Montag, 29. November 2010

Netzfreie Zone

Zeilitzheim. Am Hintern der (modernen) Welt



Seit Mittwochabend war ich nun "zuhause" ohne Internet. Die DSL "light" Verbindung streikte. Macht ja nix. Wir bezahlen die tcom ja noch für einen zweiten Anschluss, der das Schloss und seine Gäste versorgen soll. Dieser brach jedoch dann auch noch zusammen am Samstag, so gegen 10:38 Uhr. Zum Glück habe ich noch ein iPad mit Internet via Mobilfunk von O2. Zumindest da wo es Empfang gibt...

Also: wenn die Dörfer sterben, dann wundert mich das nicht. Noch bewegen sich nur wenige (auf dem Land) im Netz und die wenigsten davon auch in "social media". Diese, aber, werden immer wichtiger. Kommunen, die es nicht schaffen ihren Bürgern (schnellen und vor allem zuverlässigen) Zugriff auf das Internet zu ermöglichen, werden untergehen. Absterben.

Jedenfalls bin ich seit 18:41 Uhr wieder online und hoffe und bange, dass es noch länger hält. Im Schloss ist der Anschluss jedenfalls noch immer tot.

Interessante Frage: welchen Stellenwert wird die tcom und ihre potentiellen Mitbewerber noch haben im Sterben von ländlichen Regionen? Wie ich höre sollen Internetverbindungen in Südkorea ziemlich schnell und zuverlässig sein...

Update Donnerstag, 2.12.2010 mittags:

Es gibt noch immer kein Internet im Schloss. Der tcom Techniker, der sich für gestern zwischen 13 und 16 Uhr angekündigt hatte, war nicht erschienen. Es war aber auch grausliches Wetter mit bescheidenen Straßenbedingungen, da kann ich das verstehen. Habe heute mit einer netten Frau Stade bei der tcom Störungshotline gesprochen. Die wollte sich beim Disponenten erkundigen, was mit meinem Termin passiert ist. Während ich jedoch an der Leitung geduldig wartete, wurde ich aus dieser raus geschmissen. Ob ich auch wieder die nette Frau Stade erwische, wenn ich *wieder* anrufe? Das "System" sagt mir jedenfalls: "Ihre Störung ist uns bekannt. Wir arbeiten an einer Lösung". Wenn die nur wüssten, was ich noch alles an Störungen habe...

Die andere DSL "light" Leitung läuft jedoch momentan noch stabil. Und heute in aller Früh rückte sogar der angekündigte Bautrupp vom "Tiefbau" mitsamt Bagger an, grub das Pflaster um den Schaltkasten vor dem Gasthaus "Zur Sonne" auf und erdete diesen. Ich unterhielt mich mit einem der Arbeiter während ich Schnee schippte und er eine Zigarettenpause einlegte. Er meinte: "Ob es überhaupt an der Erdung liegt ist gar nicht gesagt". Zuversicht ist etwas anderes...

Update Donnerstag, 2.12.2010 um 15:15 Uhr:

Frau Stade hat sogar zurück gerufen auf meinem Mobiltelefon, das ich jedoch erst jetzt abhören konnte, weil es in Zeilitzheim ja so gut wie keinen Mobilfunkempfang gibt. Sie hat mit dem Disponenten gesprochen, der meint es sei ein Hauptkabel beschädigt und ein Techniker sei bereits beauftragt worden. Ich benötige keinen weiteren Termin. Sie melden sich wieder. Aha.

Mittwoch, 24. November 2010

Natürlich von Hier

Spielen wir verkaufen oder verkaufen wir?



Gestern besuchte ich eine Informationsveranstaltung unseres Regionalmanagements im Landkreis Schweinfurt. Es ging dabei um "Vetriebsstrategien für Direktvermarkter und Gastronomen". Ziel war es wohl auch, eine Schweinfurter Gruppe der Kooperation "Natürlich von Hier" aus den Hassbergen unter deren ansprechenden Dachmarke zu gründen. Die Gruppe kenne ich schon länger (und halte sie auch für eine gute Sache). Weil ich mich damit über die Jahre schon mehrfach beschäftigt hatte, war dieser Teil der Veranstaltung nicht wirklich neu war für mich. Hingegangen bin ich vor allem wegen des Vortrags von Jürgen Krenzer, dem Wirt des Rhönschafhotels in Seiferts, den ich vor einigen Jahren schon einmal in Kitzingen gehört hatte und dessen Aktivitäten ich im Social Web verfolge.

Vieles von dem, was Jürgen Krenzer sagt, ist mir daher auch nicht wirklich neu. Aber es macht doch einen großen Unterschied diesen manchmal bewusst auch polarisierenden Menschen, der selbst geschickt mit seiner Internetseite www.scheissreferent.de für seine Redeengagements wirbt, live zu hören. Für viele der gestern anwesenden Gastronomen und landwirtschaftlichen Direktvermarkter mag jedoch auch einiges neu gewesen sein. Wenn Jürgen mit seiner Botschaft "Spielen wir verkaufen oder verkaufen wir?" ankommt, dann ist schon viel erreicht. Ausserdem muss nicht immer alles "neu" sein. Manchmal genügt es bei einem solchen Vortrag auch, mal wieder motiviert zu werden, bestärkt zu werden in den eigenen Vorhaben und Zielen.

Bettina Wendt, die die Veranstaltung moderierte, hatte Jürgen Krenzer mit einem Zitat von ihm angekündigt: "Wenn dich alle für deine Idee auslachen, dann bist du auf dem richtigen Weg". Das charakterisiert Jürgens Vorgehensweise und Erfolgsrezept sehr gut. Er, der sich mit seinem Rhönschaf und dem Rhöner Apfelsherry ein unverwechselbares Image gegeben hat, ist selbst seine Marke. Ohne ihn wären auch Rhönschaf und Apfelsherry kein Erfolgsrezept. Somit ist die wohl wichtigste Botschaft des Rhöner Unikats, grob paraphrasiert: sei du selbst und lebe deinem Traum. Spezialisiere dich! Begeistere andere Menschen damit und sie werden auch kaufen, weil sie es dir im besten Sinne des Wortes auch "abkaufen".

Die praktischeren Tipps für die Gastronomen und Direktvermarkter hört man immer wieder. Dennoch finden sie nur selten Anwendung. So ist für Jürgen Krenzer, der erst im August sein mit mystischer Geheimhaltung umwobenes R.A.S.T. (Rhöner Apfelsherry Theater) eröffnet hat, die Inszenierung seines Produkts, seiner Marke besonders wichtig. Wenn wir unsere Produkte zum Beispiel aus alten, schlecht beleuchteten Garagen verkaufen, dann spielen wir nur verkaufen. Leuchtet eigentlich ein. Dennoch gelingt uns Gastronomen und Direktvermarktern das nur selten. Ein Erfolgsbeispiel ist für mich jedoch das Zeilitzheimer Weingut Mößlein. Bei der gestrigen Heimfahrt von Schweinfurt kam ich an der ansprechend beleuchteten Vinothek des Weinguts in der Zeilitzheimer Unteren Dorfstraße vorbei und dachte mir: diese Familie hat das mit der Inszenierung schon verstanden.

Das Thema Social Web hat Jürgen wohl wegen der fehlenden Zeit, wohl aber auch wegen des eigentlichen Themas und des Publikums nur ganz kurz gestreift. Ich glaube auch, dass im Regionalmanagement noch viel mehr Grundsatzarbeit geleistet werden müsste, bevor an der Basis das Thema Social Web ankommen wird.

Etwas zu kurz kam mir bei dieser Veranstaltung die Diskussion. Der zeitliche Rahmen war dafür aber auch sehr knapp. Dennoch hat sich im Rahmen der gestrigen Veranstaltung ein kleiner Lenkungskreis gebildet, der die Ausweitung der Kooperation "Natürlich von Hier" auf den Landkreis Schweinfurt in Angriff nehmen wird. Schaden kann das nicht.


Mittwoch, 17. November 2010

Das Barockschloss auf dem Gabentisch

Barockschloss: Das Spiel - jetzt im Spieltz! Shop



In diesem Jahr habe ich mich erstmals als Spieleentwickler geübt und habe ein Brettspiel zum Schloss erstellt. Über diesen Vorgang habe ich bereits hier und hier im Schlossblog berichtet. Auf der stARTconference in Duisburg stellten Karin Janner und Team von Spieltz! das Schloss-Spiel vor. Zu dieser Gelegenheit bekam ich das erste gedruckte Exemplar des Spiels. Und nun, am 8. November wurde der Spieltz! Shop aktiviert, in dem mein Brettspiel "Barockschloss: Das Spiel" allgemein online bestellt werden kann.

