Sonntag, 3. Mai 2009

Tourismusbesprechungsraum in Ischgl zu Hotelbewertungen

Die letzten zwei Tage habe ich in Ischgl, Tirol verbracht. Es hat einen riesen Spaß gemacht, wenngleich der Hauptgrund dort zu sein die Teilnahme an einem touristischen Fachgespräch zum Thema Hotelbewertungen im Internet war.

Hotelbewertungen - überschätzt? Oder haben Hoteliers die Entwicklung im social web verschlafen? So hätte das Thema des round table Gesprächs - zu dem Michael Mrazek mich und etwa 19 andere aus Deutschland und Österreich zum Saisonabschluss nach Ischgl in Tirol eingeladen hatte - lauten können.

Mike Mrazek ist Geschäftsführer der führenden österreichischen auf den Tourismus spezialisierten Internetmarketingagentur ncm.at und beschäftigt sich somit täglich und an erster Front mit dem Thema social web und unserem Gesprächsthema des Treffens: Hotelbewertungen.

Empfohlen zur Teilnahme hatte mich Stefan Niemeyer von (Romantikhotel Schloss Rheinfels und tourzeichen.de) der mir ja auch schon Gelegenheit gab in seinem Hotelmarketing-Blog das Schlossblog vorzustellen. Ich vertrat am runden Tisch die bunten Vögel der Kleinst-privatgeführten Hotels, die sich so keiner Kategorie zuordnen lassen. Natürlich spielt dabei eine wichtige Rolle, dass ich selbst akiv blogge, twittere und so ziemlich jede Anwendbarkeit des so genannten social web ausprobiere.

Es waren auch andere Hoteliers aus Deutschland und Österreich vertreten sowie Vertreter / Inhaber der Bookingportale und Hotelbewertungs- bzw. Beurteilungsportale tripsbytips, qype, beauty24.de. Einen Impulsvortrag zum Einstieg ins Thema lieferte uns Florian Bauhuber von tourismuszukunft.de. Stefan Niemeyer moderierte das Gespräch.

Größter Konsens des Gesprächs war, dass die zeitnahe Bewertung von Leistungsträgern (nicht nur Hotels) im Internet nicht mehr wegzudenken ist und Dank Auswertung / Aggregierung durch Suchmaschinen wie google auch immer wichtiger werden. Als Hotelier, der ja immer Gastgeber ist, ist die Kommunikation mit den Gästen vor Ort sehr wichtig; aber auch das Monitoring von Webinhalten durch den Hotelier (also die stete Beobachtung der Suchergebnisse über sein Haus) wird immer wichtiger.

Hotelbewertungen im Internet haben, auch wenn viele Hoteliers diese noch sehr kritisch beobachten, auch ein großes Potenzial. Denn auch eine im ersten Ansatz als "negativ" empfundene Kritik kann positiv sein. Eine Gästekritik deckt vielleicht Mängel und empfundene Mängel auf (was ja für den Gast genauso wichtig ist) und ermöglicht erst deren Beseitigung. Im Sinne einer positiven Reklamationsbearbeitung gibt uns eine Bewertung durch Kontaktaufnahme mit dem Gast die Möglichkeit diesen anzuhören und vielleicht doch noch als wiederkehrenden Gast gewinnen können. Und dann kann es auch durchaus sein, dass eine von einem Gast als "negativ" empfundene Kritik beim anderen Gast positiv aufgefasst wird. Das klassische Beispiel: beklagt sich ein Gast über mangelndes Nachtleben, zuviel Ruhe oder keinen Netzempfang, empfindet dies ein Gast, der Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, als Vorteil.

Per twitter kannten sich einige der Teilnehmer des Treffens schon oder haben sich nun hier neu vernetzt. Das Potential dieses Kommunikationsmediums als schnelle und aktuelle Methode potentielle Gäste zu gewinnen, wurde von einigen besonders hervorgehoben. Besonders die Tatsache, dass Stichwörter, die bei twitter fallen und für unsere Gäste interessant sein könnten, indiziert und langfristig gefunden werden können, fand Anklang. Einige Kollegen nannten Erfolgsbeispiele der Kommunikation mit künftigen Gästen per twitter, was ich ja aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

Das kurze aber effektive Treffen deckte weitere Themenfelder auf, deren weitere Bearbeitung sich manch einer der Teilnehmer wünschte.

Natürlich war das Treffen nicht nur Arbeit, denn gerade beim "socializing" findet doch der meiste Erfahrungsaustausch statt. Das stimmt nicht nur für diese "webaffine" Gruppe von social web Touristikern.

Nach dem round table Gespräch am Freitag, 1. Mai (das übrigens traumhaft gelegen nur per Seilbahn erreichbar ganz oben auf dem Berg stattfand) ging es ersteinmal ins Hotel. Danach waren wir im Gourmetrestaurant Stüva des Hotel Yscla in Ischgl zu Gast, wo Tirols jüngster Haubenkoch Benjamin Parth (14 Punkte von GaultMillau) uns ein traumhaftes Feinschmecker-Menü zauberte, das so viele Gänge hatte, dass ich sie nicht mehr aufzählen kann (zumindest nicht in der Rafinesse, in der sie uns vorgestellt wurden).

Anschließend ging es zur Après Ski Party in Ischgl, die auf besondere Einladung unseres Gastgebers Michael Mrazek und des Eigentümers des Hotel Madlein, Günther Aloys, in der VIP Lounge der Diskothek Pacha stattfand. Im Hotel war auch Kylie Minogue untergebracht deren Konzert auf dem Gipfel am Freitag, den krönenden Abschluss unseres "Tourismusbesprechungsraums" war (siehe vorhergehenden Blogeintrag).

Unserem Gastgeber Mike Mrazek sei hiermit ein besonderer Dank für seine Gastfreundschaft und für die Möglichkeit, das Thema mit den Experten und Kollegen zu vertiefen. Begleitet wurde das Treffen von der Fotografin Doris Wild und ihrem Filmteam von wildbild.at. Fotos und Videos werden sicherlich bald auch bei YouTube etc. zu finden sein.

Wichtig ist natürlich auch: welche Folgen hat dieser Tourismusbesprechungsraum für mich, für das Schloss? Ich fühle mich in dem begonnenen Weg, transparent und aktiv den Kontakt zu unseren Gästen zu suchen und Ihnen die Möglichkeit zu geben über Ihre Wünsche und Erfahrungen im Schloss zu berichten, bestärkt. Ein paar neue praktische Ideen zur Umsetzung habe ich natürlich auch bekommen. Diese will ich hier noch nicht verraten, aber man wird im Laufe der Zeit die Umsetzung dieser Ideen hier beobachten können!

Michael Mrazek

Ischgl