Das MacBook lädt mal wieder umfangreiche Updates für OS X 10.5 Software herunter (endlich kommt auch dieser Rechner in den Genuss des QuickTime Updates, aber auch iPhoto, Front Row und weitere). Da merke ich mal wieder, wie sehr ich auf die Internetverbindung für meine Arbeit und verschiedenen Projekte angewiesen bin. Wenn größere Batzen Software herunter geladen werden geht aber nichts mehr anderes bei unserer DSL „light“ Verbindung. Diese lässt sich die Telekom jedoch ohne Scham zum vollen 1000er DSL Preis bezahlen. Schließlich will man ja schneller im Netz sein, als mit ISDN. Da ist man selber Schuld, wenn die Telekom den Standort für nicht lukrativ genug betrachtet. Zuwenig Nachfrage aus dem Ort. Da lohnen sich keine Investitionen.
So ähnlich wird aus wirtschaftlichen Gründen in immer mehr Entscheidungen verfahren, bis es bald keine nennenswerte Infrastruktur mehr gibt im Dorf. Metzgerei? Schon lange geschlossen. Postfiliale? Erst nach Kolitzheim zusammen gelegt, dann diese auch geschlossen. Aber Briefmarken kann man ja auch noch mit dem Handy kaufen – oder im „Verkaufspunkt“ seines Vertrauens beim Versicherungsvertreter oder im Getränkeladen. Gastwirtschaften? Mit Sonne, Hirsch und Stern ehemals drei florierende Traditionsgasthäuser im Ort. Zuletzt versuchte ich mich zusätzlich zur noch florierenden Bewirtschaftung des Schlosses als „Wirt“ am Platz, 6 Jahre lang, letztlich ohne genügend Erfolg, um das Gasthaus „Zur Sonne“ als à la carte Restaurant mit unserem Zeilitzheimer Koch Hans Behr noch länger offen zu halten. Aber es gibt noch das Sportheim für den Stammtisch und die Bewirtung zu besonderen Anlässen.
Die Raiffeisenbank hat zwar ihre Öffnungszeiten eingeschränkt (hier trifft man an 3 Vormittagen und 2 Nachmittagen pro Woche auf unseren örtlichen Banker – aber nur noch kurze Zeit, da er bald in den Vorruhestand verabschiedet wird. Ob die Öffnungszeiten danach eingehalten werden, weiß ich noch nicht).
Schuster, Schneider, Zahnarzt... alles nur noch in der Kleinstadt zu finden. Wir sind ja schließlich mobil geworden. Der Kolonialwarenladen der Schwestern Kohles aus meiner Kindheit hat auch schon lange geschlossen; dafür hat die Familie Hauck ihre Bäckerei zu einem respektablen Einzelhandelsgeschäft ausgebaut, in dem es die Notwendigkeiten des Lebens zu kaufen gibt. Leider wird auch dieses zu wenig genutzt, um wohl sehr lange Bestand zu haben. Ich wünschte es wäre nicht so und rechne der Familie Hauck ihre Grundversorgung der Bürger unseres Ortes sehr hoch an.
Und auf dieser letztlich positiven Note möchte ich den heutigen „Tagebucheintrag“ auch so langsam enden. Denn es ist nur eines klar und für immer sicher: alles ändert sich. Die Frage ist: wie gehe ich mit der Veränderung in der Welt um mich herum um? Wie trage ich meinen Teil dazu bei, dass es vielleicht besser wird? Schwierige Fragen. Noch schwieriger die Antworten. Kann man doch nur am eigenen Verhalten die Welt verändern oder verbessern, wenn überhaupt.
Ich hatte einige Jahre lang versucht eine infrastrukturelle Lücke zu schließen und musste diese Anfang vergangenen Jahres mit der Schließung des Gasthauses wieder aufreißen. Meine Energie stecke ich zumindest seit einem Jahr vermehrt in das Wohlergehen des Schlosses, seiner kulturellen Veranstaltungen, den Familienfesten und seiner Instandhaltung. Das macht das Dorf vielleicht für Gäste von weiter her attraktiv, die hier in den Zimmern der Privatvermieter wohnen und den Zeilitzheimer Wein trinken. Für die Bewohner unseres Dorfes scheint das Schloss – bis auf einige Arbeitsplätze - jedoch keine große Bereicherung zu sein.
Um zum Thema der dörflichen Infrastruktur zurück zu kommen: kann man es, wenn wir Dorfbewohner selbst ob der wirtschaftlichen Untragbarkeit Dienstleistungen vor Ort schließen, der Telekom verübeln, wenn sie uns nicht verkabelt oder im Mobilfunkloch sitzen lässt? Wohl nicht. Es stellt sich für mich nur die Frage, ob es nicht langfristig gesehen sinnvoll wäre, die Allgemeinheit (sprich die Gemeindeverwaltung und Politik) kümmere sich mehr um den Anschluss seiner Bürger ans schnelle Netz, das mehr und mehr zur Grundlage aller Kommunikation und somit Lebensgrundlage wird. Klar: Verantwortung trägt jeder für sich selbst. Es fragt sich nur, ob es in diesem Fall nicht gemeinschaftlich besser voran ginge.
Die Updates haben nun fertig geladen und ich kann wieder ins Netz! Schnell die Chance nutzen und diesen Blogbeitrag hochladen...
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen