Freitag, 3. Dezember 2010

Wer ist John Galt?

Von der Last bürgerschaftlichen Engagements



Gestern: Jahreshauptversammlung des Regionalentwicklungsvereins FWK (Fränkisches Wein- Kulturland der Gemeinde Kolitzheim), dem ich in Führungsverantwortung auch einige Jahre meines Lebens schenkte. Dieser Verein steht nun an einem kritischen Punkt seiner Entwicklung. Nachdem die Vorsitzende aus persönlichen Gründen zurück trat, wird der Verein nun kommissarisch von der 2. Vorsitzenden und der Arbeitskreisleiterin für Dorfgestaltung geführt. Die amtierende Vorsitzende fragte nun die Mitglieder wie es weiter gehen soll (Tagesordnungspunkt 10: Zukünftige Ausrichtung des Vereins). Eine schwierige Situation, wenn man bedenkt, dass der jetzige Vorstand bereits jetzt fast geschlossen ankündigte bei den turnusgemäßen Neuwahlen im kommenden Jahr nicht mehr zu kandidieren. Und wenn man bedenkt, dass neben dem Vereinsvorstand nur rund zehn Mitgliedsbetriebe (aus den acht Dörfern der Gemeinde) bei der Versammlung anwesend waren. Darunter zwei ehemalige Vorsitzende, einige ehemalige Vorstandsmitglieder und einige Mitglieder, die sich ohnehin schon immer gut beteiligt haben. Und unser Bürgermeister und der zweite Bürgermeister.

Einen persönlichen Dank möchte ich denjenigen aussprechen, die gestern Abend (und so oft schon davor) anwesend waren, obwohl sie nicht Mitglieder sind, sich jedoch für die Entwicklung der Region einsetzen und uns dabei immer wieder helfen: Georg Bätz von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, der eine neue Fördermöglichkeit für die Überarbeitung des touristischen Entwicklungskonzepts vorstellte und Marco Maiberger, Chef der Tourist-Information der Mainschleife. Beide hätten an diesem eiskalten Donnerstagabend sicherlich viel Besseres zu tun gehabt, als sich in einem "Nebenraum" eines Dorfgasthauses unsere Beschwerden anzuhören, warum wir für dieses oder jenes keine Zeit haben.

Ob und wie der Verein und seine Mitglieder die jetzige Situation wird überwinden können ist interne Sache des Vereins. Für mich stellen sich anhand meiner Beobachtungen der letzten Jahre jedoch ganz allgemeine Fragen in Bezug auf bürgerschaftliches Engagement.

Klar ist für mich, dass Menschen an einer dem Gemeinwohl dienenden Sache langfristig nur dann effektiv mitwirken, wenn sie darin auch einen größeren Sinn sehen. Und: diese Arbeit muss einen konkreten Nutzen haben. Dieser Nutzen muss nicht materiell sein und er wird für jeden Menschen anders sein. Erkennt man diesen Nutzen für sich aber nicht, sieht man auch keinen Anlass zur Mitarbeit. Das gilt für die Spitze einer Bewegung natürlich um ein Vielfaches mehr, als für "stille Mitglieder". Und wer sich für das Gemeinwohl einsetzt, muss ein besonders dickes Fell haben, denn man wird dann immer angegriffen werden, früher oder später.

Bei den vielen Diskussionen rund um die Regionalentwicklung, bei der seitens der Politik immer eine "Beteiligung der Bürger" gefordert wird, musste ich in den letzten Jahren immer wieder an das Mammutwerk "Atlas Shrugged" von Ayn Rand denken (der Deutsche Titel: "Atlas wirft die Welt ab oder Wer ist John Galt?"). Ganz stark vereinfacht geht es in dem Roman, in dem Rand 1957 ihre Philosophie des Objektivismus umschrieb, darum, dass einige Wenige die Last der Welt auf ihren Schultern tragen. Die Erfinder und Produzenten seien der Motor der Welt und tragen diese Last sogar gegen den Willen der Menschen, die von ihrem Erfindergeist und Einsatz profitieren. Rand fragt: was würde passieren, wenn diese Menschen sich von dieser Last befreien würden, sich ihr entledigen?

Wie bringt man diejenigen, die diese "Last" tragen, dies weiterhin zu tun, wenn sie es nicht aus eigener Kraft und Überzeugung tun? Vermutlich gar nicht. Denn wenn sie bereits daran zweifeln ist es wohl schon zu spät. Und wer war nochmal dieser John Galt?

Franken

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