Auf der Seite zum Spiel findet man eine Beschreibung des Spiels, dessen Spielbrett ich hier unten abbilde. Bestellt man es, bekommt man es gerollt (das Spielbrett wird auf flexibler LKW-Plane gedruckt) in einer Röhre mit den Spielfiguren, Würfel und Spielanleitung zugeschickt. Mir ist bewusst, dass dieses Spiel keinen Massenmarkt wird bedienen können, aber vielleicht erfreut sich der/die eine oder andere frühere Schlossbewohner/in über das Spiel mit den vielen Fotos rund um das das Schloss und den Schlossgarten.

Natürlich eignet sich das Spiel auch als Weihnachtsgeschenk für andere, denen man Lust auf einen Besuch in Zeilitzheim machen möchte. In der kleinsten Fassung von 30 x 30 cm ist man ab ca. EUR 20,-- dabei. Ich empfehle die Version mit 42 x 42 cm. Es gibt noch eine größere Version zu 50 x 50 cm, die sehr schön ist, aber vielleicht nicht auf jeden Kaffeetisch passt.

Über fleissiges Spielen mit dem Schloss-Spiel und über Feedback würde ich mich sehr freuen!

Barockschloss - Das Spiel

Freitag, 12. November 2010

Hexen-Litera-Tour

Die Dorflinde - Zeugin von Glaube und Aberglaube


Seit über einem Jahr ist Hilmar Spiegel nun schon bei der Vorbereitung der Sonderausstellung, die morgen, Samstag, 13. November 2010, im Alten Rathaus Zeilitzheim eröffnet wird. Der Ausstellungseröffnung folgt eine Abendveranstaltung im Jagdsaal von Schloss Zeilitzheim. Dies ist eine Veranstaltung des Historischen Arbeitskreises Zeilitzheim (Hilmar Spiegel mit Unterstützung von Kurt Scheuering, Dr. Reinhold Holzheid und mir). Schirmherrin der Veranstaltung ist unsere Europaabgeordnete, Dr. Anja Weisgerber.

Das Thema von Ausstellung und Abendveranstaltung: "Die Dorflinde - Zeugin von Glaube und Aberglaube". Hilmar Spiegel spannt so einen Bogen zwischen dem Wahn der Hexenzeit (Zeilitzheim hat als Einzugsgebiet des nahegelegenen Gerolzhofen eine unrühmliche Geschichte der Hexenverfolgung) und der dörflichen Freude, ausgedrückt in der Kirchweih, oder Kerm, wie man hier sagt. Über all diesen Ereignissen wacht die Dorflinde als Zeugin.

Die Veranstaltung im Schloss Zeilitzheim ist betitelt "Hexen-Litera-Tour". Hans Driesel, der selber auch Vorsitzender des Förderkreises Schloss Zeilitzheim e.V. war, rezitiert und spielt zusammen mit seinen Kolleginnen von der Kleinkunstbühne Schrotturmkeller / Hans Sachs Gruppe Schweinfurt, Ingrid Klier und Claudia Müller, zum Thema der Hexenverfolgung. Für Licht- und Tontechnik sorgt dabei Wolfgang Klopf. Musikalisch wird der Abend durch Liedbeiträge aufgewertet. Es singt der Kolping- und Männerchor Zeilitzheim.

Mit den Chören unter der Leitung von Lorenz Maikowski und Wolfgang Baur, aber auch durch weitere Elemente der Ausstellung und des Abendprogramms sind zahlreiche Zeilitzheimer eingebunden. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Unser Bäcker, Walter Hauck, kreierte ein Gebäck, das es am Abend geben wird, in Pentagrammform. Die Metallform dazu wurde von Jürgen Rettner gefertigt. Die Grafik für das Plakat zur Ausstellung wurde von Martina Henke gefertigt. Konrad Knies baute ein Hexenhäuschen, dem noch eine besondere Funktion während der Abendveranstaltung zugeordnet sein wird. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer sorgen dafür, dass es in der Pause auch Zeilitzheimer Weine zu verkosten gibt.

Der Eintritt zur Ausstellung und zur Abendveranstaltung ist frei.

