Mittwoch, 24. November 2010

Natürlich von Hier

Spielen wir verkaufen oder verkaufen wir?



Gestern besuchte ich eine Informationsveranstaltung unseres Regionalmanagements im Landkreis Schweinfurt. Es ging dabei um "Vetriebsstrategien für Direktvermarkter und Gastronomen". Ziel war es wohl auch, eine Schweinfurter Gruppe der Kooperation "Natürlich von Hier" aus den Hassbergen unter deren ansprechenden Dachmarke zu gründen. Die Gruppe kenne ich schon länger (und halte sie auch für eine gute Sache). Weil ich mich damit über die Jahre schon mehrfach beschäftigt hatte, war dieser Teil der Veranstaltung nicht wirklich neu war für mich. Hingegangen bin ich vor allem wegen des Vortrags von Jürgen Krenzer, dem Wirt des Rhönschafhotels in Seiferts, den ich vor einigen Jahren schon einmal in Kitzingen gehört hatte und dessen Aktivitäten ich im Social Web verfolge.

Vieles von dem, was Jürgen Krenzer sagt, ist mir daher auch nicht wirklich neu. Aber es macht doch einen großen Unterschied diesen manchmal bewusst auch polarisierenden Menschen, der selbst geschickt mit seiner Internetseite www.scheissreferent.de für seine Redeengagements wirbt, live zu hören. Für viele der gestern anwesenden Gastronomen und landwirtschaftlichen Direktvermarkter mag jedoch auch einiges neu gewesen sein. Wenn Jürgen mit seiner Botschaft "Spielen wir verkaufen oder verkaufen wir?" ankommt, dann ist schon viel erreicht. Ausserdem muss nicht immer alles "neu" sein. Manchmal genügt es bei einem solchen Vortrag auch, mal wieder motiviert zu werden, bestärkt zu werden in den eigenen Vorhaben und Zielen.

Bettina Wendt, die die Veranstaltung moderierte, hatte Jürgen Krenzer mit einem Zitat von ihm angekündigt: "Wenn dich alle für deine Idee auslachen, dann bist du auf dem richtigen Weg". Das charakterisiert Jürgens Vorgehensweise und Erfolgsrezept sehr gut. Er, der sich mit seinem Rhönschaf und dem Rhöner Apfelsherry ein unverwechselbares Image gegeben hat, ist selbst seine Marke. Ohne ihn wären auch Rhönschaf und Apfelsherry kein Erfolgsrezept. Somit ist die wohl wichtigste Botschaft des Rhöner Unikats, grob paraphrasiert: sei du selbst und lebe deinem Traum. Spezialisiere dich! Begeistere andere Menschen damit und sie werden auch kaufen, weil sie es dir im besten Sinne des Wortes auch "abkaufen".

Die praktischeren Tipps für die Gastronomen und Direktvermarkter hört man immer wieder. Dennoch finden sie nur selten Anwendung. So ist für Jürgen Krenzer, der erst im August sein mit mystischer Geheimhaltung umwobenes R.A.S.T. (Rhöner Apfelsherry Theater) eröffnet hat, die Inszenierung seines Produkts, seiner Marke besonders wichtig. Wenn wir unsere Produkte zum Beispiel aus alten, schlecht beleuchteten Garagen verkaufen, dann spielen wir nur verkaufen. Leuchtet eigentlich ein. Dennoch gelingt uns Gastronomen und Direktvermarktern das nur selten. Ein Erfolgsbeispiel ist für mich jedoch das Zeilitzheimer Weingut Mößlein. Bei der gestrigen Heimfahrt von Schweinfurt kam ich an der ansprechend beleuchteten Vinothek des Weinguts in der Zeilitzheimer Unteren Dorfstraße vorbei und dachte mir: diese Familie hat das mit der Inszenierung schon verstanden.

Das Thema Social Web hat Jürgen wohl wegen der fehlenden Zeit, wohl aber auch wegen des eigentlichen Themas und des Publikums nur ganz kurz gestreift. Ich glaube auch, dass im Regionalmanagement noch viel mehr Grundsatzarbeit geleistet werden müsste, bevor an der Basis das Thema Social Web ankommen wird.

Etwas zu kurz kam mir bei dieser Veranstaltung die Diskussion. Der zeitliche Rahmen war dafür aber auch sehr knapp. Dennoch hat sich im Rahmen der gestrigen Veranstaltung ein kleiner Lenkungskreis gebildet, der die Ausweitung der Kooperation "Natürlich von Hier" auf den Landkreis Schweinfurt in Angriff nehmen wird. Schaden kann das nicht.


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