Das Social Web und Kultureinrichtungen
Im Rahmen der stARTconference 2009 in Duisburg wurden die Sprecher alle online vorgestellt. Diese Vorstellungen sind immer noch online zu finden. http://www.startconference.org/sprecher/ und ich habe mal wieder in diesen sowie in den Beiträgen der verschiedenen Sprecher aus den Bereich Kulturwissenschaft, Kulturmanagement, Kunst, Kommunikation, web2.0 Freaks etc. gestöbert. Ein Zitat aus dem Interview von Simon A. Frank durch Christian Holst hat mir besonders gut gefallen.
Auf die Frage "Warum lohnt sich deiner Meinung die Beschäftigung mit dem Web 2.0 für Kultureinrichtungen?" antwortete Simon Frank: "Da gibt es jede Menge Gründe, zu viele, um sie hier aufzuzählen. Ein altes chinesisches Sprichwort heißt ungefähr so: Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen. So ist’s auch mit dem Web 2.0 und ich hoffe, dass Kultureinrichtungen dies in Zukunft immer mehr erkennen werden und sich häufig trauen, Windmühlen zu bauen."
Ich finde dieses Bild sehr angemessen, denn ich erlebe es immer wieder, dass bei der bloßen Erwähnung von social media (gerade im Bereich der Kultur, in dem wir uns als kleiner Kulturveranstalter ja auch bewegen), die Schutzwälle aufgezogen werden. Man traut dem ganzen Spielchen noch nicht so ganz, tut es oft ab als Kinderkram.
Kürzlich durfte ich ein Interview geben, das die Grundlage für einen (allerdings geschlossenen, abopflichtigen) Artikel von Götz A. Primke zur Anwendung von social media in der Hotellerie wurde. Während die Antwort ja positiv ausfällt, zeigt die Fragestellung im Titel des Artikels, wie viel Skepsis dem Web2.0 an der "Basis" noch entgegen gebracht wird: "Teenager-Spielzeug oder neues Marketing-Tool? - Social Media, was ist das? Google listet jetzt auch deren Einträge".
Egal, ob es um Web2.0 / social media oder um andere Veränderungen in unserer Umwelt - im Haifischbecken, in dem wir uns bewegen - geht: ist es nicht sinnvoller Windmühlen zu bauen und den Wind des Wandels zu zähmen, umzuleiten und in unseren Dienst zu stellen, als immer gleich Schutzmauern aufzustellen?
Ich schätze jedenfalls das wachsende Feedback, das uns von unseren Gästen und Besuchern erreicht. Es wächst, weil sich die Gesellschaft wandelt, weil die Menschen sich andere Verhaltensweisen angewöhnt: man nutzt verstärkt Möglichkeiten zum Kommentieren von Inhalten und Marken. Es wächst aber auch, weil wir zusätzliche Kanäle für den Dialog geöffnet haben. Nicht jeder mag öffentlich im Blog kommentieren; der/diejenige wird das Blog jedoch vielleicht lesen und dann per email antworten. Andere nutzen Facebook. Andere wiederum überhaupt nicht, wenngleich sie sich auch im Netz bewegen. Was ich mit deutlich steigernder Tendenz vermerke ist die Verwendung unseres chat widgets, zum Beispiel auf der Kontaktseite unseres Internetauftritts: immer öfter kommt es nun vor, dass ich von Gästen angechattet werde. Aber wem erzähle ich das alles... wer Blogs liest, ist ohnehin schon "dabei", oder?
Daher meine Bitte an Euch, die Ihr schon die Vorteile des vernetzten Teilens und Kommunizierens erkennt: gebt denen um Euch herum, die Ihr gern habt, Nachhilfeunterricht. Helft ihnen online zu kommen im Sinne von Web2.0 und was noch kommen mag. Sprecht aber auch mit den Kulturveranstaltern (oder anderen Branchen, die Ihr mögt) und bittet sie, Euch den Dialog per social media zu ermöglichen. Zwitschert es von den Dächern! Der stete Tropfen...

Das mit Nachhilfe geben ist ein interessanter Punkt.
AntwortenLöschenIch werde oft gefragt warum ich denn überhaupt einen Blog schreibe, was es mir bringt, etc. Das sind alles Leute ungefähr in meinem Alter (60er Jahrgang).
Ich habe schon einige Nachhilfestunden gegeben in Bezug auf XING, Facebook, social media allgemein, etc. Das allein wäre schon eine Marktnische.
Lass uns doch mal einen Blogworkshop auf dem Schloss organisieren. Wir bauen hier grad an einer Social-Media-Akademie für den Mittelstand auf, das lässt sich doch auf Kulturbetriebe genauso umwidmen.
AntwortenLöschenJetzt wollte ich mit Dir chatten und Du bist offline ;-)
AntwortenLöschenIch mach eine ganz andere Erfahrung. Vor einem Jahr bin ich auf großes Unverständnis gestoßen, wenn ich Kulturleuten von Social Media erzählt habe. Ich musste mir harrsche Kritik anhören, als ich vergangenes Jahr Christian Kabitz einmal pro Woche mein Blog überlassen habe, damit er übers Mozartfest berichten konnte. Solche Angriffe gehören mittlerweile der Vergangenheit an.
Derzeit stelle ich fest, dass in den vergangenen Monaten viele Kultureinrichtungen (ich interessiere mich v.a. für Museen und klassische Musik) Twitter-Accounts und Facebook-Profile angelegt haben. Das Thema ist bei Kultureinrichtungen angekommen.
Nachholbedarf besteht in der Art und Weise, wie die Kanäle genutzt werden. Dialog ist für viele ein Fremdwort und bei vielen ist auch keine Strategie zu erkennen. Es läuft eher unter dem Motto "wir müssen ein Profil, einen Account haben".
In dem Zusammenhang ist vielleicht das Interview, das mir Werner Lippert vom NRW-Forum gegeben hat, ganz interessantt. Er äußert sich darin auch zu den fehlenden Blog-Kommentaren. http://bit.ly/cG2UHf
@Maria super, gib nicht auf!
AntwortenLöschen@Alexandra ja, das wäre toll. Allerdings sollte das Schloss wohl erst eine vernünftige Breitbandanbindung haben, damit es dann auch zuverlässig klappt mit dem online gehen!
@Ulrike schön, dass immer mehr Kulturveranstalter diese Werkzeuge nutzen. Allerdings wird es erst wirklich sinnvoll sein, wenn auch diejenigen in der Zielgruppe diese auch nutzen. Das Interview mit Werner Lippert sehe ich mir gerne an! Lese ja Dein Blog per RSS und bin bei facebook fan von NRW-Forum. Und was das Chatten betrifft! Ich war tatsächlich mal eine Stunde oder zwei offline, Mittagessen, Kinder...
Alexander
Freut mich, dass hier die Windmühlen zitiert werden. Aber auch ich kann nur bestätigen: Leider bauen die meisten Kultureinrichtungen immer noch Mauern und haben den "Witz" noch nicht verstanden. Viele meinen, ein Facebook-Account wäre es und schon ist man bei der social media Sache voll dabei ...
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