Die Ausstellung wird eröffnet am Samstag, den 13. November 2010 um 18:30 Uhr im Historischen Rathaus Zeilitzheim. Weitere Ausstellungstermine:

Sonntag, 14.11.2010, von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr,
Sonntag, 21.11.2010, von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr.

Foto: Unter der Zeilitzheimer Dorflinde am Kriegerdenkmal.

Fallen Angel with Steel Helmet and Sword


Mitschnitte des Dorfausrufs (Dorfsprechanlage) zur Brauereiführung der Kirchengemeinde am Freitag und der Hexen-Litera-Tour am Samstag:

Listen!

Donnerstag, 11. November 2010

Weinfranken: Die ganzheitliche Kultur des Genießens

Mein Fazit des Weintourismustags 2010



Vorgestern saßen wir mal alle wieder beisammen in Sachen Weintourismus: die Winzer, Hoteliers, Gastronomen, Gästeführer, Geschäftsführer und Beamten. Und, natürlich, die Weinkönigin und die Landrätin. Beim Weintourismustag für Franken Wein.Schöner.Land! in Repperndorf bei der GWF (Winzergemeinschaft Franken).

Die Landrätin Tamara Bischof führte charmant in die Materie ein. Klar waren da auch viele Floskeln (Gesellschaftlicher Wertewandel... Konkurrenz durch andere Regionen... Klimawandel... Finanzkrise...) und Superlative zum Frankenwein dabei, aber sie ging auch auf die sich schnell ändernden Rahmenbedingungen und das neue Kommunikationsverhalten der Menschen ein (Facebook, Twitter, YouTube). Weinfranken liege an der Spitze Bayerns, was die Tagesausgaben der Touristen angehe. EUR 46,90 geben diese im Schnitt bei uns aus. Und die Übernachtungsstatistik sei mit 3,6% Zuwachs im vergangenen Jahr führend in Bayern. Neben den obligatorischen Zahlen und Fakten ging die Landrätin jedoch auch auf die erforderliche Servicequalität ein. Service bedeute Zeit zu opfern, sich Zeit für den Gast zu nehmen, weil man es gern und freiwillig tut. Sie erzählte, was Gäste unserer Region an dieser schätzen, indem Sie den für sie kurzfristig an diesem Tag eingesprungenen Fahrer, einem aus Nebraska stammenden Amerikaner, der in Kitzingen mit der U.S. Army hängen geblieben war, paraphrasierte: die Franken hätten eine große Lebenslust und Gastfreundschaft. Sie brachte es auf den Punkt: Franken leben die ganzheitliche Kultur des Genießens. Da liegen wir ja dann mit dem Weintourismus genau richtig!

Dr. Hermann Kolesch, neben Georg Bätz einer meiner "Gästeführerväter", der durch die Veranstaltung moderierte, lobte die besondere Gemeinschaft der im fränkischen Weintourismus aktiven Winzer, Gastronomen und Gastgeber. Das sei überhaupt nicht gewöhnlich. Auch Michael Schweinberger, Geschäftsführer der Winzergemeinschaft Franken und Vorsitzender des Arbeitskreises Markt beim Fränkischen Weinbauverband, lobte später gerade das als Alleinstellungsmerkmals Weinfrankens.

Nach den üblichen und erforderlichen Lobeshymnen und Dankesworten ging es dann jedoch an die Materie. Zum ersten Mal wurden beim Weintourismustag auch die sogenannten Social Media, das berüchtigte Web 2.0 vorgestellt: von Daniel Amersdorffer von Tourismuszukunft, den ich vom Tourismuscamp in Eichstätt schon persönlich kenne.

Ich möchte nicht zuviel von Daniels Präsentation verraten, auch wenn er sie mir freundlicherweise per E-Mail zur Verfügung gestellt hat. Schließlich sollen ja noch viele Weinbau- und Tourismusverbände die Beratungsfunktion von Tourismuszukunft (inzwischen ein 15-köpfiges Team um die drei Gründer Jens Oellrich, Florian Bauhuber und Daniel Amersdorffer) in Anspruch nehmen. Ein paar Hauptpunkte aus Daniels Vortrag möchte ich hier jedoch zum Wohl der Winzer, Gastronomen, Hoteliers, Gästeführer und Touristiker wiederholen. Auch wenn ich die Punkte teilweise anders formuliere und meinen Senf dazu gebe: die Grundideen sind von Daniel bzw. Tourismuszukunft:

1) Wichtiger als die Webseite ist heute die Webpräsenz. Kein starres, statisches Auftreten ist mehr gefragt, sondern Kommunikation auf ganzer Linie. Als schönes Beispiel nannte Daniel die Seite Oberstaufen-Plus, die auf Schnickschnack verzichtet und an oberster Stelle den Einstieg zu den Social Media über Fotos, Videos, Facebook, Twitter etc. bietet.

