Montag, 8. November 2010

Es ist eine kleine Welt!

Wie ich als "UN Peacekeeper" zum Birkenstockträger wurde



Meine ersten Birkenstocksandalen kaufte ich in Haiti. Das "ärmste Land der westlichen Hemisphäre" ist nicht zu verwechseln mit Tahiti... 1994/95 war ich etwa ein halbes Jahr dort. Ich war damals als junger amerikanischer Offizier im Rahmen des UN-Blauhelmeinsatzes UNMIH (United Nations Mission in Haiti, die der "Operation Uphold Democracy" folgte) mit meiner Einheit, der 1st Squadron, 2nd Armored Cavalry Regiment, in Port au Prince stationiert. Wir "lebten" dort in einer Zeltstadt am Rande der Stadt (wenn man bei PaP überhaupt von Rändern sprechen kann). Wir sorgten dort für Sicherheit und Stabilität, waren im Prinzip schwer bewaffnete Polizisten. Im Militärjargon hieß das OOTW (Operations Other Than War).

Für die Abende auf der Veranda (einer leichten Anhöhung aus alten Holzpaletten) vor meinem mit meinen Soldaten geteilten Zelt und die Fußmärsche zur Duschbarracke brauchte ich nach einem Tag in Kampfstiefeln bequemere Schuhe. Die Birkenstocks des Typs "Gizeh" waren das Einzige, was es in dieser Richtung in der PX (Post Exchange, dem Einkaufsladen für die Soldaten) auf dem nahen Gelände der LIC (Light Industrial Complex) in PaP gab. Es waren meine ersten Birkenstocks einer noch nicht langen Reihe, da diese Schuhe - selbst in Haiti - immer sehr lange hielten.

Ich dachte schon als Student an einer amerikanischen Universität zu wissen, dass Birkenstocks in den USA das Markenzeichen junger, meist von Zuhause mit Reichtum ausgestatteter Studenten waren, die wir "Müslis" nannten. Ich wusste damals noch nicht, dass ich ausgerechnet als Soldat in Haiti selbst zum überzeugten Birkenstockträger werden würde. Damals wusste ich auch noch nicht, dass ich die Gründerin des amerikanischen Ablegers dieser deutschen Firma schon lange persönlich kenne.

In den 80er Jahren hatte meine Mutter einen liebenswürdigen Psychologen als Gast, der bei ihr Privatunterricht in Deutsch bekam und sich zu diesem Zweck in unserem noch sehr baufälligen Schloss einquartiert hatte. Bei weiteren Besuchen reiste auch seine deutschstämmige Frau Margot mit nach Zeilitzheim. Es entwickelte sich sehr schnell eine enge Freundschaft mit Stephen (den meine Mutter nach der Zeit des Deutschunterrichts beharrlich Stefan nennt) und seiner Frau Margot, die ich beide somit seit meinen frühen Teenagerjahren kenne.

Margot Fraser wuchs während des 2. Weltkriegs in Berlin auf. Nach dem Krieg wanderte sie über den Umweg Kanadas nach USA aus. 1966 entdeckte sie während eines Urlaubs in Deutschland die bequemen Schuhe mit der Korksohle und führte diese in USA ein (nachzulesen ist die Geschichte etwas detaillierter in einem Interview, das Leigh Buchanan für Inc. Magazine im Juni 2009 mit Margot führte).

Margot verkaufte Anteile ihres Unternehmens über die Jahre nach und nach an ihre Mitarbeiter bis Birkenstock USA 2002 komplett in den Händen seiner Mitarbeiter war. Allerdings hat Birkenstock Deutschland, das ohne Margot vielleicht noch ein kleines Schuhgeschäft in einem Dorf wäre, Birkenstock USA 2007 erworben.

2009 hat Margot Fraser zusammen mit einer anderen inspirierenden Frau, Lisa Lorimer, ein Buch geschrieben: Dealing With the Tough Stuff: Practical Wisdom for Running a Values-Driven Business.

Diese persönliche Geschichte, die viele Jahre und abgelegene Orte wir Zeilitzheim und Port au Prince enthält, fällt für mich in die Kategorie "es ist eine kleine Welt". Im Schloss Zeilitzheim kommen die Stränge dieser Geschichte zusammen.

Welche Geschichten interessanter Wiederbegegnungen und Zufälle, die zeigen, wie klein die Welt doch wirklich ist, gibt es in Ihrem Leben?

