Donnerstag, 3. September 2009

Schlossführung: Was die Besucher immer wissen wollen

Heute war mal wieder "Schlossführung" angesagt in unserem Landschloss. Natürlich erzähle ich beim Zeigen der Säle auch etwas zur Baugeschichte des Schlosses und seiner früheren und heutigen Nutzung. Gerne gehe ich dabei auch auf Fragen der Besucher ein. Diese haben jedoch oft nichts mit den oben genannten Themen zu tun. Es gibt ein paar Fragen, die so gut wie jedes Mal gestellt werden (weshalb ich sie hier und da auch mal vorweg nehme).

Frage Nummer eins ist fast immer: "gibt es im Schloss ein Schlossgespenst?" Dies ist wohl eher die Verlegenheitsfrage, der Eisbrecher. Ich weiß darauf immer nicht so recht etwas zu antworten und es kann vorkommen, dass ich nur lapidar antworte, ich hätte noch keines gesehen. Aber es gibt eine kleine Anekdote aus meiner Kindheit zu diesem Thema: Auf dem Dachboden war früher ein Estrich auf dem wohl Getreide gelagert hatte. Dieser Estrich war - wie alle Böden und Wände im Schloss - nicht besonders eben. Ein besonderer Spaß, den mein Vater uns machte wenn Freunde mit Kindern zu Besuch waren, war abends auf den Dachboden zu steigen und eine große Sandsteinkugel (wohl ein Relikt des früheren Schlossportals, die wir Kinder jedoch immer als Kanonenkugel bezeichneten), auf dem krummen Estrich hin und her zu rollen. Unten horchten wir dann gespannt auf die Geräusche dieses "Schlossgespenstes". Der Estrich wurde in den frühen 80er Jahren jedoch vom Dachboden entfernt, aus statischen Gründen, um das Gewicht auf dem Haus darunter zu reduzieren. Seitdem hat man das Rollen und Grollen des Schlossgespensts nicht mehr gehört.

Frage Nummer zwei: ob denn die Möbel im Schloss drin waren, als meine Eltern es 1979 in desolatem Zustand kauften. Die einfache Antwort: nein. Das Schloss war durch seinen Vorbesitzer (im besten Eifer des "Modernisierungsgedanken" der 60er und 70er Jahre) recht ramponiert worden. Etwaig von der gräflichen Familie Schönborn übernommene Einrichtung wurde entweder verkauft, oder verschrottet. Selbst die schönen doppelflügigen, hohen Türen des 18. Jahrhunderts lagen auf einem Schrotthaufen im heutigen Schlossgarten (und konnten wieder eingehängt und von einem Restaurator von seinen 6 über schöner Bemalung liegenden Farbschichten befreit werden). Alles andere war weg. Das Schloss haben wir nach und nach wieder möbliert. Gönner und Förderkreismitglieder machen hin und wieder auch eine Möbelspende und es sind auch einige Dauerleihgaben im Schloss zu sehen.

Andere Fragen / Antworten möchte ich hier noch nicht vorweg nehmen, denn vielleicht möchten unsere Blogleser ja auch mal selbst zu einer Schlossführung kommen! Termine veröffentliche ich (manchmal auch kurzfristig) in unserem Jahresprogramm online. Für Gruppen machen wir gerne auch Schlossführungen nach terminlicher Vereinbarung.

Fürtbischöfliches Wappen von Schönborn