2) Alle Branchen werden durch das Netz transparenter. Warum? Weil jede/r bereits unterwegs online bewerten kann und Fotos dazu hoch laden kann. Das erfordert einen besonderen Fokus auf die Qualität des Angebots, aber auch, dass man sich selber im Netz bewegt und auf Kommentare und Bewertungen eingeht.

3) Der "social graph" verdrängt die Werbung. Das heißt: wir achten zunehmend auf das, was andere, für uns wichtige und relevante Menschen uns empfehlen und immer weniger auf das "Geschrei" der Werbung. Was ist also notwendig? Laut Daniel: Ehrlichkeit, Authentizität und soziales Auftreten. Wir dürfen Social Media nicht im gewohnten marktschreierischen Format verwenden, sondern müssen Dialoge führen.

4) Menschen suchen zunehmend aktiv im Netz nach Inhalten und Angeboten. Das bedeutet eine große Chance im Wettbewerb für diejenigen, die Nischen besetzen und Produkte/Leistungen auch direkt vertreiben.

5) Menschen finden aber auch zufällig relevante Inhalte im Netz. Hier liegen die Chancen vor allem darin, Geschichten zu erzählen, die berühren. So kommt es zur Weiterempfehlung bzw. wird so zuerst eine Beziehung zum Potentiellen Gast aufgebaut.

6) Daniel sprach von der "sprechenden Organisation". Das ist ganz wichtig. Es darf keine "Internetabteilung" im klassischen Sinn geben, sondern wir müssen begreifen, dass wir und unsere Mitarbeiter das Gesicht und der Charakter des Unternehmens sind. Wir werden wahrgenommen durch unsere persönliche Kommunikation. Vorbei ist die Zeit statischer Seiten, die Produkte in den Vordergrund stellen. Menschen wollen mit Menschen zu tun haben. Mit echten Menschen, die sie sehen und verstehen können. Ich rate unseren TouristikerInnen daher schon lange, dass diese sich auch mit persönlichen Fotos, Statements und Geschichten auf den Seiten der Tourist-Information den Gästen präsentieren.

7) Erst heute hörte ich von einem/einer regionalen Bürgermeister/in, der/die nicht möchte, dass seine/ihre Mitarbeiter sich mit Facebook und Co. beschäftigen, weil dies nur eine Modeerscheinung sei. Das ist aber der abschließende Punkt von Daniels Präsentation: "Das Social Web ist kein Hype sondern eine Veränderung". Wer das nicht begreift, vergibt unnötig Chancen und steckt unnötig viel Geld in konventionelle Kanäle. Klar können wir die Augen zu machen und "weiter so!" predigen. Helfen wird uns das wenig.

Mit Statistiken aus den "internet facts 2009-II" vom AGOF e.V. machte Daniel den Anwesenden etwas klar, das sie offensichtlich überrascht hat: Gerade im Bereich Tourismus und Reise suchen und buchen vor allem die Gäste im Alter von 50-59 Jahren über das Internet. Es sind also nicht die jungen Menschen, wie immer behauptet wird. Diese interessieren sich (noch) vorrangig für Musik-CDs, Kinokarten und Schuhe etc. Aber Menschen über 50 nutzen das Internet aktiv für die Reiseplanung. Das ist eine riesige Chance für den Weintourismus, eine Chance die noch brach liegt.

Mein persönliches Fazit? Dass ich Daniel und Team zustimme ist klar, zumindest für diejenigen, die schon länger das Schlossblog lesen. Schaffen wir es in Weinfranken die Politik, die Touristiker und die "Leistungsträger" von den Chancen des Social Web zu überzeugen? Ich glaube ehrlich gesagt nicht wirklich daran. Was nicht heißt, dass wir es nicht trotzdem versuchen sollten. Es gibt jedenfalls schon Erfolgsbeispiele wie Oberstaufen. Um von ihnen zu lernen erfordert es jedoch auch Lernbereitschaft. Wer das alles für eine "Modeerscheinung" hält, wird sich so schnell nicht überzeugen lassen.

