Donnerstag, 23. September 2010

Im Social Web wird jeder zum Designer

Rückblick auf den stARTconference Vortrag von Christof Breidenich



Ein erstes Fazit mit grober Zusammenfassung der Ideen, die in den von mir auf der stARTconference besuchten Vorträgen umher geworfen wurden, habe ich ja schon hier im Blog besprochen. Ich weiß auch, dass sicherlich einige meiner Blogleser / twitter follower das hashtag #start10 nicht mehr sehen können. Ich möchte aber doch noch näher auf den einen oder anderen Beitrag der stART im Schlossblog eingehen, denn ich merke, wie die Ideen in mir noch nachwirken und gären. Diese Gedanken möchte ich teilen und bei Interesse gerne auch diskutieren.

Über den Vortrag von Prof. Dr. Christof Breidenich hatte ich bislang nur ganz knapp folgendes berichtet:

"Prof. Dr. Christof Breidenich konzentrierte sich mit seinem Beitrag "Arkadien oder Arbeitslager? Design und Kommunikation im Social-Web" vornehmlich auf Gestaltung. Logisch, wenn man seine Herkunft berücksichtigt: er unterrichtet Mediendesign an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Köln. In der Tat findet (echtes) Design im Social Web noch zuwenig Beachtung. Hier verwechseln wir oft Design mit Dekoration. Wir geben dem Design oft nicht den Stellenwert, den er in der Konzeptionierung von Social Web Aktionen verdient."


Die Inhalte seines Vortrags verdienen aber noch nähere Betrachtung. Die folgenden Beobachtungen sind Fetzen meiner Notizen und teilweise eigene Formulierungen.

Wir bewegen uns in einer Welt in der Repräsentation und Simulation einer Vereinfachung und Zeichenhaftigkeit weichen. Der Wandel von der Verwendung von Zeichen und Symbolen (die symbolische Einigung auf eine gemeinsam verständliche Darstellung, Beispiel: rotes Kreuz) zur ikonischen Wiedergabe (Verbildlichung, Inhalte zeigen, Beispiel: Icons im Social Web) und wieder zurück zur Zeichenhaftigkeit.

Die Entwicklung von Computer Icons, die Nutzung der Ikonographie zur Versinnbildlichung von Ideen (Beispiel: Leuchtturm des ursprünglichen Netscape Navigator Icons) weicht einer zunehmend symbolischen Darstellung.

Gutes Design beinhaltet wiederum die Reduktion von Komplexität. Hier geht es um Einfachheit statt Verschönerung, Anschaulichkeit statt Dekoration, Verständlichkeit statt Effekte, Funktionalität statt Oberflächlichkeit.

Design ist keiner Elite vorbehalten. Im Social Web wird jeder zum Designer. Wir alle gestalten im Netz. Mit jedem Webauftritt, jedem Blog kümmern wir uns um die Relation von Text zu Bildern, um deren Platzierung etc.

Medien sind Kommunikation. Ein Massenmedium entsteht dann, wenn zu einem Medium Speicherung und Vernetzung hinzugefügt werden. Vieles kann ein Medium sein. So ging Breidenich auf Marschall McLuhan ein, der auch Dinge wie auch Geld, Waffen, Kleidung etc. als Medium bezeichnet hat. Aber erst durch die Speicherung und Vernetzung werden diese zu Massenmedien.

Nonlineares Medium! Der Weg ist nicht vorgegeben. Dynamische Medien: Dinge werden kombinierbar und erweiterbar statt multiplizierbar. Wir prosumieren, anstatt zu konsumieren. Wir gestalten mit. Kontingent statt konsistent. Unsicher statt endlich. Offen (mythisch) statt autorengebunden (Mythos = Erzählung ohne Autor).

Sinnüberschuss fordert Selektion. Niklas Luhmann: Wir können mehr Sinn produzieren, als wir konsumieren können. Wir müssen selektieren. Wir haben totale Freiheit zu den Informationen zu kommen. Es braucht Gestaltung, um diesen Weg zu definieren.

Designer erzeugen Aufmerksamkeit durch Einfachheit, Anschaulichkeit, Verständlichkeit, Funktionalität. Wir müssen unsere Dinge im Aufmerksamkeistkosmos darstellen.
Dirk Baecker: Kultur - all jene Formen, in denen es gelingt, den Überschusssinn eines neuen Mediums zu bewältigen. Selektion!

Wie funktioniert das im Internet?
Processing - Programmierung, Zugang über offene Programmierschnittstellen, APIs.
Gestalter können Dinge gestalten von denen gar nicht klar ist, was dabei raus kommt. Echtzeitkommunikation und Kollaboration.

Grundlage der Gestaltung:
Reduktion von Komplexität.
Beziehung und Unterscheidung.
Bedeutung und Funktion - Zeichen.
Multimedia und Interaktion - von der Fläche auf die Bühne.
Kunst ist ohne Begründung, Design begründet.
Webseite als Dramaturgie. Sich dramaturgischen Grundkonzepten öffnen.

Wir alle sind Gestalter? Packen wir es an!

Notice Anything?

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