Mittwoch, 17. Dezember 2008

Die Zeilitzheimer Kirchgaden (Kirchenburg)

Zeilitzheim verfügt über eine beachtliche Kirchgadenanlage, die wegen verschiedener Eigentumsverhältnisse jedoch noch keine große Hoffnung auf Sanierung oder Nutzung hatte.

Kreisarchivpfleger Hilmar Spiegel hat für die Beschilderung der historischen Gebäude Zeilitzheims die Gaden wie folgt beschrieben:

"Die Gadenringanlage mit ihren ehemals 10 Gaden geht in die erste Hälfte des 15. Jh. zurück.
Auf dem Fensterbogen eines solchen Vorratshauses war bis um 1975 die Jahreszahl 1427 zu erkennen.
Eine Steintafel im Mauerwerk eingelassen trägt neben dem Namen Valte (Valentin) Steinmitz die Jahreszahl 1580.
Zusammen mit dem Gemeindeturm, der Friedhofsbefestigung und dem Turm der Pfarrkirche mit seinem über 1 m dicken Mauerwerk bildete sie einst die Kirchenburg.
Im Mittelstein des Sandsteinbogens der ersten Gade rechts war bis vor einigen Jahren noch die Jahreszahl 1744 erkennbar.
Die schönste Gade, einst im Besitz der Adelsfamilie der Fuchs v. Bimbach, befindet sich an der Ostseite und hat einen fast turmartigen Aufbau.
Erd- und Obergeschoss werden im Fachwerk von einem Fries mit rechteckigen Einkerbungen getrennt.
Im Mittelstein des Eingangsportals war bis 1992 noch die Jahreszahl 1787 zu erkennen.
In den Holzbalken sind mehrfach versenkte Rautenmuster zu erkennen. Im oberen Teil des Tragbalkens weist ein Wolf als Wappentier auf seinen adeligen Besitzer hin.
1824 wurde der Gemeindeturm mit seinem Eingangstor als Befestigung der Kirchenburg abgetragen.
Als Schutz- und Zufluchtsort angelegt, fanden in kriegerischen Zeiten die Gaden auch als Vorratshäuser Verwendung.
1890 wurde mit Abriss zweier Gaden die Kirchenburg durchbrochen und eine evangelischen Schule errichtet.
In der Gade links daneben ist im Mauerwerk ein gotisches Fensterfragment aus der Vorläuferkapelle eingefügt."

Leider ist die Schule von 1890, der zwei der alten Gaden zum Opfer fielen, inzwischen auch schon baufällig. Hier lagert der Sportverein seine für das jährliche Weinfest benötigte Technik. Das Gebäude befindet sich im Eigentum der Gemeinde Kolitzheim, die es sicherlich verkaufen würde, falls hier jemand ein schmuckes Wohnhaus daraus machen möchte. Allerdings darf der künftige Bauherr sich nicht an der stündlich schlagenden Kirchenglocke gleich nebenan stören. Zu Mitternacht schlägt sie gleich 28 mal (als bräuchte man diese in der heutigen Zeit noch zur Zeitansage).

Die Glocken auch nachts noch schlagen zu lassen, wobei das daran angeschlossene Uhrwerk sich mit Leichtigkeit auf eine Pause zwischen 23 und 6 Uhr einstellen ließe, scheint auf einem Machtkampf zu beruhen. Man beruft sich im Kirchengemeinderat hier auf Tradition (ist man in anderen Bereichen doch so schnell, das "alte Gelump" raus zu werfen...).