Montag, 30. August 2010

Mit Abonnements bewusst umgehen

Ich habe fast keine Abonnements für (gedruckte) Zeitschriften mehr. Die letzten zwei, die geblieben sind, sind die Macwelt und impulse - das Unternehmermagazin. Als ich heute die hohen Stapel dieser Zeitschriften sichtete, ordnete und aufräumte, kamen mir Zweifel, ob ich mich weiterhin mit einer solchen Investition und materiellem Ballast belasten sollte. Aber anstatt einfach zu kündigen, will ich ein Experiment angehen.

Ich werde künftig die Zeitschriften, die ich abonniere (und vielleicht auch die Blogs / RSS feeds) bewusster lesen. Ich möchte aus jeder einzelnen Ausgabe einer Zeitschriften (oder aus einem Blog / Onlineangebote über einen gewissen Zeitraum hinweg) mindestens eine Sache ziehen, die mein Leben (privat oder beruflich) verbessert und das angewandte Wissen auch konkret umsetzen. Gelingt mir dies nicht regelmäßig mit den bisherigen (und etwaig zukünftigen) Medien, werde ich die Abos kündigen. Wenn ich damit auch nichts Anderes bewirke als das: zumindest werde ich die Zeitschriften bewusster gelesen haben, als zuvor.

Wie kann so etwas aussehen? Nun: ich bin ja selbst noch bei der Ideenfindung zu diesem "Projekt". Aber die aktuelle Septemberausgabe von impulse, die ja bereits vorliegt, werde ich nun testweise zerpflücken, um die Praxistauglichkeit meines Experiments zu prüfen.

impulse - das Unternehmermagazin. Ausgabe September 2010:

s. 9 "Hauptsache, es sprudelt". Etwas Makaber: es geht darum, wie deutsche Unternehmen vom Unglück im Golf von Mexiko profitieren. Etwa eine Firma, die Produkte für den Explosionsschutz herstellt. Diese gab es auch vor dem Unglück schon. Und wenn ein solches Unternehmen jetzt Auftrieb hat, weil sie künftig Katastrophen vermeiden oder mindern kann, dann ist das nur gut. Praxistauglichkeit der Nachricht, bzw. wozu regt mich diese an? Um das Risikomanagement muss man sich dann kümmern, wenn alles ruhig und friedlich ist. Jetzt ist die Zeit Kontingenzpläne für Familie und Unternehmen für etwaige Ernstfälle zu erstellen. Wie sehen unsere Katastrophenpläne aus? Wo bringen wir die Familie unter, sollte ein Tornado mal unser Dach abdecken? Mit welchen Partnern schaffen wir Ersatz / Ausfall für Kunden, die zu solchen Zeiten bei uns gebucht haben? Ich habe aufgrund meiner Erfahrung als Offizier schon vor Jahren ein "risk management" System erstellt. Es ist jedoch höchste Zeit, dieses wieder aus der Schublade zu holen, es aufzufrischen und an die derzeitige Lage anzupassen.

Titelgeschichte ab s. 12 "Generation 100 Prozent" über Unternehmerkinder, die als "ehrgeizige Generation" beschrieben werden. Der Leitartikel ist voller unterschiedlicher Blickwinkel und Beispiele, dass es schwierig ist, konkrete Praxisbeispiele zu entnehmen. 96% der in einer Studie von Unternehmerkindern Befragten sagen, "der wichtigste Wert sei, eigenverantwortlich zu leben und zu arbeiten". Das hätte ich auch ohne Studie gewusst. Tenor ist wohl, seine Kinder nicht zur Übernahme von Familienbetrieben zu drängen und sie auch nicht finanziell zu verwöhnen. Das sehe ich keine Gefahr... Aus einem der Interviews wird von einem Planspiel in einem Unternehmen berichtet, bei dem interessante Ansätze von nicht-Wirtschaftlern kamen. Ich bin überhaupt ein großer Freund von Planspielen. Beim Militär nannten wir das Sandkastenspiele. Wir haben versucht Vorgänge vorherzusagen, indem wir sie visualisieren, sie vorher mit verschiedenen Wendungen (möglichst auch physisch) zu durchlaufen. Das macht auch Spaß. Vielleicht werde ich mit meinen Mitarbeitern künftig bestimmte Vorgänge in Form eines Sandkastenspiels besprechen. Da kommt mir auch eine neue Idee für ein unternehmensinternes Brettspiel...

Schön finde ich die Idee des Hefts, sich bei jeder Ausgabe (alle 2 Monate) unter der Rubrik "Warenprobe" einem Produkt zu widmen und die Herkunft der einzelnen Bestandteile, der Zulieferer, Vertriebswege etc. zu widmen. Zur Jubiläumsausgabe (30 Jahre impulse) wird dies ab s. 56 für Heft 361 - das Vorliegende - getan. Die Idee daraus für mich: Bestandteile und Herkunft der bei einer Gästeübernachtung im Hotel anfallenden Produkte und Dienstleistungen zu analysieren. Diese Auswertung hilft evtl. noch mehr auf regionale (gar eigene) Produkte zu setzen. Erst einmal müssen die Vorgänge sichtbar gemacht werden. Ich wittere ein spannendes Winterabendprojekt...

Dieses Prinzip lässt sich auf fast jeden Artikel des Magazins anwenden. Es kommt nur darauf an, mit welcher Motivation ich lese. Bewusst mit dem Gedanken "was kann ich für mich daraus lernen und anwenden?" zu lesen funktioniert. Ich werde mein impulse Abo vorerst behalten!

4 Kommentare:

  1. Danke - das ist wirklich mal eine tolle Anregung! Ehrlich!

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  2. Super Idee! Ich bin begeistert. Ich habe mir erst neulich überhaupt wieder ein Abo angelacht und werde Deinen Hinweis sofort übernehmen, wenn auch der "physische Ballast" meiner Zeitschriften noch einem weiteren Verwendungszweck dient: Als Materialfutter für Collagen :-)

    Im Übrigen ist es ja nicht auf Abos beschränkt, sondern kann auch auf den losen und unregelmäßigen Kauf von Zeitschriften ausgedehnt werden... Auch wenn dabei die verpflichtende Kraft eines Abos fehlt, so ist es doch oft ein unüberlegter Spontankauf, der sich über die Zeit ebenfalls "nutz-los" summiert.

    Ich finde das klasse, dass Du so konkrete Ideen herausziehen konntest.
    Meine Frage jetzt: wie bewahrst Du diese Ideen so auf, dass Du an einem stillen Winterabend dann auch tatsächlich an die Produkt- und Prozess-Analyse denken wirst?

    Liebe Grüße, Claudia

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  3. Danke für die Kommentare!

    Claudia: ich notiere mir die brainstormings in evernote und setze entsprechende Lesezeichen / tags, z.B. auch "inarbeit" für Dinge, an denen ich noch bastele und kann die dann wieder hervor holen, wenn ich weiter daran arbeiten möchte. Größere Projekte werden in meinem GTD System bei "things" eingepflegt und kommen durch das "weekly review" entsprechend immer wieder zum Vorschein.

    Liebe Grüße,
    Alexander

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  4. Zu "Hauptsache, es sprudelt" fiel mir dieser Artikel ein (den ich übrigens auch gleich in meinem evernote Archiv ablegte):

    http://www.nytimes.com/2010/08/23/opinion/23homer-dixon.html?_r=1

    Der Artikel ist in Englisch verfasst, aber es geht hier auch um Pläne den möglichen Klima Schocks entgegenzuwirken, kollektiv wie auch individuell.

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