Montag, 19. Juli 2010

Der musicalische Quack-Salber

Aus der "satyrischen Feder" Kuhnaus



Am Freitag, 24. September findet unsere Veranstaltung zu Ehren des 350. Geburtstags Johann Kuhnaus statt. Das ist zwar noch eine Weile hin, aber die Nachfrage nach detaillierteren Informationen nimmt schon jetzt zu. Der Schatzmeister unseres Förderkreises, Thomas Kerzel, Musiklehrer am Celtis-Gymnasium in Schweinfurt, hat dieses Programm erarbeitet:

Johann Kuhnau war der Amtsvorgänger von Johann Sebastian Bach als Thomaskantor in Leipzig, ein hochgebildeter, hochgeschätzter und äußerst vielseitiger Mann. Er war Kantor, Komponist, Schriftsteller, Jurist, Sprachgelehrter. Für die Neubesetzung der Stelle nach seinem Tod galt Bach dem Rat der Stadt Leipzig als „zweite Wahl“.

Kuhnaus Geburtstag jährte sich am 5. Juni 2010 zum 350. Mal. Aus diesem Grund hat Thomas Kerzel eine frühere Entdeckung hervorgeholt: den Roman aus seiner, wie Kuhnau selbst sagte, „satyrischen Feder“ mit dem Titel „Der musicalische Quack-Salber“.

Der Titelheld Caraffa, der seine musikalische Ausbildung standesgemäß in Italien genossen haben will, blamiert sich in dem 54 Kapitel umfassenden Roman ein ums andere Mal, bekommt einen Prozess wegen des zwangsläufig ausbleibenden Erfolgs seines Kompositionsunterrichts an den Hals, begegnet einem „losen Stäncker“, verpasst ein Liebesabenteuer, weil er in seiner Tollpatschigkeit die Verführungskünste einer verheirateten Edelfrau nicht versteht, wird aber am Ende durch „wohlgemeynte Lehr=Sätze“ eines Pfarrers „geläutert“.

Die musikalische Seite Kuhnaus repräsentieren die „Biblischen Sonaten“ für „Clavier“, worunter man damals die Tasteninstrumente zusammenfasste, also Cembalo und Orgel. Sechs bildhafte und plastische biblische Geschichten hat Kuhnau in seinen Kompositionen sinnfällig in Musik gesetzt und jeweils in einem prägnanten Vorwort, das in unserem Konzert den Hörern dargeboten wird, ihre Inhalte erläutert. Maria Plett, Konzertpianistin und als Klavierlehrerin Kollegin von Thomas Kerzel am Celtis-Gymnasium, spielt auf dem heutigen „Clavier“, dem Flügel, eine Auswahl daraus mit den Titeln „Der Streit zwischen David und Goliath“, „Der von David vermittelst der Music curierte Saul“ und „Jacobs Heirat“.

Passend zur italienischen Hochstapelei Caraffas erklingt auch Bachs „Italienisches Konzert“, das wird alle Musikfreunde freuen, ob sie Caraffa oder Kuhnau kennen oder nicht.

Zum Kulturprogramm des Schlosses: http://www.barockschloss.de/Jahrespr.htm

Video: Johann Sebastian Bachs "Italienisches Konzert"




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