Ein Vorschlag zur Aktivierung von stillen Mitgliedern in Netzwerken
Ich bin Mitglied verschiedener Netzwerke, Zusammenschlüsse und Kooperationen. Bei den meisten gibt es keinen Mitgliedsbeitrag. Jeder macht so viel oder so wenig mit, wie er oder sie möchte. Mit entsprechendem Erfolg. Es gibt jedoch auch Kooperationen, die zur Finanzierung ihrer gemeinsamen Aufgabe (zum Beispiel Vermarktung einer gemeinsamen Idee oder einer Branche) einen festen Jahresbeitrag erheben. Die administrative Arbeit wird dann oft von einer/einem Aussenstehenden gemacht, die/der aber mit dem Arbeitseinsatz und vor allem den Ausgaben an das gemeinsame Budget der Gruppe gebunden ist. Gerade in solchen Netzwerken ist es besonders wichtig, dass auch die Mitglieder mitarbeiten, mithelfen die gemeinsame Marke / das Vorhaben bekannt zu machen. Leider ruhen sich Mitglieder solcher Mitgliedsbeitragsfinanzierten Kooperationen jedoch oft auf diesen aus und machen darüber hinaus nichts, obwohl gerade *sie* an der Basis die jeweilige Zielgruppe der gemeinsamen Sache am besten ansprechen könnten. Ein paar Überlegungen:
Situation:
Eine Gruppe (Verein, Zusammenschluss etc.) dessen Erfolg auf Mitarbeit der Mitglieder und auf aktive Markenbekanntmachung durch die Mitglieder bzw. das "Netzwerk" angewiesen ist, ist "eingeschlafen", weil nicht genügend mitmachen. Wie so oft sind die Gründe vielfältig. Trägheit spielt natürlich eine große Rolle. Die Mitglieder, die einen festen Jahresbeitrag gezahlt haben, glauben dass sie damit eigentlich schon genug geleistet hätten. Jetzt soll halt der Projektbetreuer alles richten... Dass dies nicht funktioneren kann ist klar. Was tun?
Man müsste eine Netzwerk-Mitgliedschaft irgendwie anders aufbauen, "Incentives" einbauen...
Ein Lösungsvorschlag:
Ich habe da eine rein utopische schnapsidee, nur so zum rum spinnen. Aber wer weiß: von viel Schnaps kommt vielleicht irgendwann auch ein wenig Veritas.
Mein Vorschlag: Anstatt (nur) einen festen Jahresbeitrag zu erheben könnte man eine "Aktivitätsprämie" bzw. Dividende am Jahresende ausschütten bzw. Anteile teilweise zurück zahlen. Schließlich schauen wir Deutschen doch so gerne auf das liebe Geld.
Umsetzungsvorschläge:
1) Jeder zahlt einen Mitgliedsbeitrag x für den er eine festgelegte Anzahl an (jeweils klar zu definierenden) Leistungen erhält (Nutzung der Dachmarke, gemeinsame Werbung, Beratung, Schulungen, Hilfestellungen wie Fotoshootings, Werbeartikel, sonstige Gegenstände etc.).
2) Wenn er nachweislich bestimmte Tätigkeiten, die dem gemeinsamen Zweck dienen, das Jahr über macht, kriegt er jeweils einen klar definierten Betrag zurück. Beispiele:
- wenn er das Netzwerk-Logo ganzjährig auf seiner Internet-Startseite hat mit Link zur Netzwerkseite x euro (vll. gemessen an tatsächlichen click-throughs)
- wenn er mindestens einmal alle 2 monate zu einem Netzwerk-Thema mit Link bloggt x Euro
- Fahne / Schild etc. an Haus / Firma x Euro
- Teilnahme an x Treffen / Versammlungen Sitzungen: y Euro
- Teilnahme an den Schulungen des Netzwerks...
- Erlangen bestimmter Qualifizierungen (Service Qualität Zertifikat etc.)
- Leistung einer bestimmt Anzahl ehrenamtlicher Stunden in Unterstützung des Netzwerks (Mithilfe bei Mailings, Anwesenheit bei Messeauftritten etc.)
- Einbringen von konkreten Ideen (hier muss klar definiert werden, wie das messbar sein soll bzw. es muss ein Gremium / eine Jury geben, die darüber entscheidet. Formate wie https://uservoice.com/ können dabei helfen)
- Weitere ideelle Unterstützung (muss je nach Netzwerk natürlich klarer definiert werden).
3) Jeder weiß also im Vorfeld, um wie viel sich sein Jahresbeitrag reduzieren könnte, wenn er/sie aktiv mitarbeitet. Wer nur sein Geld arbeiten lassen will tut nichts (was nicht so wünschenswert wäre... als: hohe Beiträge und hohe Rückerstattungsprämien vereinbaren!).
4) Noch spannender wird das, wenn man diesen Rückerstattungsbetrag aufteilt: z.B. 50% der Prämie gehen an das aktive Mitglied, 50% wiederum in einen gemeinsamen Topf für Gemeinschaftsprojekte. Aktive Mitglieder werden dann bei einer Jahresversammlung im Dezember des jeweiligen Jahres besonders gerühmt und die Gemeinschaft entscheidet, wie der Gemeinschaftspott ausgegeben wird.
So ein Konzept kann nur funktionieren, wenn der Beitrag von Anfang an hoch genug ist, um
a) genügend Anreiz zu geben aktiv mit zu arbeiten und
b) auch mit dem Anteil, der nicht rückerstattungsfähig ist, noch zuverlässig wirtschaften zu können.
Meine Frage an Euch: was haltet Ihr davon? Schnapsidee? Alles alter Hut, hat schon jemand gemacht? (Wer? bitte Beispiele teilen...). Wenn's nicht komplett idiotisch ist: wer hat konkrete Ideen, wie die zu belohnenden Tätigkeiten unter 2) noch aussehen könnten?
Natürlich habe ich hier 2 oder 3 bestimmte Netzwerke / Gruppen im Blick, aber ich denke das ließe sich auf fast jede Branche / jedes Tätigkeitsfeld, wo auch ehrenamtliche Mitarbeit wichtig wäre, anwenden.
Eine erste Rückmeldung einer Freundin, der ich diese Idee gestern grob skizzierte: "an sich ist das ja eine Idee, die mit der Zeit geht. Doch ich wehre mich ein wenig dagegen, dass immer alles nur über Geld läuft… Kann ich denn heutzutage von niemandem Mehr Idealismus verlangen?" Das trifft den Nagel natürlich voll auf den Kopf. Wenn man ein Netzwerk / eine Kooperation nur bewegen kann, indem man monetäre / materielle Anreize bzw. Strafen gibt, ist das schon ziemlich traurig. In wirtschaftlichen Kooperationen ist das nun mal der Hauptgrund des Zusammenkommens: gemeinsam mehr zu erreichen (hoffentlich nicht *nur* im wirtschaftlichen Sinn). Deshalb wäre es sicherlich gut, in die oben genannten Beispiele noch "ideelle" Belohnungen (auch für ideellen Einsatz) einzubauen.
Was meint Ihr? Für Ideen und Anregungen bin ich - wie immer - sehr dankbar!

Schnapsidee zum Mitsaufen: Ein Vorschlag zur Aktivierung von stillen Mitgliedern in Netzwerken von Alexander von Halem steht unter einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported Lizenz.
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