Das InnovationCamp 2011 im Bayerischen Wald
Ich verbrachte das Wochenende im Bayerischen Wald im Dienste der Innovation. Inter Change Concept hatte ein BarCamp für "zukunftsorientiert denkende Hoteliers, Marketing- und Produktverantwortliche im Freizeit-, Kultur-, Sport- und Tourismusmarkt sowie Destinationsmanager/innen aus Regionen im deutschsprachigen Raum zum Ideenaustausch" organisiert: Das InnovationCamp. Mit von der Partie seitens ICC waren Andreas Dittlmann, Susanne Volz und Prof. Dr. Thomas Mohrs.
Gastgeber Andreas Dittlmann ging bei der Begrüßung auf meinen Blogartikel im Vorfeld des Barcamps ein. Dieser Artikel scheint wohl leider der einzige gewesen gewesen zu sein, der sich bewusst schon vor dem Treffen mit der Thematik befasste, wenn auch nur kurz. Während des Barcamp machten jedoch alle gut mit und diskutierten offen und fair über mögliche Innovationen vor allem in den Bereichen Kultur und Tourismus. Es gab auch Sessions zu Sport/Outdoor, von denen ich jedoch nicht berichten kann, weil ich nicht daran teilgenommen hatte.
Wir diskutierten viel über Megatrends, noch mehr aber über Microtrends. Oliver Puhe von TrendONE spielte mit Teilnehmern des Camps das RadicalGame und auch in anderen Sessions und Diskussionen waren Ergebnisse aus der Trendforschung immer wieder ein Thema. Oliver, der bei TrendONE für das Reisesegment zuständig ist, ließ mich auch im Trendbook2012 blättern. Ein faszinierendes Werk, das ich mir jedoch nicht ganz leisten kann. Ich empfehle es jedem, der sich für dieses Thema interessiert.
Eine Diskussion, an der ich mich beteiligte, betraf die Divergenz zwischen Kunst/Kultur und wirtschaftlichem Denken, provokativer Arbeitstitel: Kunst - Wirtschaft - Kommerz. Wir diskutierten über die Kreativwirtschaft,ein unter Künstlern mitunter umstrittener Begriff. Die Mischung aus Künstlerin, Beratern, Forschenden, Aktivtouristikern, Erfindern und mir als Kulturveranstalter fand einen überraschenden Konsens über den ich vielleicht noch separat hier im Schlossblog etwas schreibe. Die kleine Gruppe wird sich jedenfalls aller Voraussicht nach zumindest in Teilen weiterhin austauschen.
Interessante Sessions waren auch "Die Märkte sind weiblich" über einen wichtigen Megatrend unserer Zeit und die Vorstellung des Kreativprozesses bei der Österreichwerbung.
Alexandra Graßler stellte verschiedene Sessions zur Auswahl. Leider wurde die Session über Entscheidungsfindung nicht oder zumindest nicht am ersten Tag auf den Veranstaltungsplan gehievt. Dafür nahm eine sehr große Zahl der Anwesenden am Nachmittag an ihrer Session zu Drehbuch und Storyboard bei der Erstellung von Präsentationen teil. Ich hatte diesen Vortrag ja schon beim KnowledgeCamp in Passau gehört. Mangels Beteiligung an der parallel laufenden Session, die ich eigentlich besuchen wollte über Methoden zur Nachhaltigkeit in kreativen Prozessen, hörte ich mir diese als noch einmal an. Ich hatte im Oktober bereits ausführlich einen Blogartikel über Alexandras Ansatz geschrieben, der momentan der am meisten gelesene Artikel im Blog ist.
Der Medienpädagoge Jürgen Ertelt gab einen guten - wenn aus organisatorischen Gründen bedingt auch recht kurzen - Überblick über verschiedene Dienste rund um location-based services, augmented reality und QR-Codes, allesamt Themen, mit denen ich mich auch intensiv beschäftige. Deshalb wollten wir eigentlich auch eine gemeinsame Brainstorming Session zu dem im vorbereitenden Blogartikel erwähnten Möglichkeiten der Verschmelzung von Online und Offline halten. Zu diesem kam es aus Zeitgründen leider nicht mehr.
Die Party im kultigen Cafė Gloria bei der noch kultigeren Gloria Gray, die auch persönlich live auftrat und sang, bildete den Abschluss des ersten Tages, der für mich krankheitsbedingt leider auch der letzte Tag des Barcamps werden musste. Mit Halsschmerzen setzte ich mich am Sonntagmorgen in den Zug. Ich hätte ohnehin nur etwa eine Stunde des Camps noch miterleben können. Umso mehr würde ich mich darüber freuen, wenn auch andere CampteilnehmerInnen noch darüber bloggen würden.
Mein persönliches Fazit:
Barcamps ermöglichen Dank ihrer unkonventionellen Struktur einen sofortigen Einstieg in die jeweilige Materie mit Experten auf Augenhöhe. Die Unterhaltungen mit und Beziehungen zu interessanten Menschen auch außerhalb der Sessions ist das, was BarCamps besonders wertvoll macht.
Neben einer Beobachtung der inzwischen oft weithin bekannten Megatrends sollten innovative TouristikerInnen sich gerade auch mit den Microtrends beschäftigen. Gerade bei diesen liegen die größten Potentiale für einen kreativen und nachhaltigen Marsch in die Zukunft.
In der Tourismusbranche liegen diejenigen, die sich auf kommunaler Ebene mit dem Thema beschäftigen, oft noch weit hinten, was innovatives oder gar zeitgemäßes Denken betrifft. Zu groß sind die Fesseln seitens der Politik und zu gering ist die Bereitschaft Neues zu probieren. In Österreich scheint man dieses Problem jedoch kaum zu haben. Immer wieder bin ich positiv überrascht von unseren österreichischen Nachbarn aus der Tourismusbranche. Bei uns hören wir von Vertretern touristischer Destinationen, das man zwar wisse, dass Social Media und die verwandten Microtrends wie augmented reality, location-based services etc. wichtig sind, dass man dafür aber keine Zeit habe. Für mich und viele Teilnehmer des InnovationCamps stellt dies eine unhaltbare Einstellung dar, denn: Wenn man schon weiß, das etwas wichtig und richtig ist, und es dennoch nicht tut, ist einem nicht zu helfen.
Ein herzliches Dankeschön an unsere Gastgeber von ICC hier im verwackelten Foto: Andreas Dittlmann, Susanne Volz und Prof. Dr. Thomas Mohrs.
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