Mittwoch, 20. Oktober 2010

"Sag es bloß niemandem, dass ich dir Geld gegeben habe!"

Argumente für das Kultursponsoring auf dem Lande



Ich nahm heute Morgen mal wieder per Videokonferenz am "Treffpunkt Kulturmanagement" teil - zumindest bis meine dörfliche "Internetverbindung" mal wieder zusammen brach. Thema des heutigen Online-Treffens war das Kultursponsoring.

Ich habe mich in den vergangenen Jahren mit dem Thema Kultursponsoring sehr schwer getan hier bei uns in der Region, auf dem Lande. Man kommt sich als Kulturveranstalter, der ein Unternehmen bezüglich Sponsoring anspricht, doch immer sehr als Bittsteller vor. Viele Unternehmen haben den Wert eines Kultursponsoring nicht begriffen und setzen dieses, sofern sie sich dazu bereit erklären, mit dem Geben von Almosen gleich. Dass ein stetes und gut kommuniziertes Kultursponsoring nicht nur für den bezuschussten Kulturveranstalter nachhaltig vorteilhaft ist, wird - gerade in der "Provinz" - noch zu wenig verstanden. Woran liegt es bzw. welche Argumente fehlen den Unternehmen noch, um sich für regionales Kultursponsoring zu entscheiden?

Hier eine lose Sammlung von Argumenten für nachhaltiges Engagement regionaler Wirtschaftsunternehmen im Kulturbereich (die Liste bitte gerne ergänzen!).

Zuerst aber die Frage: was hat der Kulturveranstalter vom Sponsoring? Doofe Frage, denkt sich jetzt mancheine/r: Geld, natürlich! Aber, nein, es geht eben nicht nur um Geld, sondern um Partnerschaften, auch im Sinne eines Bildungsauftrages. Kulturveranstalter machen ja nicht nur schöne Veranstaltungen, die Bürger besuchen können und so ihre Lebensqualität im Sinne von "Spaß" verbessern können. Kultur fördert auch die Bildung und Entwicklung der Menschen einer Region, hebt die Lebensqualität in höherem Maße, als nur Ablenkung und Unterhaltung für wenige Stunden zu liefern. Durch Partnerschaften mit Unternehmen im Sinne eines Kultursponsoring wird dieser durchaus auch infrastrukturbildende Auftrag gesichert.

Aber nun doch wieder zurück zu den Unternehmen. Was haben diese davon einen Kulturveranstalter finanziell zu fördern?

Die wirtschaftlichen Aspekte liegen natürlich auf der Hand bzw. werden vom potentiellen Sponsor oft zuerst abgefragt: Werbung. Wieviele Menschen erreiche ich als Sponsor mit einer Anzeige in einem Kulturprogramm oder auf einem Plakat? Beim Treffpunkt Kulturmanagement nannte der Wiener Kulturmanagement Christian Henner-Fehr diese Art der Werbung sehr treffend "Logofriedhof". Dieser Beschreibung stimme ich zu, wenn es dabei bleibt. Der Sponsor zeigt mit solchen Anzeigen aber generell auch Präsenz in der Region. Er stellt sich schon mal in die Nähe der kulturellen Einrichtung. Wobei viele das gar nicht wollen und lieber mal still und heimlich einen "Fuffi" abzwicken, als Schweigegeld, sozusagen (welcher Kulturveranstalter hat das nicht schon gehört: "okay, wenn es sein muss, ich gebe ihnen etwas, aber sagen sie es bloß niemandem, sonst hauen die mich alle auch noch an").

Vor allem ist Kultursponsoring in der Regel viel günstiger als Anzeigenwerbung. Erscheint das Unternehmenslogo in einem kulturell bedeutenden Kontext, wird dieses gedanklich in diesem als hochwertig abgesehenen Kontext "gespeichert". Noch viel erfolgreicher ist dies, wenn das Unternehmen sich nicht nur werblich zeigt, sondern durch eigene Inhalte die Ziele des Kulturveranstalters unterstützt. Dies kann zum Beispiel durch Grußworte, Blogbeiträge im Firmenblog oder Rundschreiben an eigene Kunden geschehen. Wenn sich das Unternehmen mit dem Thema auseinander setzt und dies auch kommuniziert, hat es selbst auch mehr von einem Kultursponsoring.

Mit Kultursponsoring werden Menschen erreicht, die sonst nur schwer erreichbar sind, weil sie sich gegen die Werbeflut aus herkömmlichen Medien verschließen. Kultursponsoring ermöglicht einem Unternehmen sein Image als stark mit der Region und den Menschen der Region verbundenes Unternehmen zu stärken.

Aber auch innerhalb eines Unternehmens zeigt Kultursponsoring Mitarbeitern und Lieferanten, wie sich das Unternehmen einsetzt. Eine schöne Form von Incentives für das Sponsoring finde ich es daher, wenn Kulturveranstalter einem Sponsor ermäßigte Kartenkontingente ermöglicht. Dieses kann dann seinen Mitarbeitern und Partnern Karten als Präsent überreichen. So werden vielleicht auch neue Besucher an kulturelle Themen heran geführt, die sich aus eigener "Kraft" heraus vielleicht nicht für eine Veranstaltung interessiert hätten, diese Art der Unterhaltung (und Wissensvermittlung) jedoch schätzen lernen.

Ich kratze mit diesem Artikel nur an der Oberfläche eines wichtigen Themas. Weitere Beschäftigung damit ist notwendig. Ich mache mir mit diesem Wiedereinstieg ins Thema jedoch selbst Mut es vielleicht doch mal wieder zu versuchen. Vielleicht kann ich doch mal wieder regionale Unternehmen ansprechen, ob sie im beiderseitigen Interesse als Sponsor unserer kulturellen Veranstaltungen auftreten. Nach zahlreichen Anläufen Sponsoren für den "Zeilitzheimer Sommer" zu finden, hatte ich dies nämlich vor zwei Jahren aufgegeben.

Welche Argumente fehlen mir noch, wenn ich regionale Unternehmen ansprechen möchte, sich (auch im eigenen Interesse) für Kultur in der Region einzusetzen? Für Anregungen und Ideen bin ich dankbar.

Foto: beim Kylie Minogue Konzert in Ischgl 2009 auf der VIP- und Pressetribüne

Press Party

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