Aber im Publikum war die Skepsis wohl noch groß. Internet mit Kommentarfunktion? "Da kann man mich ja diffamieren!" hieß es. Ja, man kann auch im Netz schlecht behandelt werden bzw. andere Leute schlecht behandeln, keine Frage. Daniel stellte aber sehr schön heraus, dass die meisten Kommentare in den Social Media oft eher positiv als negativ sind.

Wir stellen also fest: auch im Netz können die Menschen genauso garstig sein, wie im echten Leben. Nur dass es dann dort gegebenenfalls auch andere Menschen mitbekommen. Was ist also die Lösung? Den Kopf in den Sand stecken und aufgeben? Oder versuchen in erster Linie die Qualität zu verbessern, damit es gar keine Beschwerden erst gibt, und den Dialog mit den Gästen / Weinkunden suchen... Ja, das könnte funktionieren. Das war auch Daniels Empfehlung. Lieber etwas mehr Geld in die Qualität investieren, als in irgendwelche teueren Broschüren (was jedoch dem Marketingchef des Weinbauverbands später nicht so gefiel; schließlich warb er bei den Winzern für seine selbst als "Massenstreuer" titulierten Flyer).

Jedenfalls war die 55. Fränkische Weinkönigin, Melanie Unsleber, schon mal überzeugt und twitterte mir gegenüber noch während des Vortrags: "Hört gerade einen Vortrag über web 2.0 und wird heute Abend wohl einen Facebook-Account für die Fränkische Weinkönigin anlegen". So geschah es auch. Keine Facebookseite, aber immerhin ein öffentliches Profil (über die Vor- und Nachteile von Profilen bzw. Seiten handelt dieser Artikel).


Der zuvor erwähnte Herr Schweinberger von der GWF erläuterte dann noch das Marketingerschließungskonzept des Weinbauverbandes für die Jahre 2011 bis 2013. Er zeigte auch bisherige Beispiele der Plakatwerbung in München in Verbindung mit den oben genannten Massenstreuer-Broschüren. Hauptzielmärkte der Frankenweinwerbung für die kommenden drei Jahre werden München und Hamburg sein. Interessant fand ich die Aussage, dass man speziell im St. Pauli Weinclub und bei der Homosexuellen-Szenenveranstaltung "Drink Pink" in München den Frankenwein bekannt machen wolle (nachzulesen im aktuellen Newsletter des Weinbauverbands). Das hätte es noch vor wenigen Jahren wohl so nicht gegeben. Hut ab.

Wenn das jetzt mit den Social Media auch noch klappen würde...

Treffpunkt Wein

Mittwoch, 10. November 2010

Lust aufs Land

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn



Ich konnte gestern nicht beim Volksmusikabend im Rahmen der "Regionalwoche" (mit Liveübertragung durch den Bayerischen Rundfunk im Radio Bayern 1) im katholischen Pfarrheim dabei sein. Nicht, dass mich das Thema nicht interessiert hätte: ich habe mich 10 Jahre lang als Vorsitzender und Arbeitskreisleiter für Öffentlichkeit des Vereins Fränkisches Wein und Kulturland der Gemeinde Kolitzheim (FWK) für die Entwicklung unserer Gemeinde eingesetzt. Lust auf's Land zu wecken mit innovativen Jugendgottesdiensten mit anschließendem Mittagessen und schönen Musikabenden im Pfarrheim ist ja schön und gut, aber wenn wir es nicht schaffen auch die notwendigen strukturellen Umkrempelungen durch zu führen, wird das nicht genug sein. Oder es wird die "Jugend" nur hier halten, weil sie nicht global wettbewerbsfähig ist.

Dominik Dorsch hat im Interview die Frage aber gut beantwortet: nicht bleiben sei das Wichtige, sondern zurück zu kommen. Wir müssen uns das notwendige Know-how in der Welt aneignen, dann aber im Dorf umsetzen. Schwierig aber, wenn viele dieses erst nicht verlassen haben. Wie werden sie die Heimkehrer empfangen?