3 Kommentare:

  1. Sehr schöne und spannende Geschichte! Diese Margot Fraser scheint eine interessante Frau zu sein. Das Birkenstock-Mutterhaus ist nur ein paar km von hier entfernt und ich kaufe dort gerne im Fabrikverkauf meine Müslitreter. Zu Schulzeiten habe ich die "Jesuslatschenträger" auch noch belächelt aber im Alter wird man dann ja doch ein bisschen weiser :-)

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  2. Eine wirklich schöne Geschichte, die das Leben schrieb.

    Schon interessant wie man durch gewisse neue Situationen auf neue Produkte, Ideen, usw. kommt.

    Das Birkenstockgeschäft in Frankfurt mussten wir letztes Jahr aufsuchen, da eine amerikanische Nichte auf Besuch unbedingt Birkenstocks haben wollte. Ich hatte selbst noch nie welche.

    Was mir einfällt zu "Die Welt ist klein":

    * ich bin mal meiner eigenen Schwester zufällig in Österreich begegnet. Keiner von uns beiden wusste von der geplanten Österreich- Kurzreise. Eine Freundin von mir sagte in der Kneipe: "Du, da drüben sitzt Deine Schwester!" und ich: "Schmarrn."

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  3. Zu meiner Militärzeit als Fallschirmjägerzugführer hatte ich, Mitte der 70er Jahre, einen "Landser" also einen jungen Wehrpflichtigen, in meinem Zug, der ursprünglich aus Berlin kam und somit eigentlich in der "übrigen Bundesrepublik" nicht zum Wehrdienst herangezogen werden durfte. Da er aber zu seiner Freundin nach Lörrach gezogen war und sich dort polizeilich anmeldete, war er plötzlich "schwups", doch beim "Bund", und landete nach der Grundausbildung in meinem Zug im saarl. Saarlouis. Hier war er dann öfters "unerlaubt abwesend", weil er aus Liebeskummer immer wieder zu seiner Freundin nach Lörrach abhaute und dabei das rechtzeitige Zurückkommen "vergass". ;-)
    Dies passierte mehrere Male und so musste er dann nicht nur öfters in den militärischen Arrest hinter Gitter, er musste auch jeden einzelnen Tag unerlaubter Abwesenheit einzeln nachdienen. Also wurden aus seinen 15 Monaten Wehrdienst insgesamt alles in allem mehr als 22. Und ich hatte als sein Zugführer immer ausserordentlich viel "Arbeit" und "Formularkram" mit ihm. Aber eines Tages kam dann doch sein letzter Tag und Icke (so nannten wir ihn mittlerweile nach dem Spruch "Janz Balin war eene Wolke nur Icke war zu sehn"), wurde aus dem Grundwehrdienst entlassen und er verliess die Kompanie. Ich hörte danach nie mehr etwas von ihm, bis .........
    Mehr als 4 Jahre später, im August 1980, reiste ich mit einer Busgruppe von Merzig/ Saar für eine Woche nach Berlin. Die Fahrt dauerte etwa 14 Stunden und unsere Gruppe beschloss, am Abend nach der Ankunft in unserem Hotel, trotzdem noch einen Nachtbummel auf eigene Faust auf dem Kurfürstendamm zu unternehmen. Es war mein erster Berlinbesuch überhaupt, denn es stand ja damals auch noch die "Mauer" und Berlin war, von uns aus, nicht eben um die Ecke. Gegen Mitternacht bekamen wir dann Hunger und wir beschlossen, die Burger des Anbieters mit dem großen gelben M zu versuchen. Ich wollte gerade die große Eingangs-Drehtür des entsprechenden Restaurants aufdrücken, als mir schon von Innen jemand entgegenkam. Wir sahen uns in die Augen und erkannten uns sofort wieder. Icke stand nämlich plötzlich vor mir, etwas älter, etwas mehr an Gewicht und etwas mehr Haare. Nach dem ersten Schreck haben wir dann sehr gelacht und auch gemeinsam drinnen, an einem Tisch, "alte Bundeswehr-Zeiten" bemüht. Er war auf Besuch bei seiner Schwester in Berlin, gab mir noch deren Nummer, wollte mir in den nächsten Tagen dann Berlin zeigen, doch ich verschlampte irgendwie den Zettel, auf dem ich mir diese Telefonnummer notierte. Und so hab ich Icke dann nie mehr gesehen ....... ! ;-)) Ja, die Welt ist ja so klein .... ! ;.))

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