Sonntag, 10. Oktober 2010

Drehbuch und Storyboard für Präsentationen

Alexandra Graßlers Session beim Knowledge Camp



Ich war am 8./9.10.2010 beim Knowledge Camp der Gesellschaft für Wissensmanagement an der Universität Passau und habe dort eine Session über "digitales story-telling" gehalten (dazu später sicherlich mehr). Ich habe aber auch viele sehr interessante Beiträge anderer dort gehört und mitdiskutieren dürfen. Es folgt hier meine persönliche Zusammenfassung von Alexandra Graßlers Session zu "Drehbuch & Storyboard" im Einsatz zur Erstellung von Präsentationen.

Wie können wir Inhalte in einer Präsentation besser rüber bringen? Im Wesentlichen hilft es Geschichten zu erzählen (das Thema "digital story-telling" hatten wir bei der ersten Session am Freitag bereits besprochen).

Geschichten helfen, dass auch richtig zuhört wird. Wir wollen Botschaften vermitteln, die auch verstanden werden. Alexandra verweist hier auf Aristoteles Poetik und schildert wie man mittels eines "Logischen Baumes" Inhalte erfolgreich vermittelt.

Mit dem Logischen Baum werden Argumente immer möglichst im Dreierrhytmus präsentiert, Der Vorteil hängt mit unserem innerem Rhytmus der Informationsverarbeitung zusammen. Geben wir dem Zuhörer nur zwei Möglichkeiten erzeugen wir in ihm ein Dilemma.

Wie wenden wir das auf das Erstellen von Präsentationen an? Was wollen wir? Präsentations-KOMA oder Präsentations-KRAFT? Alexandra schilderte diese Grundfrage mit einigen anschaulichen Bildern.

Wir müssen die Inhalte auf das Wesentliche Komprimieren. Im Wort "wesentlich" steckt das Wesen des Konzepts bzw. Inhaltes drin. Mit kurzen Sätzen und assoziativen Bildern erzeugen wir Emotionen. Emotion = Bewegung. Man bewegt sich bzw. den Zuhörer zum Ziel. Grundsätze des Präsentierens sind u.a.:

What's the point? Auf das Wesentliche fokussieren. Wiederholung im enstcheidenden Moment einsetzen. Die Zielgruppe beachten. Nicht nur aufschreiben... denn Geschriebenes kann gelesen werden. Keine Aufzählungen. Assoziativ statt linear. Visuelle Marker setzen.

Alexandra stellte eine Methodik vor, wie man erfolgreiche Präsentationen vorbereiten kann: das Drehbuch mit 3 Akten. Sie erklärte wie, ähnliche wie beim Film, durch das Befolgen dieser Technik der Zuhörer / Zuschauer erfolgreich in den Bann gezogen werden kann. Was ist zu tun?

1. Akt

Im ersten Akt unserer Präsentation müssen wir für unseren Zuhörer fünf Fragen / Elemente beantworten:

1. Um was geht es? Im Film gibt es den sogenannten "establishing shot" in der erster Szene. Dieser setzt den Ton und das Thema des gesamten Films. Hier wird Zustimmung beim Zuhörer abgeholt. Wir definieren wo wir uns befinden und formulieren dies in einem Satz.

2. Um wen geht es? Die Bilder und Texte sollten immer die Person oder Personengruppe im Ziel haben.

3. Ungleichgewicht / Katastrophe. Wir stellen unsere Zuhörer vor ein Ungleichgewicht, das aufrüttelt, Aufmerksamkeit und Dringlichkeit erzeugt.

4. Zielbild / Gleichgewicht. Wir zeigen die mögliche Lösung, die erstrebt wird, auf. "Das Ende der Reise".

5. Lösung. Hier zeigen wir den Zuhörern den Weg zum Ziel auf. Hier sollten wir mit einem Verb beginnen und so eine klare Handlungsaufforderung geben.

2. Akt

Im Sinne des Logischen Baums sollten wir unsere Argumente immer in Dreiergruppen aufbauen. Wir beginnen also mit drei Hauptargumenten. Diese Methodik zwingt uns unser Thema gut durchzudenken. Wir zeigen inhaltlich auf, welche Sachargumente es gibt. Wie/warum wird das Problem bzw. die Fragestellung gelöst?

Auch zeigen wir im "2. Akt" einen Wendepunkt ins Spiel. Der Zuhörer merkt, dass es hier eine entscheidende Wendung geben wird, an der er im besten Fall beteiligt ist. An dieser Stelle kann grafisch of ein Fragezeichen als Symbol eingesetzt werden.

3. Akt

Im 3. Akt kommen drei Elemente ins Spiel:

1. Krise. Hier könnte zum Beispiel der "worst case" mit emotional berührenden Bildern aufgezeigt werden.

2. Wiederholung der Lösung. Die Folie / das Bild / das Beispiel mit der die Lösung am Ende des 1. Aktes aufgezeigt wurde, kann hier wiederholt werden.

3. Schließen der Emotion. Nachdem die Lösung noch mal präsentiert werden, müssen wir dem Zuhörer Gelegenheit geben langsam zum Abspann zu kommen. Das kann durch einen Aufforderungssatz geschehen und endet im besten Fall mit einem einprägsamen bzw. zutreffenden Slogan.


Alexandra rät dazu Präsentationen keinesfalls gleich in Powerpoint/Keynote etc. zu beginnen, sondern das Drehbuch abseits von der jeweils einzusetzenden Technik nieder zu schreiben. Sie macht dies mittels eines Texteditors aus dem sie die einzelnen Elemente anschließend in die Präsentation importiert und anschließend bebildert. Ich werde die Methode Drehbuch und Storyboard auf jeden Fall in einer meiner nächsten Präsentationen ausprobieren. Sie auch? Oder haben Sie andere bzw. ergänzende Ideen?