Heute wird genau dieses Thema Verlassen/Wiederkehren bei der Gemeindewoche zum Thema "Lust aufs Land" in einem "Landgespräch" behandelt. Es referieren und diskutieren Pfarrer und Pfarrerin Ulrich und Claudia Jobst in Krautheim zusammen mit Roland Kaiser (nein, nicht dem Roland Kaiser, sondern Oberstudienrat R.K.) über Franz Kafkas "Heimkehr" und das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Letzteres dürfte allen schon seit Kindergottesdienstzeiten her bekannt sein. Mutig finde ich den Versuch Kafka hier im Dorf ins Spiel zu bringen.

Während es im Gleichnis des verlorenen Sohnes aus Lukas 15,11-32 natürlich vorrangig um solch christliche Themen geht wie Schuld, Vergebung, Sühne, Barmherzigkeit und sich psychologisch mehr mit der Vergebung des seinen Sohn Empfangenden Vaters befasst, geht es bei Kafkas Heimkehr mehr um die Psyche des Heimkehrers. Während bei Lukas der Heimkehrer als tot geglaubt und wieder auferstanden gefeiert wird, bleibt der Heimkehrer Kafkas ein Fremder in seiner alten Heimat. Er kann dort keine Wurzeln mehr schlagen.

Vielleicht sollen uns Dorfbewohner diese Geschichten lehren denjenigen, die das Dorf verlassen und wiederkehren mit offenen Armen und Vergebung zu empfangen. Vielleicht soll es uns aber auch lehren das Dorf gar nicht erst zu verlassen, damit wir am Ende nicht so da stehen, wie Kafkas Heimkehrer. Heimatlos.

Listen!

"Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet's; lasset uns essen und fröhlich sein!" Lukas 15, 22-23

Cow walk

Montag, 8. November 2010

Es ist eine kleine Welt!

Wie ich als "UN Peacekeeper" zum Birkenstockträger wurde



Meine ersten Birkenstocksandalen kaufte ich in Haiti. Das "ärmste Land der westlichen Hemisphäre" ist nicht zu verwechseln mit Tahiti... 1994/95 war ich etwa ein halbes Jahr dort. Ich war damals als junger amerikanischer Offizier im Rahmen des UN-Blauhelmeinsatzes UNMIH (United Nations Mission in Haiti, die der "Operation Uphold Democracy" folgte) mit meiner Einheit, der 1st Squadron, 2nd Armored Cavalry Regiment, in Port au Prince stationiert. Wir "lebten" dort in einer Zeltstadt am Rande der Stadt (wenn man bei PaP überhaupt von Rändern sprechen kann). Wir sorgten dort für Sicherheit und Stabilität, waren im Prinzip schwer bewaffnete Polizisten. Im Militärjargon hieß das OOTW (Operations Other Than War).

Für die Abende auf der Veranda (einer leichten Anhöhung aus alten Holzpaletten) vor meinem mit meinen Soldaten geteilten Zelt und die Fußmärsche zur Duschbarracke brauchte ich nach einem Tag in Kampfstiefeln bequemere Schuhe. Die Birkenstocks des Typs "Gizeh" waren das Einzige, was es in dieser Richtung in der PX (Post Exchange, dem Einkaufsladen für die Soldaten) auf dem nahen Gelände der LIC (Light Industrial Complex) in PaP gab. Es waren meine ersten Birkenstocks einer noch nicht langen Reihe, da diese Schuhe - selbst in Haiti - immer sehr lange hielten.

Ich dachte schon als Student an einer amerikanischen Universität zu wissen, dass Birkenstocks in den USA das Markenzeichen junger, meist von Zuhause mit Reichtum ausgestatteter Studenten waren, die wir "Müslis" nannten. Ich wusste damals noch nicht, dass ich ausgerechnet als Soldat in Haiti selbst zum überzeugten Birkenstockträger werden würde. Damals wusste ich auch noch nicht, dass ich die Gründerin des amerikanischen Ablegers dieser deutschen Firma schon lange persönlich kenne.

In den 80er Jahren hatte meine Mutter einen liebenswürdigen Psychologen als Gast, der bei ihr Privatunterricht in Deutsch bekam und sich zu diesem Zweck in unserem noch sehr baufälligen Schloss einquartiert hatte. Bei weiteren Besuchen reiste auch seine deutschstämmige Frau Margot mit nach Zeilitzheim. Es entwickelte sich sehr schnell eine enge Freundschaft mit Stephen (den meine Mutter nach der Zeit des Deutschunterrichts beharrlich Stefan nennt) und seiner Frau Margot, die ich beide somit seit meinen frühen Teenagerjahren kenne.

