Kratzen an der Dichotomie
Es wurde nun schon mehrfach darauf hingewiesen, dass das InnovationCamp im Bayerischen Wald, zu dem ich am kommenden Wochenende fahre, ein "offline" Barcamp ist. Darauf muss wohl deshalb gesondert hingewiesen werden, weil Barcamps oft eine starke Anbindung an das Netz haben. Es geht zwar nicht zwingend um online-Themen, aber man vernetzt sich untereinander oft schon im Vorfeld, twittert fleissig während der Veranstaltung und hält Kontakte im Nachhinein möglichst über das Netz aufrecht.
Eine Internetverbindung während eines Barcamps zu haben ist vor allem praktisch, um einen Livestream anbieten zu können, durch den auch andere an den Themen interessierte Menschen am Geschehen teilnehmen können. Twitter ermöglicht externen Beobachtern dann sich ins Geschehen einzubringen durch Kommentare und/oder Fragen an die Anwesenden. Mittels eines "Hashtags" werden die Tweets zur jeweiligen Veranstaltung dann gesammelt und mittels Twitter Client oder Twitterwall sichtbar gemacht. Ich habe das zum Beispiel aus Aussenstehender gut nutzen können beim Hotelcamp, wo ich aus der Ferne zumindest die Zusammenfassungen der Sessions bekam und per Twitter Rückfragen stellen konnte und mich so in den Dialog mittels "Ferndiskussion" einbringen konnte. Auf diese Aspekte müssen externe Beobachter, wegen der fehlenden Internetanbindung im Haus zur Wildnis mitten im Bayerischen Wald, beim InnovationCamp verzichten. Für uns Teilnehmer bedeutet es jedoch vielleicht noch mehr Fokussierung auf die Themen und die Menschen vor Ort.
Wenn es schon ein offline Barcamp ist, liegt es nahe, sich auch mit offline Themen zu beschäftigen. Ich sehe ja selbst keinen Widerspruch zwischen on- und offline sondern sehe in beiden (und allem dazwischen, darunter und darüber) ja lediglich verschiedene Ebenen und Kanäle. Mir ist aber bewusst, dass viele hier bewusst eine Dichotomie sehen (wollen). Ich möchte mir daher verstärkt Gedanken darüber machen, wie wir in der Kulturwirtschaft und im Tourismus die Grenzen zwischen online und offline abbauen können und Schnittstellen zwischen beiden Welten herstellen können.
Das Einfachste wäre sich Gedanken darüber zu machen, wie man Offlineprodukte online bringen kann (zum Beispiel Kataloge touristischer Destinationen ins Netz stellen) oder online Aktivitäten offline darzustellen (Ergebnisse aus Crowdsourcing offline zeigen, Onlinenetzwerke offline sichtbar machen). Das alleine scheint mir jedoch noch nicht genügend interessant. Was können wir tun, um wirklich Vernetzung von online und offline zu erzielen?
Gerade im Bereich des Tourismus, bei dem es meist um Destinationen mit klarem, unverwechselbarem Charakter geht, ist eines der Ziele der Regionalentwickler die Verbundenheit der Urlauber mit der Region auch nach dem Urlaub zu halten. In der Wirtschaft würde man dies Kundenbindung nennen. Im Tourismus hat dies aber weniger mit "Bindung" als mit emotionaler Identifizierung mit einer Region zu tun, die einen eben dazu animiert wieder zu kommen und diese Emotionen wieder aufleben zu lassen und neue Facetten der Region kennen zu lernen. Im besten Fall trägt diese Identifikation mit einer Region natürlich auch dazu bei, dass man sie Freunden als Urlaubsziel empfiehlt.
Im letzten Jahr habe ich ja das Brettspiel zum Schloss entwickelt, das - bis auf seine Entstehungsgeschichte als crowdgesourcte Idee - ein reines Offlineprodukt ist. Was könnten wir im Bereich Spieleentwicklung tun, um die beiden Welten zusammen zu bringen? Eine Idee dazu wäre in ein Spiel, das wir zu einem Unternehmen oder einer Region erstellen, mittels QR-Codes ein online-Spielelement hinein zu bringen. So könnten wir zum Beispiel auf Ereigniskarten QR-Codes abbilden, die beim Abfotografieren mit dem Smartphone automatisch einen Link zu eine Webseite mit weiterführenden Informationen oder Aufgaben führt. Noch spannender wird das, wenn sich diese Inhalte im Netz immer wieder mal automatisch (oder auch je nach gegebenem Anlass in der "realen Welt") aktualisieren. Somit würde das Spiel Dank des interaktiven Elements immer wieder von Neuem spannend.
Eine weitere Idee, die mir dazu kommt, ist die Schaffung von interaktiven Spielen und Welten, die auf die Destination Bezug nehmen. Der Nationalpark Bayerischer Wald könnte zum Beispiel subventionierte Bausätze für Lego, PlayMobil oder ähnliches Spielzeug herstellen, die durch ein klares Branding den Bezug zur Destination herstellen. Mittels Comics und/oder Geschichten, wie wir sie noch von Lurchi, dem Salamander, her kennen, können diese Spielwelten für die Kinder (auch große Kinder) auch nach dem Besuch immer wieder von Neuem zum Leben erweckt werden. Für ganz große Kinder böte sich hier statt Lego etwas an, das maßstabsgetreu bei Spielzeugeisenbahnen, wie man sie von Märklin und Co. her kennt, umgesetzt werden könnte. Auch bei diesen Dingen könnte dann das interaktive Element mittels QR-Code eingesetzt werden, und wenn es nur ein Link auf die Facebookseite des Nationalparks wäre.
Klingt alles zu umständlich? Mag sein. Sicherlich gibt es Dinge, die sich leichter umsetzen ließen. Deshalb darf mir auch jeder gerne noch ein paar Ideen zusenden. Was habt Ihr schon erfolgreich umgesetzt? Oberstaufen's frühzeitiger Einsatz von Google StreetView ist hier sicherlich eines der besten Beispiele für die Verschmelzung von online und offline. Oder was würdet Ihr Euch als Gast einer touristischen Destination in dieser Hinsicht wünschen?
in dem zusammenhang fände ich eine online/offline "schnitzeljagd" mit ereigniskarten samt QR code interessant, vielleicht als mischung mit aufgaben die sowohl online als auch offline lösbar sind. zum beispiel zeitgleich eine schnitzeljagd im web mit bestimmten aufgaben verbinden die sich aber auch offline lösen lassen.
AntwortenLöschenDie Verbindung zwischen online und offline-Welten scheint mir ein wichtiges Thema nicht nur im Tourismus zu sein. Von daher finde ich es inzwischen eine hervorragende Idee, dass wir offline arbeiten werden.
AntwortenLöschenUnd ich glaube auch, dass uns das zu mehr Konzentration verhilft, ohne diese ganzen Spielereien :-)
Bin schon sehr gespannt und freu mich auf unseren Austausch!
Bestens :) Genau was wir wollten, indem wir eine Grenze zogen: Drüber hinaus denken! Freu mich auf morgen Abend und das Wochenende!
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