Freitag, 5. November 2010

Das Schloss im November

Beitrag von Marina von Halem



Noch leuchten die Birkenblätter golden, und die Buche unten am Teich hat ihr üppiges rostrot-gelbes Laub noch nicht ganz abgeworfen. Aber der Ginkgo-Baum ist nackt und kahl: seine kürzlich noch herrlichen gelben "eins-und-doppelten" Blätter hat der Wind abgeschüttelt. Sie liegen als Kreis um seinen Stamm. Die Quitten und die letzten gelben Äpfel wurden geerntet (und des Abends verarbeitet), Stauden umgesetzt, Rosen angehäufelt - noch viel mehr wäre zu tun, aber auch die Herbstarbeiten im Büro fordern meine Zeit.

Gerade ist das kulturelle Programm fürs nächste Jahr fertig geworden und liegt sogar schon gedruckt im Büro. Ich habe es ausgearbeitet, der Förderkreis hat es begutachtet, Alexander hat es gesetzt und druckfertig gemacht und kümmert sich um die Repräsentanz im Internet. Ich freue mich über und auf jedes Programm; das Planen und Feilen mit den jeweiligen Künstlern macht Freude (und Arbeit natürlich auch). Am meisten freue ich mich auf den "Zeilitzheimer Sommer" am ersten Juli-Wochenende, das "Begegnung mit Portugal" betitelt ist. Natürlich gibt es da viel Musik, Literatur, Malerei, aber einer der Stars ist ein Pferd: "Lusitano". Die edle Reitkunst zeigt es uns mit seinem portugiesischen Besitzer, der es am langen Zügel vorführt.

Nicht alles, was ich plane und unseren Besuchern bieten möchte, findet den Widerhall, den ich mir wünsche. Wir werden von der Presse (der Main Post mit Monopol hierzulande) in die lokale Ecke unseres kleinen Nachbarstädtchens Gerolzhofen geschoben. Im Internet findet man uns gut, wenn man einen Ort zum Heiraten oder einfach zum Übernachten sucht, aber man sucht dort nicht unbedingt nach unseren kulturellen Programmen.

Die jüngste Generation wächst heran. Katharina (5 Jahre alt) will beim Weihnachtsmarkt servieren und Kuchen verkaufen und nicht wie einige "Kleine" im Engelsgewand den Weihnachtsmann begleiten. Isa (dreieinhalb) macht sich darüber keine Gedanken. Sie ist fröhlich und wickelt alle um den Finger. In Brno, Tschechische Republik, lebt die Tochter Cornelia mit ihren beiden Töchtern, die ich heute besuchen fahre, um dann weiterzufahren nach Wien zu Sibylle, der Bildhauerin, und weiter zu ihrem Wohnort Klagenfurt.