Margot Fraser wuchs während des 2. Weltkriegs in Berlin auf. Nach dem Krieg wanderte sie über den Umweg Kanadas nach USA aus. 1966 entdeckte sie während eines Urlaubs in Deutschland die bequemen Schuhe mit der Korksohle und führte diese in USA ein (nachzulesen ist die Geschichte etwas detaillierter in einem Interview, das Leigh Buchanan für Inc. Magazine im Juni 2009 mit Margot führte).

Margot verkaufte Anteile ihres Unternehmens über die Jahre nach und nach an ihre Mitarbeiter bis Birkenstock USA 2002 komplett in den Händen seiner Mitarbeiter war. Allerdings hat Birkenstock Deutschland, das ohne Margot vielleicht noch ein kleines Schuhgeschäft in einem Dorf wäre, Birkenstock USA 2007 erworben.

2009 hat Margot Fraser zusammen mit einer anderen inspirierenden Frau, Lisa Lorimer, ein Buch geschrieben: Dealing With the Tough Stuff: Practical Wisdom for Running a Values-Driven Business.

Diese persönliche Geschichte, die viele Jahre und abgelegene Orte wir Zeilitzheim und Port au Prince enthält, fällt für mich in die Kategorie "es ist eine kleine Welt". Im Schloss Zeilitzheim kommen die Stränge dieser Geschichte zusammen.

Welche Geschichten interessanter Wiederbegegnungen und Zufälle, die zeigen, wie klein die Welt doch wirklich ist, gibt es in Ihrem Leben?

Freitag, 5. November 2010

Das Schloss im November

Beitrag von Marina von Halem



Noch leuchten die Birkenblätter golden, und die Buche unten am Teich hat ihr üppiges rostrot-gelbes Laub noch nicht ganz abgeworfen. Aber der Ginkgo-Baum ist nackt und kahl: seine kürzlich noch herrlichen gelben "eins-und-doppelten" Blätter hat der Wind abgeschüttelt. Sie liegen als Kreis um seinen Stamm. Die Quitten und die letzten gelben Äpfel wurden geerntet (und des Abends verarbeitet), Stauden umgesetzt, Rosen angehäufelt - noch viel mehr wäre zu tun, aber auch die Herbstarbeiten im Büro fordern meine Zeit.

Gerade ist das kulturelle Programm fürs nächste Jahr fertig geworden und liegt sogar schon gedruckt im Büro. Ich habe es ausgearbeitet, der Förderkreis hat es begutachtet, Alexander hat es gesetzt und druckfertig gemacht und kümmert sich um die Repräsentanz im Internet. Ich freue mich über und auf jedes Programm; das Planen und Feilen mit den jeweiligen Künstlern macht Freude (und Arbeit natürlich auch). Am meisten freue ich mich auf den "Zeilitzheimer Sommer" am ersten Juli-Wochenende, das "Begegnung mit Portugal" betitelt ist. Natürlich gibt es da viel Musik, Literatur, Malerei, aber einer der Stars ist ein Pferd: "Lusitano". Die edle Reitkunst zeigt es uns mit seinem portugiesischen Besitzer, der es am langen Zügel vorführt.

Nicht alles, was ich plane und unseren Besuchern bieten möchte, findet den Widerhall, den ich mir wünsche. Wir werden von der Presse (der Main Post mit Monopol hierzulande) in die lokale Ecke unseres kleinen Nachbarstädtchens Gerolzhofen geschoben. Im Internet findet man uns gut, wenn man einen Ort zum Heiraten oder einfach zum Übernachten sucht, aber man sucht dort nicht unbedingt nach unseren kulturellen Programmen.

Die jüngste Generation wächst heran. Katharina (5 Jahre alt) will beim Weihnachtsmarkt servieren und Kuchen verkaufen und nicht wie einige "Kleine" im Engelsgewand den Weihnachtsmann begleiten. Isa (dreieinhalb) macht sich darüber keine Gedanken. Sie ist fröhlich und wickelt alle um den Finger. In Brno, Tschechische Republik, lebt die Tochter Cornelia mit ihren beiden Töchtern, die ich heute besuchen fahre, um dann weiterzufahren nach Wien zu Sibylle, der Bildhauerin, und weiter zu ihrem Wohnort Klagenfurt.