Zeilitzheim. Am Hintern der (modernen) Welt
Seit Mittwochabend war ich nun "zuhause" ohne Internet. Die DSL "light" Verbindung streikte. Macht ja nix. Wir bezahlen die tcom ja noch für einen zweiten Anschluss, der das Schloss und seine Gäste versorgen soll. Dieser brach jedoch dann auch noch zusammen am Samstag, so gegen 10:38 Uhr. Zum Glück habe ich noch ein iPad mit Internet via Mobilfunk von O2. Zumindest da wo es Empfang gibt...
Also: wenn die Dörfer sterben, dann wundert mich das nicht. Noch bewegen sich nur wenige (auf dem Land) im Netz und die wenigsten davon auch in "social media". Diese, aber, werden immer wichtiger. Kommunen, die es nicht schaffen ihren Bürgern (schnellen und vor allem zuverlässigen) Zugriff auf das Internet zu ermöglichen, werden untergehen. Absterben.
Jedenfalls bin ich seit 18:41 Uhr wieder online und hoffe und bange, dass es noch länger hält. Im Schloss ist der Anschluss jedenfalls noch immer tot.
Interessante Frage: welchen Stellenwert wird die tcom und ihre potentiellen Mitbewerber noch haben im Sterben von ländlichen Regionen? Wie ich höre sollen Internetverbindungen in Südkorea ziemlich schnell und zuverlässig sein...
Update Donnerstag, 2.12.2010 mittags:
Es gibt noch immer kein Internet im Schloss. Der tcom Techniker, der sich für gestern zwischen 13 und 16 Uhr angekündigt hatte, war nicht erschienen. Es war aber auch grausliches Wetter mit bescheidenen Straßenbedingungen, da kann ich das verstehen. Habe heute mit einer netten Frau Stade bei der tcom Störungshotline gesprochen. Die wollte sich beim Disponenten erkundigen, was mit meinem Termin passiert ist. Während ich jedoch an der Leitung geduldig wartete, wurde ich aus dieser raus geschmissen. Ob ich auch wieder die nette Frau Stade erwische, wenn ich *wieder* anrufe? Das "System" sagt mir jedenfalls: "Ihre Störung ist uns bekannt. Wir arbeiten an einer Lösung". Wenn die nur wüssten, was ich noch alles an Störungen habe...
Die andere DSL "light" Leitung läuft jedoch momentan noch stabil. Und heute in aller Früh rückte sogar der angekündigte Bautrupp vom "Tiefbau" mitsamt Bagger an, grub das Pflaster um den Schaltkasten vor dem Gasthaus "Zur Sonne" auf und erdete diesen. Ich unterhielt mich mit einem der Arbeiter während ich Schnee schippte und er eine Zigarettenpause einlegte. Er meinte: "Ob es überhaupt an der Erdung liegt ist gar nicht gesagt". Zuversicht ist etwas anderes...
Update Donnerstag, 2.12.2010 um 15:15 Uhr:
Frau Stade hat sogar zurück gerufen auf meinem Mobiltelefon, das ich jedoch erst jetzt abhören konnte, weil es in Zeilitzheim ja so gut wie keinen Mobilfunkempfang gibt. Sie hat mit dem Disponenten gesprochen, der meint es sei ein Hauptkabel beschädigt und ein Techniker sei bereits beauftragt worden. Ich benötige keinen weiteren Termin. Sie melden sich wieder. Aha.
In Südkorea würde jedes Geschäft mit langsamer Handhabung sofort untergehen.
AntwortenLöschenSeoul, allgemein auch als Internet Capital of the World bekannt, hat eine viel höhere Computerrate als Geburtenrate pro Haushalt. Dazu noch drei Sekunden Max bis man auf der gewünschten Seite ist.
Ein finanzielles Beispiel der Telekom:
Versuch (!) einer Einrichtung eines Internetanschlusses in einer Ortschaft auf dem Kleinen Feldberg - mit drei Leuten zu vier Stunden. Danach kein Anschluss, aber eine Rechnung über 700 euro stellen. Ich habe der Dame (Südkoreanerin) geraten nicht zu zahlen bis das geklärt ist.
Ich rufe öfters mal für südkoreanische Kunden bei der Telekom an. Letzte Woche wieder, nachdem eine andere Kundin ohne Anschluss war. Zum Schluss riet ich ihr einen neuen Router zu kaufen - jetzt funktioniert es wieder.
Anstatt hier bis zu vier Wochen auf einen Termin zu warten, ist der Techniker in Südkorea innerhalb einer Stunde vor Ort.
Je langsamer die Telekom ihre Probleme behebt, umso mehr lerne ich!