatte um ein Gespräch gebeten, wollte mich porträtieren. Da mache ich doch gerne mit! Wer den Artikel mit der Überschrift "Vom Weltenbummler zum Schlossherrn" lesen möchte: er ist wohl nur noch wenige Tage online zu finden bei der Main Post, bevor er im Archiv der Main Post verschwindet und nur noch Zeitungsabonnenten zugänglich sein wird.

Ich danke Julia Knetzger für das nette Gespräch und für den sehr schmeichelnden Artikel in dem sie sich vorrangig mit meiner Sicht auf den Adel beschäftigt, aber durch ihre Fragen in mir auch Erinnerungen an meine Kindheit wachgerüttelt hat und auch ein Nachdenken über solch große Themen und Begriffe wie "Heimat" (sanft) losgetreten hat. Ein Ventil für solche Überlegungen ist ja mein Buchprojekt "Bockbier und Barock", für das ich mir jedoch keine zeitlichen Fesseln auferlege.

Die Journalistin, die selbst schon weit gereist ist, beschäftigt sich im Artikel mit meinem der Anstellung meiner Eltern beim Goethe Institut verdankten bunten Geschichte ("auf drei Kontinenten groß geworden"). Die Internationalität unserer Familie ist schon ein wenig verrückt. Und ich denke bei dem Wort "verrückt" meist an die positiven Assoziationen. Der Zugang zu verschiedenen Ländern und Kulturen ermöglicht oft eine neue, eine andere Sichtweise auf die Dinge, die einem sonst klar zu sein scheinen. Auch die Betrachtung gleicher Sachverhalte mittels verschiedener Sprachen bringt oft eine verrückte Sicht mit sich (ich selbst bin in den Sprachwelten Deutsch und Englisch gleichermaßen zuhause). Mir hat das immer geholfen und gut getan. Kati und mir war daher sehr wichtig, dass unsere Töchter Katharina und Isa mit Deutsch und Ungarisch auch zweisprachig aufwachsen.

Ich bin nun jedoch, wie Julia Knetzger in ihrem Artikel schreibt, schon seit 13 Jahren wieder sesshaft geworden hier in Zeilitzheim. Um mir dennoch einen verrückten Blick auf das eigene Leben und auf unsere Arbeit in und mit dem Schloss zu haben, besuche ich in der stilleren Jahreszeit nun verschiedene Barcamps, auf denen ich mir frische und andere Sichtweisen verspreche. Am kommenden Wochenende werde ich tief im Bayerischen Wald im "Haus zur Wildnis" das InnovationCamp besuchen, bei dem der Veranstalter etwa 80 TeilnehmerInnen, alles "zukunftsorientiert denkende Hoteliers, Marketing- und Produktverantwortliche im Freizeit-, Kultur-, Sport- und Tourismusmarkt sowie Destinationsmanager/innen aus Regionen im deutschsprachigen Raum zum Ideenaustausch" zusammen holt. In dem Haus im Wald gibt es keine Internetanbindung. Ein Offline Barcamp, also. Auch mal etwas Neues.

Julia Knetzger, 25, hat selbst schon eine sehr interessante Biographie: Nach ihrem Bachelorstudium (European Studies) an der Universität Eichstätt-Ingolstadt sowie an der Universidad San Pablo CEU in Madrid absolvierte sie einen Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Kultur- und Medienmanagement an der Lettischen Kulturakademie in Riga. Es folgte ein "Entwicklungspolitischer Freiwillingendienst" in Chile. 2010 erschien ihr Buch "Führen wie St. Benedikt? Mönchische Führungsprinzipien für die Wirtschaft" im Tectum Verlag (Marburg). Norbert Vollmann hat Julia Knetzger und ihr Buch am 5. November 2010 in der Main Post vorgestellt.

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