Wie das Netz die (regionale) Politik verändert
Heute morgen, noch recht früh, saß ich mit meinem iPad auf dem Klo (ja, so etwas soll es geben) und las meinen twitter stream und die Nachrichten meiner "Freunde" bei Facebook. Während dieser wenigen Minuten hatte ich auch einen kurzen Austausch mit unserem ehemaligen Bayerischen Staatsminister und noch amtierenden Landtagsabgeordneten Eberhard Sinner über die geplanten Anstrengungen der Staatsregierung, auch auf dem Land Breitbandinternetverbindungen 2011 "flächendeckend" zu ermöglichen. Ein historischer Moment. Also nicht, weil ich etwa auf dem Klo saß (das tut schließlich jeder mal). Aber ich finde es doch beachtlich, wie sehr sich innerhalb kürzester Zeit unsere Kommunikation verändert hat. Sie ist direkter geworden.
Eberhard Sinner hatte per Facebook folgende Meldung verbreitet: "#Seehofer: 2011 Bayern voll mit #Breitband erschlossen. #LTE wird das beschleunigen. #Bund muss aus DD bisherige Nutzer fördern." Ich kommentierte kurz: "Ich bin da vorsichtig optimistisch. Aber sehr hoffnungsvoll. Vor allem auf dem Land sind wir doch noch abgehängt." Worauf er antwortete: "Mit LTE geht das schneller als bisher". (wer das mit den vielen "#" nicht versteht, der sollte mal nach dem Begriff "hashtag" googlen).
Das ist alles nicht sonderlich spektakulär, im Inhalt (außer wenn die Staatsregierung es wirklich schaffen würde, uns flächendeckend schnellere Netzzugänge zu ermöglichen). Interessant finde ich, wie erreichbar unsere Politiker werden, wenn sie sich diesem Dialog im Netz stellen. Ich habe auch noch nicht erlebt, dass ein Politiker besonders unfair behandelt wird bei Facebook und Co. Schließlich spricht er/sie dort mit den "Freunden". Die aber auch kritisch sein können. Und das ist auch gut so. Denn nur bei konstruktiver, offener Auseinandersetzung mit Themen und Menschen kann man auch einen Mehrwert erreichen.
Dass man auf diese Weise auch Antworten bekommt, die einem nicht so lieb sein dürften, hat neulich erst unsere Europaabgeordnete Dr. Anja Weisgerber erfahren, die sich für eine Frauenquote in der CSU (nein, Entschuldigung, man sprach - sich der Brisanz des Wortes bewusst - von einem Frauenquorum) einsetzte. Gegenwind bekam sie bei Facebook gerade von der eigenen "Jungen Union" - zurecht, wie ich finde. Schließlich will keine(r) den/die Quotenheini / Quotenheiniin spielen.
Aber das macht es doch alles auch so viel menschlicher: nicht mehr nur hinter verschlossenen Parteitagstüren wird Politik gemacht, sondern das Volk hat die Möglichkeit ihre Volksvertreter wissen zu lassen, was es will. Sofern es das tut. Und sofern dies die Volksvertreter auch interessiert.
Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, was mir mir das Lesen der morgendlichen Meldungen morgen so bringen wird. Und Ehrenwort: es kommt nicht so oft vor, dass dies auf dem Klo geschehen muss. Obwohl auch das schließlich letztendlich doch auch nur menschlich ist. Oder?
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