Das Gleichnis vom verlorenen Sohn
Ich konnte gestern nicht beim Volksmusikabend im Rahmen der "Regionalwoche" (mit Liveübertragung durch den Bayerischen Rundfunk im Radio Bayern 1) im katholischen Pfarrheim dabei sein. Nicht, dass mich das Thema nicht interessiert hätte: ich habe mich 10 Jahre lang als Vorsitzender und Arbeitskreisleiter für Öffentlichkeit des Vereins Fränkisches Wein und Kulturland der Gemeinde Kolitzheim (FWK) für die Entwicklung unserer Gemeinde eingesetzt. Lust auf's Land zu wecken mit innovativen Jugendgottesdiensten mit anschließendem Mittagessen und schönen Musikabenden im Pfarrheim ist ja schön und gut, aber wenn wir es nicht schaffen auch die notwendigen strukturellen Umkrempelungen durch zu führen, wird das nicht genug sein. Oder es wird die "Jugend" nur hier halten, weil sie nicht global wettbewerbsfähig ist.
Dominik Dorsch hat im Interview die Frage aber gut beantwortet: nicht bleiben sei das Wichtige, sondern zurück zu kommen. Wir müssen uns das notwendige Know-how in der Welt aneignen, dann aber im Dorf umsetzen. Schwierig aber, wenn viele dieses erst nicht verlassen haben. Wie werden sie die Heimkehrer empfangen?
Heute wird genau dieses Thema Verlassen/Wiederkehren bei der Gemeindewoche zum Thema "Lust aufs Land" in einem "Landgespräch" behandelt. Es referieren und diskutieren Pfarrer und Pfarrerin Ulrich und Claudia Jobst in Krautheim zusammen mit Roland Kaiser (nein, nicht dem Roland Kaiser, sondern Oberstudienrat R.K.) über Franz Kafkas "Heimkehr" und das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Letzteres dürfte allen schon seit Kindergottesdienstzeiten her bekannt sein. Mutig finde ich den Versuch Kafka hier im Dorf ins Spiel zu bringen.
Während es im Gleichnis des verlorenen Sohnes aus Lukas 15,11-32 natürlich vorrangig um solch christliche Themen geht wie Schuld, Vergebung, Sühne, Barmherzigkeit und sich psychologisch mehr mit der Vergebung des seinen Sohn Empfangenden Vaters befasst, geht es bei Kafkas Heimkehr mehr um die Psyche des Heimkehrers. Während bei Lukas der Heimkehrer als tot geglaubt und wieder auferstanden gefeiert wird, bleibt der Heimkehrer Kafkas ein Fremder in seiner alten Heimat. Er kann dort keine Wurzeln mehr schlagen.
Vielleicht sollen uns Dorfbewohner diese Geschichten lehren denjenigen, die das Dorf verlassen und wiederkehren mit offenen Armen und Vergebung zu empfangen. Vielleicht soll es uns aber auch lehren das Dorf gar nicht erst zu verlassen, damit wir am Ende nicht so da stehen, wie Kafkas Heimkehrer. Heimatlos.
"Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringet das beste Kleid hervor und tut es ihm an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße, und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet's; lasset uns essen und fröhlich sein!" Lukas 15, 22-23
Sehr schön hast Du es geschrieben!
AntwortenLöschenDas war ein sehr schöner Vergleich und hat auch gleich wieder Lust auf mehr Kafka lesen gemacht (wurde gerade mit "Die Verwandlung fertig).
AntwortenLöschenIch war ein schlechter Heimkehrer. Ich war mir selbst fremd, weil mir nicht bewusst war, dass ich mich nach 10 Jahren Leben im Ausland verändert hatte.
Am Anfang dachte bzw. träumte ich noch davon bei Rentenbeginn eventuell wieder nach Franken zu ziehen... mittlerweilen habe ich meine Wurzeln hier und die Kinder werden ihre Flügel, weiß der Herr wo, ausbreiten.
Aber man soll nie nie sagen, stimmt's? Das Leben geht interessante Wege.
Wer weiß, vielleicht würde es uns sogar in Euren Raum ziehen. Aber nur wenn die Internet-Verbindung schneller wird:-)